Opel Werk

Fiat-Opel-Verhandlungen

— 05.05.2009

Fiats schwarze Liste

Erst sichert Fiat-Chef Sergio Marchionne im Falle eines Opel-Einstiegs den Erhalt aller vier deutschen Werke zu – dann gilt Kaiserslautern in einem Konzept-Papier wieder als Wackelkandidat.

(dpa) Fiat erhofft sich mit den Plänen für einen neuen Welt-Autokonzern zusammen mit Chrysler und Opel jährliche Einsparungen von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Dieser angestrebte Synergieeffekt vom Jahr 2015 an geht aus dem Konzept Fiats für einen Einstieg beim angeschlagenen Autobauer Opel und für den neuen Unternehmensverbund hervor. Dass sich die Marken Fiat, Opel, Saab, Vauxhall und Chrysler gegenseitig Marktanteil abjagen könnten, befürchtet der italienische Autobauer nicht. In dem 46-seitigen Konzept "Project Phoenix" wird das Opel-Werk in Kaiserslautern als ein Standort aufgeführt, der "von einer möglichen Schließung betroffen sein könnte". Verkleinert werden sollen die Opel-Werke in Rüsselsheim und Bochum. Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte noch am Dienstag (5. Mai) den Erhalt aller vier deutschen Werke zugesagt, nachdem Kaiserslautern als Wackelkandidat genannt worden war.

Fiat will mit dem Europageschäft des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) sowie dem insolventen amerikanischen Autobauer Chrysler zum zweitgrößten Autohersteller der Welt aufsteigen. Dabei sollen die GM-Marken Opel, Vauxhall und Saab erhalten bleiben und vom italienischen Konzern unter anderem die Marken Fiat und Alfa Romeo. Die Opel-Zentrale soll in Rüsselsheim bleiben, Fiat soll von Turin aus und Saab weiter von Schweden aus gelenkt werden. Nach dem Fiat-Konzept könnten insgesamt sechs Fabriken in Europa geschlossen werden.

Bei weiteren sechs Werken sind Kürzungen geplant. Im Ausland drohen dem englischen Werk in Luton, dem österreichischen Werk in Graz, den beiden italienischen Werken in Canavese und Termini die Schließung, die polnische Fabrik Ispol könnte betroffen sein. Kürzungen könnte es im Ausland geben im schwedischen Trollhättan, im belgischen Antwerpen, im spanischen Saragossa und im italienischen Pomigliano.

Derzeit gibt es in Europa 23 Werke von Fiat und GM Europe, die zusammen rund vier Millionen Autos herstellen. Die aus Sicht von Fiat geringe Zahl von Werksschließungen, die Synergieeffekte von jährlich 1,4 Milliarden Euro und ein Cash-Flow (Zugang an flüssigen Finanzmitteln) von mehr als fünf Milliarden Euro werden neben dem geringen Risiko einer Marken-Kannibalisierung als Vorteil aufgeführt. Wie bereits bekannt, wird der Finanzbedarf auf rund sieben Milliarden Euro für maximal fünf Jahre beziffert. Dafür sind Staatsgarantien der beteiligten europäischen Länder im Gespräch. Der größte Teil dürfte auf Deutschland entfallen. Laut dem Fiat-Konzept könnten die Staatsgarantien von 2012 an langsam auslaufen.

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Karl-August Almstadt

Karl-August Almstadt

Fazit

Deutschland und Italien: Was für eine Liebesbeziehung! Mal große Oper, dann wieder Trauerspiel. Es ist halt, wie es ist: Die Italiener achten uns, aber sie lieben uns nicht. Wir Deutsche hingegen lieben Italien, und irgendwie auch die Italiener, aber wir achten sie nicht. Jedenfalls nicht immer und schon gar nicht diesseits von Chianti und Pasta al dente, nämlich dann, wenn es um nüchtern-harte Geschäfte geht. Wie das jetzt angestrebte: FIAT will Opel retten. Retten? Fiat will Opel kaufen. Gebot im ersten Schritt: eine Milliarde Euro. Lächerlich. Wird da etwa gezockt? Vertrauen jedenfalls mag da nicht so recht aufkommen, wenn der 72jährige Staatschef – ohne Anhang – bei der deutschen Kanzlerin aufläuft. Sicher nicht, um ihr den Hof zu machen. Berlusconi, selber milliardenschwer, ist Profi und mit jenem Selbstbewusstsein ausgestattet, mit dem Italiener tendenziell diktatorisch sind. Mit einem Staatkonzern im Rücken, denn das ist Fiat seit dem Ende der Angnelli-Ära, wird Italiens Staatschef Berlusconi sicher nur eines im Auge haben: italienische Interessen. Die neue Achse Rom-Rüsselsheim sähen wir deshalb mit äußerst gemischten Gefühlen. Ein tragfähiges Konzept, um an deutsche Steuergelder zu kommen, ist momentan nicht in Sicht. Ebensowenig, wie der hochverschuldete Fiat-Konzern mit Chrysler-Ballast und fehlenden Innovations-Technologien zur angedachten Nummer zwei im Weltmarkt werden will. Fusionsfieber, Partnerschaften und Zahlenspiele sind die eine Seite – die italienischen Momente der aktuellen Autokrise. Solide Finanzierungen und seriöse Marktkonzepte die andere in diesem hochkomplizierten Übernahmemodell. Opels Zukunft ist kein Hütchenspiel!

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