Fiat-Neuheiten 2006

Fiat-Neuheiten: Panda Cross und Sedici Fiat-Neuheiten: Panda Cross und Sedici

Fiat Sedici und Panda Cross

— 23.11.2005

Flotte Klamotte

Fiat bringt 2006 gleich zwei neue Allradler: den stylischen Panda Cross und das komplett neue Kompakt-SUV Sedici.

Fesch in die Freiheit

Es ist ein schicker Mailänder Designerladen, in den Fiat die Journalisten geladen hat. Bücher, Schuhe, Taschen, Möbel, Sonnenbrillen, Schmuck – ja, sogar ein Motorrad steht in der Ecke neben dem monströsen Kuhfell-Sofa, vor dem auf drei Flachbildschirmen flachbrüstige Models die neuesten Fummel präsentieren. Zwischen all den Designer-Stücken: ein SUV. Genauer: das neue Fiat-SUV Sedici, das Juni 2006 in Deutschland auf den Markt kommen soll.

Später am Abend, ein Stockwerk höher in der Szene-Bar "Club 16". Fiat-Markenchef Luca de Meo philosophiert launig über Kaffee, Jeans und das kleine Einmaleins, während die verdutzten Journalisten zwischen Cocktails und Kanapees in der Pressemappe blättern, die neben Yoga-Weisheiten und Tipps fürs Espresso-Kochen auch Bilder von einem iPod oder einem Joystick enthält. Einige Kollegen machen einen Abstecher in den abgetrennten Raucherraum – und spähen durchs Fenster hinab auf ein knuffiges kleines Gefährt namens Cross, eine neue Variante des Panda 4x4, Start am 14. Januar 2006.

Mit einer gewöhnlichen Pressekonferenz hatte diese Veranstaltung ungefähr so viel zu tun wie ein Gucci-Kleid mit einer Woolworth-Kittelschürze. Ganz klar: Die beiden neuen Allrad-Modelle sollen-wollen anders sein. "Einzigartig in ihrer Klasse", sagt de Meo: der Cross, weil es es einen so kleinen, witzig gestylten Allradler überhaupt noch nicht gebe, und der Sedici, weil er mit dem neuen "On Demand"-Allradantrieb Alltags- und Freizeittauglichkeit noch besser vereine als andere Fahrzeuge im kompakten C-Segment. Beide sollen Menschen ansprechen, die "nach Freiheit suchen". Die jung sind, dynamisch, und im Falle des Cross ruhig auch ein bißchen extravagant. 5000 Autofahrer sollen sich im kommenden Jahr in Europa für den neuen Panda entscheiden, vom Sedici will Fiat 20.000 Stück verkaufen. Offiziell vorgestellt werden beide Modelle bei der Bologna Motor Show vom 3. bis 11. Dezember, der Sedici hat zudem seinen großen Auftritt bei der Winter-Olympiade im Februar 2006 in Turin – Fiat ist als Sponsor dabei und stellt 100 dieser Fahrzeuge.

"On Demand"-Allradantrieb von Suzuki

Ob das gelingt, wird sich zeigen. Mit nur 4,11 Metern Länge ist der Sedici – das ist italienisch für 16, die Summe und das Kunst-Produkt aus 4x4 – deutlich kürzer als Konkurrenten wie Toyota RAV4, Hyundai Tucson oder Kia Sportage. Letzteren gibt es mit Frontantrieb und 141-PS-Motor bereits für 18.700 Euro; der Sedici 1.6 16V (107 PS) soll um die 20.000 Euro kosten. Warum also den Italiener kaufen?

Erstens einmal, weil der Fiat gefälliger daherkommt, findet man bei Fiat. Giugiaro hat dem Kompakt-SUV eine schnittige Figur verpaßt, mit der man sich auch in der Stadt gut sehen lassen kann, ohne daß Zuschauer spontan "Resi, i hoi di mit dem Traktor ab" trällern. Im Gegenteil: Mit dem großen Grill, den weit in die Kotflügel gezogenen Scheinwerfern und dem kräftigen Heck wirkt der Italiener robust, dabei aber durchaus elegant. Der Sedici ist in acht Karosseriefarben lieferbar.

