Fiat Punto II (1999-2005)

Gebrauchtwagen Fiat Punto II Gebrauchtwagen Fiat Punto II

Fiat Punto II (1999-2005)

— 03.03.2003

Nur die Elektrik spinnt

Es ist zum Durchknallen: Störungen im Stromnetz vermasseln dem kleinen Italiener immer wieder mal die Tour.

Elektrik und Marktlage

Schön und billig – in aufs Sparen abonnierter Zeit macht dieses Argument neugierig. Und da fällt der Blick bei den Kleinwagen zwangsläufig auf den Fiat Punto, einen der preiswertesten Europäer seiner Klasse. Neu kostet die 60-PS-Basis (1.2 8V Start) knapp 9000 Euro, gebraucht wechselt der blaue Schlüssel bereits ab etwa 5400 Euro seinen Besitzer. Das Angebot ist reichhaltig, denn drei Jahren nach Markteinführung verabschieden sich die Erstbesitzer gerne zugunsten eines neueren Modells.

Statistiken über den Erfolg beim TÜV gibt es allerdings noch nicht, da seit dem Deutschland-Start im September 99 noch nicht genügend Fahrzeuge bei der ersten Hauptuntersuchung nach drei Jahren waren, um aussagekräftige Zahlen zu erhalten. Unsere Leserpost zeigt aber, wo Probleme lauern.

Vor allem im Elektrikbereich. Nicht nur bei unserem Dauertest-Wagen sorgte die launenhafte Alarmanlage für ungewolltes Erwachen mitten in der Nacht, nervös leuchtende Kontrolllampen warnten bereits in vielen Leser-Autos vor bevorstehenden Katastrophen. Meistens eine Fehlmeldung, sonst wären kapitale Motorschäden der Alltag.

Technik und Qualität

Doch es sind vielmehr die Kleinigkeiten, die beständig nerven. Stecksicherungen haben Punto-Piloten stets vorrätig, denn eine durchgeschmorte Sicherung ist häufig der Grund für Funktionsstörungen der Beleuchtungsanlage. Und wenn es nicht an der Sicherung liegt, brannte vermutlich eine Glühlampe aufgrund einer Spannungs-Schwankung durch.

Mindestens ebenso ärgerlich sind die billigen Innenraum-Materialien, die nicht die Qualität deutscher Konkurrenten erreichen. Der Stoffbezug der Sitze ist schnell durchgescheuert, vor allem Nieten an Jeans reiben stark an den Lehnen. Besonders dick aufgeschäumt werden die Fiat-Stühle ab Werk leider auch nicht. Je nach Körpergewicht sind sie nach rund 40.000 Kilometern durchgesessen.

Nicht viel haltbarer sind die Scheibenbremsen, die vor allem beim stärkeren Punto häufig zu tauschen sind. Dieses Problem hat Fiat bis heute nicht in den Griff bekommen. An anderer Stelle waren die Italiener erfolgreicher: beim Abdichten der Scheinwerfer. Nur bei den ersten Baujahren erinnern diese an Aquarien. Bleibt zu hoffen, dass die Italiener auch die Elektrik zähmen. Denn gerade bei der Qualität darf Fiat in Zukunft nun wirklich nicht mehr sparen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/99 Markteinführung des aktuellen Punto (Typ 188). Motoren: 1.2 mit 44 kW (60 PS), als 16V mit 59 kW (80 PS), HGT mit 96 kW (131 PS) und 1.9 JTD mit 59 kW (80 PS); drei- und fünftürig 2/00 Einführung Fiat Punto1.2 16V Speedgear (6-Gang) und Punto Sporting 16V Speedgear 7/01 Euro 4 für alle Benziner (außer 1.8 HGT und Speedgear-Versionen) 2/02 Erhöhung der Leistung des 1.9-JTD-Motors auf 63 kW (85 PS) 5/02 Einführung Sondermodell Fiat Punto Start 9/05 Vorstellung der dritten Generation

Schwachstellen • Scheibenbremsen gelten als nicht besonders haltbar, die Ersatzteilpreise dafür liegen im Klassen-Rahmen • die Elektrik nervt mit falschen Fehlermeldungen, leuchtenden Warnlampen oder einer launenhaften Alarmanlage • an frühere Fiat-Fahrzeuge erinnert die klapprige Verarbeitung, nachträglich ist sie kaum wirkungsvoll nachzubessern • die hakelige Schaltung meldet einen folgenden Getriebeschaden an, dessen Behebung relativ kostspielig ist • Wasser im Scheinwerfer ist ein Kennzeichen der ersten Punto, mittlerweile ist diese Schwachstelle behoben • die Auspuffanlage erwartet nach etwa drei Jahren einen Werkstattbesuch. Etwa zu diesem Zeitpunkt ist auch mit defekten Stoßdämpfern zu rechnen

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Fiat Punto 1.2, Baujahr 2000. Der kleine Fiat ist nicht nur als Gebrauchtwagen billig, auch seine Ersatzteile sind auffallend preiswert. Zahlreiche Verschleißteile sind zudem als Nachbau erhältlich.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der aktuelle Fiat Punto ist besser als sein Ruf. Rost ist absolut kein Thema, die Karosserie gilt als vorbildlich gefertigt. Dagegen stört die südländische Verarbeitung: Irgendwas klappert ständig. Die zahlreichen Elektrik-Probleme stellen Mechaniker auf die Probe, die Fehler-Findung gilt als sehr kompliziert, und nicht erst ein Betrieb scheiterte daran. Der günstige Preis macht den Fiat interessant. Andere Kleinwagen aus Europa sind etwa zehn Prozent teurer, doch deshalb nicht unbedingt zehn Prozent zuverlässiger." Nikolaus Eickmann, Kfz-Mechaniker und AUTO BILD-Redakteur

Modellempfehlung Fiat Punto 1.2 (44 kW/60 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 66 Euro im Jahr/Euro 4 Testverbrauch: Werksangabe 7,3 Liter, gemessen 7,6 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (15/500 Euro SB): 633 Euro. Teilkasko (23/150 Euro SB): 141 Euro. Haftpflicht (14): 763 Euro (Ontos-Jahrestarife, Regionalklasse Berlin, 100 Prozent, 20.000 km) Inspektion/Kosten: 20.000 Kilometer, etwa 160 bis 240 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 53 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 900 Euro Verlust

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