Opel Werk

Fiat-Opel-Verhandlungen

— 08.05.2009

Sorgen um Kaiserslautern

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sorgt sich ums Opel-Motorenwerk in Kaiserslautern. Beck fürchtet, Fiat könnte "Powertrain" nach einer Übernahme schließen.

(dpa) Kaiserslautern bangt mehr denn je: Droht der Opel-Motorenfertigung mit 1100 Beschäftigten die Schließung? Nach einem Gespräch mit Fiat-Boss Sergio Marchionne plagen den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) "größte Sorgen". Er habe nach der Unterredung am Freitag (8. Mai) hinter verschlossenen Türen in Mainz "mehr Zweifel als vorher", sagte der Landesvater. Fiat will beim angeschlagenen Autobauer Opel einsteigen – und wohl vieles verändern. So ist es laut Beck Teil des Fiat-Konzepts, die Motorenproduktion aus Effizienzgründen an einem Standort zu konzentrieren. "Das würde heißen: Aus für den Powertrain", betonte er.

Neben der Motorenfertigung (Powertrain) am Kaiserslauterer Opel-Standort mit 1100 Beschäftigten gibt es dort noch ein Komponentenwerk mit 2300 Mitarbeitern. "Die Landesregierung hat erheblichste Sorgen um ein Konzept, das für Opel keine eigene Motorproduktion in Deutschland beinhaltet", sagt Beck. Zwar sei die Notwendigkeit einer Marktbereinigung unbestritten. "Sie kann aber nicht so aussehen, dass sie für keinen Teil des Opel-Standorts Kaiserslautern ausreichende Sicherheit ergibt." Man könne nicht einem Weg folgen, "der für Kaiserslautern und die anderen (Opel-)Standorte so große Unwägbarkeiten beinhaltet."

Bislang hat Fiat nach Darstellung des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) keine Einsicht in die von Opel bereitgestellten Daten genommen. Fiat habe aber zugesagt, das bald zu tun, sagte Koch nach einem Gespräch mit Marchionne. Die Landesregierung werde "andere Konzepte in gleicher Weise prüfen", betonte Beck. Rheinland-Pfalz wolle eine einvernehmliche Lösung mit dem Bund und den anderen Opel-Ländern Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen.

Als Interessenten an Opel gelten auch der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna und Finanzinvestoren. Koch empfahl Fiat laut Staatskanzlei, sich sich wie die anderen Interessenten am offiziellen Bieterverfahren zu beteiligen. "Aus unserer Sicht sind die Kriterien für die Entscheidung die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens, die Erhaltung möglichst vieler Arbeitsplätze und eine möglichst geringe Belastung der öffentlichen Kassen", sagte er.

Fiat-Chef Marchionne war kürzlich nach einem Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im Maserati zum Treffen mit Beck nach Mainz gebraust. Erneut leger im schwarzen Pulli und ohne Krawatte gekleidet, begnügte er sich mit einem kurzen und weniger pessimistischem Presse-Statement: Zur Zukunft des Opel-Standorts Kaiserslautern gebe es "noch viel zu verhandeln". Es sei alles im Fluss. Die ideale Lösung hinsichtlich eines Einstiegs bei Opel wäre ein Abschluss bis Ende Mai 2009. "Wir hoffen, vor Ablauf der von (US-Präsident Barack) Obama gesetzten Frist in der Lage zu sein, eine Lösung zu finden", fügt der italienische Manager hinzu.

Der US-Autobauer General Motors (GM) will für sein Europa-Geschäft rund um Opel noch in diesem Monat einen Partner finden. Obama hat GM für einen endgültigen Sanierungsplan eine Frist bis Ende Mai vorgegeben. Andernfalls droht eine Insolvenz als letzter Rettungsweg wie derzeit beim Wettbewerber Chrysler. Der Oberbürgermeister von Kaiserslautern, Klaus Weichel (SPD), befürchtet eine regionale Katastrophe im Falle einer Schließung des westpfälzischen Opel-Werkes. Die Opel-Beschäftigten hätten in der strukturschwachen Region kaum eine Chance, neue Arbeitsplätze zu finden. Auch der Kaiserslauterer Betriebsratschef Alfred Klingel war bestürzt angesichts der Fiat-Pläne: "Wir machen das nicht mit." Unter diesen Voraussetzungen stünden die geplanten Beiträge der Beschäftigten für eine Zukunft von Opel auf der Kippe. "Warum sollten wir unsere eigene Beerdigung selbst bezahlen?"

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