Fiat Punto (Typ 188)

— 04.10.2005

(K)ein spannendes Auto

Die zweite Generation des Fiat Punto ist eigentlich ein wirklich vernünftiges Auto. Wenn nur seine Elektrik nicht so sensibel wäre.



Karosserie und Antrieb

Der Wirt der kleinen Pizzeria gegenüber dem Verlag heißt Enzo. Enzo fährt – nein, nicht FerrariFiat Punto. Als wir ihn fragen, wie er mit seinem Auto zufrieden ist, grinst Enzo vielsagend: "Bestens. Schreibt das auf, sonst meckert ihr wieder nur über Fiat."

Na ja, ein paar Sachen gebe es schon, räumt Enzo nach dem Tiramisu ein. Das Ding mit der Tankuhr, die nichts mehr anzeigt. Macht aber nichts, tankt Enzo eben einmal pro Woche, das reicht immer. Und wir sollen lieber schreiben, daß der neue Punto nicht mehr rostet, weil er fast vollständig verzinkt ist. Stimmt, Enzo. 70 Prozent der Bleche sind beidseitig mit Zink beschichtet, auch der TÜV hat am Punto noch keinen Rost entdeckt. Dafür aber Ölverlust an Motor und Getriebe.

An den Zahnradboxen kann er so drastisch ausfallen, daß sie vollständig leertröpfeln – und das Getriebe anschließend heißläuft. Auch sonst steht die Schaltung im Kreuzfeuer der Kritik, vor allem bei den Baujahren 2000 bis 2002 klagen viele Leser dem AUTO BILD-Kummerkasten ihr Leid. Speziell der fünfte Gang widersetzt sich oft dem Einlegen. Kein Problem für Enzo, in der Stadt kommt er sowieso nur bis in den vierten. Denn die lange Übersetzung der Getriebe bremst die Durchzugskraft der Motoren in den oberen Gängen.

Motor und Technik

Besser zieht der 1,9-l-Diesel mit zunächst 80, später 85 PS durch. Aber seine Common-Rail-Einspritzung wird manchmal undicht, und gelegentlich pfeift der Turbolader sein letztes, teures Lied. Deshalb raten wir eher zum 60-PS-Benziner, der ist lebendig und fast ebenso sparsam und damit wirtschaftlicher. Außerdem sehr standfest, sofern er ein Minimum an Wartung erfährt.

Damit scheinen es aber viele Punto-Fahrer(innen) nicht so genau zu nehmen, wie zahlreiche Motorschäden wegen gerissener Zahnriemen und Überhitzungen belegen. Wobei diese auch zusammenhängen können: Denn der Zahnriemen des Fiat wird mittels exzentrischen Verdrehens der Wasserpumpe gespannt. Was neu genial funktioniert, nach ein paar Jahren Laufzeit aber garantiert Wasserverlust nach sich zieht. Weshalb flüchtige Mechaniker lieber nicht die Pumpe verdrehen, statt dessen einen lockeren Zahnriemen riskieren.

Doch viel häufiger nervt die Elektrik. Auch die Lenkung gehört dazu, ein kleiner Elektromotor unterstützt beim Kurbeln am Lenkrad. Oder eben nicht, dann wird die Lenkung ungewohnt schwergängig. Auch die Motorsteuerung gehört in diesen Bereich, die elektronisch gesteuerte Drosselklappe macht öfter Ärger. Dann geht der Motor entweder im Stand aus oder dreht trotz Auskuppelns beim Schalten munter hoch. Ebenfalls lästig: Störungen im Kombiinstrument. Nicht nur Enzos Benzinuhr, auch Tacho und Drehzahlmesser streiken öfter als Roms Müllabfuhr. Und die Betätigung der Leuchtweitenregulierung über Tipptasten ist ein Kapitel für sich.

