Fiat Stilo 1.8 16V Dynamic

Fiat Stilo 1.8 16V Dynamic

— 15.02.2002

Der Kurs stimmt

Hher, lnger, flexibler: Der neue Fiat Stilo will nicht nur besser sein als Klassenprimus Golf, sondern vor allem anders.

Groe Ziele mit dem Stilo

Wer Erfolg hat, muss mit Nachahmungsttern rechnen. Gute Idee kopieren, neuen Namen drauf, fertig. Klappt meistens ganz gut, kann aber auch schief gehen - was immer dann passiert, wenn das Original zum Kult-Klassiker gereift ist. Denken wir nur an Coca-Cola, Corn Flakes oder den Golf, der einer ganzen Fahrzeugklasse seinen Namen aufdrckt.

Harte Zeiten also fr die kompakte Konkurrenz, die sich aber zunehmend pfiffig aus der Affre zieht. Statt den Golf mastabsgerecht zu klonen, weichen 307, Civic und seit dem 13. Oktober 2001 auch der neue Fiat Stilo dem Klassenprimus von VW mit frischem Format geschickt aus. Dabei bleiben die Italiener der Zwei-Form-Strategie des Vorgnger-Doppels Bravo/Brava treu, belassen es aber zum Glck bei einem Namen. Der dreitrige Stilo spielt dabei die Rolle des dynamischen Draufgngers, der Fnftrer gefllt sich als flexibler Familienfreund. Ob er damit auch der Generation Golf gefllt, muss der fnftrige Stilo 1.8 16V Dynamic aber erst noch beweisen.

Liebe auf den ersten Blick weckt der wenig eigenstndig und ziemlich wuchtig wirkende Italiener bei mir jedenfalls nicht unbedingt. Immerhin berragt er einen Golf in der Lnge um zehn und in der Hhe um acht Zentimeter, lsst je nach Blickwinkel Design-Anleihen bei VW, Opel, Skoda, Mazda und anderen erkennen. Schade, wo Alfa eine markante Markenidentitt entwickelt, scheint Fiat einem modernistischen Massengeschmack nachzujagen. Die Zeit der Design-Experimente ist wohl vorerst vorbei. Fiat muss wieder Erfolg haben, Geld einfahren.

Viel Platz im Innenraum

Mit dem Einstieg beginnt die Vershnung. Solide Bgelgriffe erffnen den Weg auf bequem gepolsterte Sitze, dank Hhenverstellung und des in zwei Richtungen ausfahrbaren Lenkrades finden selbst lange Kerls eine vernnftige Sitzposition. Wenn nur die Lehne nicht so merkwrdig gekrmmt wre. Untadelig bleibt dagegen das Platzangebot. Rkeln, lmmeln, Glieder strecken? Alles kein Problem und ganz ohne blaue Flecken oder Knitterfalten mglich. Besonders hinten herrscht die groe Freiheit. Der Trick dabei: Die geteilten Rcksitze rutschen nicht nur um 16 Zentimeter hin und her, auch ihre Lehnen lassen sich gemtlich schrg oder aufrecht steil (fr mehr Gepck) arretieren.

Wer hinten also seinen Ableger einldt, der kriegt im Heck (maximal 410 Liter Stauraum) Koffer plus Kinderkarre unter. Wer mit Freunden verreist, muss beim Gepck zwar sparen (335 l), gefhrdet dafr aber die Freundschaft nicht. Und der Stilo kann noch mehr: Die Beifahrersitzlehne lsst sich nach vorn klappen und macht so den Weg frei fr Surfbretter oder Angelruten; unter den Vordersitzen nehmen Schubladen Kleinkram auf. Alles nicht neu, aber irgendwie clever.

Gleiches gilt fr das klar gezeichnete, aber total unitalienische Cockpit. Aufgerumt und aufgeschumt (weiche, angenehme Oberflche), erinnert es nicht zufllig an den Audi A3. Die Botschaft ist klar: Seht her, wir knnen es auch. Nun ja, nicht ganz. Denn unangenehme Kunststoffausdnstungen und die noch ziemlich lssige Verarbeitung provozieren Kritik.

Motor und Fahrwerk

Dafr besnftigt das weich ausgelegte Fahrwerk im Alltag mit feinem Federungskomfort. Die meisten Fahrbahnfehler bleiben in den Federn hngen und den Insassen verborgen. Erst unter Extrembedingungen offenbaren sich die Schwchen einer zu schwachen Dmpfung. Laut polternd fallen die Rder dann in fiese Schlaglcher, in schnellen Kurven oder auf welliger Fahrbahn kommt unangenehm viel Leben in den Aufbau. Sportlichkeit bleibt dem Stilo jedenfalls fremd wie Fertigteig dem italienischen Pizzabcker.

Diesen Eindruck verstrken zudem die vom Straengeschehen vllig losgelst wirkende elektrohydraulische Servolenkung und der mde Motor. Obwohl nominell 133 PS stark, kommt der 1,8-Liter unter 3000 Touren nur mhsam in die Gnge. Darber kann der Vierventiler vernnftig mithalten, schwchelt auch auf der Autobahn in Richtung Spitze kaum. Von Spritzigkeit jedoch keine Spur - ebenso wenig von wahrer Laufkultur (brummt ab 130 km/h) und Sparen beim Sprit.

ppig fllt dafr die Sicherheitsausstattung aus. Ab Werk bernehmen sechs Airbags die Luftrettung, sorgt ABS mit Bremsassistent fr akzeptable Verzgerung, verhindert ein rde regelndes Elektronisches Stabilitts-Programm (ESP) das Abkommen vom rechten Weg - super. Und gegen Aufpreis gibt es auch fr die zweite Reihe (abschaltbare!) Seitenairbags.

Angesichts dieser Liste und der auch sonst manierlichen Ausstattung klingt der Preis von 35.107 Mark fr den Stilo 1.8 16V Dynamic eindeutig nach Schnppchen. VW verlangt fr viel weniger Golf (Basis-Ausstattung, 115 PS) schon 49 Mark mehr. Wie gut, dass der Stilo sich nicht nur formal, sondern auch finanziell vom Klassenprimus Golf abzuheben wei.

Fazit und Zeugnis

Fazit Mit dem Stilo finden die Italiener in der Kompaktklasse den Anschluss, jedoch: Der 1.8 16V Dynamic bietet zwar viel Platz, hohe Variabilitt und guten Komfort zum fairen Preis, leistet sich bei Antrieb und Qualitt aber noch einige Schwchen.

Technische Daten und Kosten

Die Stilo-Basis beginnt beim 1.2 mit 80 PS. Darber folgen der 1.6 mit 103 PS und der 1.8. Die Top-Motorisierung leistet 170 PS im 2.4. Daneben gibt es noch zwei Diesel mit 80 und 115 PS.

Preise und Kosten

Gute Schadstoffklasse, langes Werkstattintervall, aber im Vergleich zur Konkurrenz nur mige Garantieleistungen. Vor allem in puncto Mobilitt bieten viele Konkurrenten schon 30 Jahre oder gar keine Begrenzung an.

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