Zum zweiten ist es der neue, elektronisch gesteuerte "On Demand"-Allradantrieb mit Zentraldifferential und drei Funktionsmodi von Suzuki, der den Fiat von den asiatischen Kollegen unterscheidet. Schon in der Stellung 2WD (ausschließlich Frontantrieb) marschiert der 16 die meisten Matsch- und Modderstrecken bereitwillig entlang. Geht es mal nicht weiter, einfach den Schalter auf "Auto" legen – nun wird die Antriebskraft je nach Bedarf auf die beiden Achsen verteilt. Wird das Gelände richtig happig, hilft die Stellung "Lock" weiter: Nun liegt das Drehmoment jeweils zu 50 Prozent an beiden Achsen an. Damit wühlt sich der Fiat dann zwar praktisch überall durch, läßt sich aber schwer manövrieren: Die Lenkung funktioniert nur noch sehr eingeschränkt.

Sicher, durch wirklich schweres Gelände fährt man selten. Doch auch auf schneebedeckten Straßen ist so ein Allradantrieb eine feine Sache – und dann bleibt zwar die Tatsache, daß der Fiat schwächer motorisiert und kleiner ist als die Konkurrenten, dafür aber auch etwas günstiger: Der Allrad-Sportage kostet mindestens 22.395 Euro, der RAV4 startet bei 22.600 Euro (Fünftürer). Und: Wenn man den Allradantrieb nicht braucht, kann man ihn abschalten – und so Sprit sparen, wie Markenchef de Meo betonte. Im Schnitt soll der Sedici 1.6 16V 7,1 Liter Super verbrauchen. Für die zweite mögliche Motorisierung, den 1.9-Multijet-Diesel (120 PS, mit Partikelfilter), liegen noch keine Werte vor.

Die technischen Daten

Wie sieht es mit der Alltagstauglichkeit aus? Der Fünftürer bietet vier Erwachsenen bequem Platz, das Gepäck muß im 270 bis 670 Liter fassenden Kofferraum verstaut werden. Je nach Ausstattungsvariante – Dynamic oder Emotion – sorgen zwei oder vier elektrische Fensterheber und die manuelle Klimaanlage bzw. Klimaautomatik für eine angenehme Atmosphäre im sachlich, aber elegant gestalteten Innenraum des Fiat. Zur Serienausstattung gehören außerdem elektrisch verstellbare Außenspiegel, Nebelscheinwerfer und ein höhen- und längsverstellbares Lederlenkrad mit Bedienelementen für die CD-Radio-Anlage (nur Emotion).

Was die Fahrleistungen angeht, so erwartet wohl niemand von einem Kompakten Wunder. Und die gibt es auch nicht: Der 1.6-Liter-Motor bemüht sich redlich und bringt den 1250 Kilo schweren Italiener sowohl gut um Kurven als auch relativ zackig voran. Bis zu 170 km/h sollen drin sein. Beim Diesel liegt die Spitze nach Werksangaben bei 180 km/h – leider stand der 1.9 Multijet 8V noch nicht zur Verfügung, beim Marktstart sei der Selbstzünder aber auf jeden Fall lieferbar, erklärte Fiat-Sprecher Thomas Kern. Und: "Mit diesem Motor ist das Auto noch viel, viel besser!" (de Meo).

Stylische Features für den Cross

Der Panda Cross ist eine neue Variante des bereits bekannten 4x4 – mit einigen "spektakulären Features", wie Fiat das nennt und sich ordentlich bezahlen läßt: 16.750 Euro soll der aufgebrezelte Schlammwühler kosten, 2350 mehr als der gleich motorisierte klassische 4x4. Ein ganz hübscher Batzen Geld für einen 3,58 Meter langen Kleinwagen. Doch, wie sagte de Meo so schön: "Der Panda ist ein Phänomen. Je teurer er wird, desto besser verkauft er sich."

Was die Features angeht: Der Gelände-Panda trägt viel silbrig glitzerndes Plastik an Heck, Front, Dach und Seite, putzige Stielaugen vorn und runde, knubbelige Leuchten à la Smart hinten. Schnuckig sieht er aus, jugendlich und frech – "ein richtiges Frauenauto", wie sich die Kollegin von der Woman freute. Zumindest in "Goa Orange", das zwar bei Tageslicht eher an Straßenarbeiter-Hosen als an szenige Partyklamotten erinnert, nichtsdestotrotz aber endlich mal wieder etwas Farbe auf die deutschen Straßen bringt.