Auch im 100.000-km-Test des Punto war die Elektrik ärgster Störenfried: Dauernd hupte die Alarmanlage, und die Scheinwerfer verbrauchten sieben Glühlampen. Außerdem beschlugen sie, bis Anfang 2002 neue Deckel an der Rückseite die Feuchtigkeit beseitigten. Enzo hat dafür seine eigene Logik entwickelt: "Ein Punto ist für gutes Wetter gebaut. Nicht für ständigen Regen wie hier in Hamburg." Ob Enzo da nicht irrt? Schließlich hat die Po-Ebene noch mehr Regentage als Norddeutschland. Aber wer will es sich schon mit seinem Wirt verderben?

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte: 9/93 Einführung der Punto-Baureihe (176) als Nachfolger des Uno 9/99 Modellwechsel auf den Typ 188, ABS, Front- und Seitenairbags serienmäßig. Drei Benziner mit 60, 80 und 131 PS, ein Common-Rail-Diesel mit 80 PS 7/01 Kopfairbags serienmäßig in allen Modellen 10/01 Diesel nun mit 85 PS 6/03 Facelift, geänderte Scheinwerfer, neuer 1,4-Liter (95 PS), 131-PS-Motor entfällt, zusätzliche Diesel mit 70 und 100 PS 10/03 Einführung Erdgasversion 1.2 Natural Power

Schwachstellen: Servolenkung mit elektrischem Antrieb fällt gelegentlich aus, bei Fahrzeugen von Baujahr Februar bis Mai 2001 kommen auch Defekte an der Lenksäule vor (Rückruf). Elektrik gilt generell als anfällig, sowohl der Ladestromkreis mit Generator und Batterie als auch Zusatzaggregate wie Kraftstoffpumpe und Anlasser sind nicht besonders zuverlässig. Im Innenraum gilt es, die Instrumente und auch sämtliche Funktionen der Komfortelektrik zu prüfen. Getriebe ist eine typische Fiat-Achillesferse, beklagt wird oft der hakelige fünfte Gang und die geringe Lebensdauer der Kupplung. Motoren sind grundsätzlich standfest, haben aber Probleme wegen gerissener Zahnriemen und Überhitzungen – oft mangels Wartung.

Reparaturkosten: Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Fiat Punto 1.2, 44 kW/60 PS, Bj. 2000. Den Preis für die Lichtmaschine muß man sich merken – denn das Ding gehört beim Punto zu den Verschleißteilen. Auch teuer: Anlasser und Blechteile.

Reparaturkosten: Fiat Punto (Typ 188)
Kotflügel vorn, lackiert 350 Euro
Scheinwerfer komplett 270 Euro
Bremsscheiben vorn 175 Euro
Bremsklötze vorn (ein Satz) 110 Euro
Getriebe 2740 Euro
Motor ohne Anbauteile 3830 Euro
Lichtmaschine 440 Euro
Anlasser 345 Euro
Wasserpumpe 235 Euro
Endschalldämpfer 155 Euro

Fazit und Modellempfehlung

Fazit von Matthias Schaub, Sachverständiger TÜV Süd: Gegenüber der ersten Punto-Generation schneidet das Ende 1999 eingeführte Modell um einiges besser ab. Absolut betrachtet, liegt die Mängelquote aber deutlich über dem Durchschnitt. Zu den großen Krisenherden gehören Ölverlust an Motor und Getriebe, undichte Antriebswellenmanschetten, mangelnde oder ungleichmäßige Bremswirkung an Vorderachse sowie Handbremse und schließlich defekte, beschlagene oder verstellte Scheinwerfer.

Modellempfehlung: Fiat Punto 1.2 SX (44 kW/60 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 88 Euro im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: 6,4 Liter. Werksangabe: 5,7 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (16/500 Euro SB): 586 Euro. Teilkasko (17/150 Euro SB): 149 Euro. Haftpflicht (14): 610 Euro (Basis: Ontos-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion: 20.000 Kilometer. Kosten: etwa 150 bis 300 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 42 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 500 Euro Verlust

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