Neben Goa Orange stehen noch drei weitere Farbkombinationen auf der Liste: "Cumbia Beige" (hell- und dunkelbraun), "Verde Edonista" (ein schmuckes Jägergrün ) und "Nero Cattivo", was übersetzt "böse schwarz" heißt, wie Sprecher Kern bei seinen italienischen Kollegen erfuhr. Das ebenso beliebte wie langweilige Silber sucht man vergebens. Noch – Kern ließ anklingen, daß über kurz oder lang wohl auch andere Farben verfügbar sein werden. An dieser Stelle eine Bitte: Liebe Fiat-Verantwortlichen, gebt uns Farbe! Himmelblau. Zitronengelb. Froschgrün. Pantherpink!

Da wird der Panda zur Wildsau

Im Innenraum – erhältlich in den Farben sand/schwarz, sand/grün und orange/schwarz – unterscheidet sich die Cross-Variante kaum vom 4x4. Das Design ist frisch und nett anzuschauen, die Materialien gut anzufassen. Der Sitz läßt sich stufenlos anpassen, und auch die Gurthöhe und die Lenkradposition sind verstellbar.

Wirklich neu ist hier lediglich die Taste "ELD". Dies steht für "Electronic Locking Differential": Hat ein Rad (unter 30 km/h) Schlupf, wird es gebremst und die Antriebskraft auf das andere Rad der Achse übertragen. In der Praxis braucht man diese zusätzliche Sperre sicher kaum – bei extremer Verschränkung hilft der Knopfdruck aber tatsächlich weiter. Auch sonst befreit sich der kleine Panda dank seines permanenten Allradantriebs auch in schwerem Gelände aus jeder mißlichen Situation: Er kämpft sich durch tiefen Matsch, watet laut prustend durch bis zu 30 Zentimeter tiefes Wasser und klettert laut schnaufend, aber unbeirrt Hänge mit bis zu 55 Prozent Steigung hinauf. Was will man mehr?

Ein Auto, das auch in der Stadt und auf der Autobahn eine gute Figur macht. Längere Strecken sind im Panda Cross vermutlich nicht unbedingt ein echtes Vergnügen: Der 60 PS starke 1.3-Multijet-Diesel (vorerst die einzige Motorisierung) kommt nur zögernd in Schwung (18 Sekunden von 0–100 km/h) und murrt beim Tritt aufs Pedal ziemlich laut vor sich hin, während der Panda merklich über Unebenheiten hoppelt. Tempo 150 soll drin sein, wird aber wohl nur nach langem Anlauf erreicht: Auf der Teststrecke in Balocco bewegte sich die Nadel auch auf der langen Geraden nach der 120 nur noch widerwillig aufwärts – und bei 130 km/h war die Rennstrecke denn leider auch schon zu Ende.

Ganz anders sieht es in der Stadt aus: Für die Pole-Position an der Ampel reichen die 60 PS allemal, die Parkplatzsuche ist bei 3,58 Metern Gesamtlänge auch kein großes Problem, und das Einparken gelingt im City-Modus dank der dann sehr leichtgängigen Lenkung hervorragend. Nur das Verstauen des Einkaufs könnte Probleme machen: 200 Liter faßt der Kofferraum – für eine Wildsau reiche das nicht, mußte der Fiat-Sprecher zugeben. Doch Jäger sind ohnehin nicht die gewünschte Zielgruppe, eher trendbewußte 18- bis 29jährige, die ihren Kleinen "auf der Münchner Leopoldstraße" spazierenführen. Und schließlich kann der Großeinkauf auch auf der Rückbank untergebracht werden, die ohnehin eher die Bezeichnung Sitzgelegenheit als Sitzplatz verdient; Erwachsene fühlen sich hier schon sehr beengt. Klappt man die geteilte Fondlehne um – was leicht und mit nur einer Hand gelingt –, dann schluckt der kleine Panda immerhin 780 Liter. Und das würde dann doch für einen ausgewachsenen Eber reichen.

Autor: Maike Horst

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