Vorstellung Fiat Stilo

Fiat Stilo Fiat Stilo

Fiat Stilo

— 22.02.2002

Stiehlt der Stilo dem Golf die Show?

Hier kommt der deutscheste Italiener aller Zeiten. Nie war ein Fiat golfiger als der Stilo: Dennoch geht der neue Kompakte aus Turin eigene Wege.

Karosserie und Design

Ein Golf ist ein Golf. Egal ob mit drei oder fünf Türen, das Heck bleibt dasselbe. Wer aus der engen Norm ausbrechen möchte, bekommt demnächst bei Fiat die Auswahl. Frei nach dem Motto: Welcher Stilo passt zu mir? Bin ich ein Freund des Coupé-artigen Keils mit der Statur eines gezähmten Alfa 147, oder bin ich der gelassene Rechtsfahrer, der seine Familie in der lärmschluckenden Weite eines Vans transportiert? Ab 13. Oktober 2001 gibt es zwei Stilo: den Drei- und den Fünftürer. Die haben zwar noch den Namen und eine Menge unsichtbare Technik gemeinsam, sind aber trotzdem zwei grundverschiedene Kompakt-Áutos. Jedenfalls viel mehr als ihre braven Vorgänger.

Die trugen schwungvolle Namen wie Ritmo, Tipo und Bravo, scheiterten aber alle am Golf. Deshalb baut Fiat keinen direkten VW-Gegner mehr, sondern zielt - taktisch klug - knapp über oder neben den deutschen Klassenprimus. Der dreitürige Draufgänger umschmeichelt den Italiener in uns, der mehr GTI als Golf wünscht. Und der Fünftürer ködert die Familienmenschen, die im deutschen Bestseller nach Luft schnappen und mit einem Van liebäugeln.

Das haben Fiats Designer auch getan. Hinter dem gemeinsamen Gesicht streckt sich der Fünftürer sieben Zentimeter länger als der Dreitürer und fünf Zentimeter höher. Klare Flächen und die breite Schulter kaschieren den Kasten-Look; der Stilo wirkt weniger aufgeblasen als der Peugeot 307 und erwachsener als der Honda Civic. Trotzdem, ein richtiger Van ist der Fiat nicht, nur geräumiger und flexibler als ein Golf.

Ausstattung und Innenraum

Man sitzt höher, luftiger und kann sein Auto öfter mal umbauen: den Beifahrersitz für langes Gepäck flachlegen (Dynamic), die hinteren Lehnen für einen größeren Kofferraum steiler stellen oder gleich die ganze Rückbank um 16 Zentimeter nach vorn schieben. Ist praktisch, aber wenn die Kinder schreien, könnten ihre Knie eingeklemmt sein. So wenig Platz bleibt übrig. Die Rücksitze sind fest eingebaut - nix Van also.

Mehr Freude macht die Anmutung. Wohin die Finger auch fahren, sie ertasten "weich", "füllig" oder "flockig", so die Designer. Während frühere Fiat sich drinnen manchmal anfühlten wie klebriges Bonbonpapier, warten im Stilo matte Oberflä-chen, bündig eingefasste Schalter und schimmernde Türöffner. Das Cockpit: golfig aufgeräumt. Was mir fehlt, ist ein Schuss mehr italienisches Design. Aber kann man das verlangen, bei Fiats Vorgabe, eine Rundum-Ausstattung zu Kampfpreisen anzubieten?

Ab 28.300 Mark, also knapp günstiger als ein Peugeot 307, fahren serienmäßig sechs Airbags, ESP, Radio und Nebelscheinwerfer mit. Zum Wohlfühlen sollen die jüngsten elektronischen Heinzelmännchen beisteuern. Die Zentralverriegelung lässt sich nach persönlichen Wünschen programmieren (auf Knopfdruck nur Fahrertür auf, oder gleich alle, oder nur der Kofferraum), ab Frühjahr 2002 gibt es sogar Abstandsradar (etwa 2000 Mark). Wie in der S-Klasse.

Motor und Technik

Von der Revolution im Blech ist nichts zu spüren. Der neue "Fiat Frame" (eine Plattform in variabler Dimension) ist kostengünstig, flexibel für künftige Ableger. Ende 2002 folgt der Kombi, 2003 ein Van. Deutlich bodenständiger fällt die Technik aus. Unter der Haube stecken bekannte Benziner ab 103 bis 170 PS sowie ein 1.9-Common-Rail-Diesel, der jetzt 115 PS leistet und tapfer gegen das gewachsene Leergewicht ankämpft. Im nächsten Frühjahr folgen zuerst zwei 80-PS-Motoren (ein 1,2-Liter-Benziner und ein 1,9-Liter-Diesel), später sind dickere PS-Häppchen zu erwarten. Denn "Abarth" kehrt zurück.

Der Name des PS-Künstlers Carlo Abarth, zuletzt eine Zubehörlinie, schmückt die stärksten Stilo und wird künftig das Kennzeichen der jeweiligen Sportversion - also das AMG von Fiat. Im drei- und fünftürigen Stilo steht Abarth zunächst für 170 PS, demnächst für 200 und mehr PS. Wer will so viel Leistung in einem halben Van? Der Fünftürer mit der neuen elektrischen Servolenkung zieht zwar angenehm sauber seinen Strich, aber richtig zu Hause fühlt sich das Abarth-Signet auf den Farbtönen Ginster-Gelb oder Indy-Grün. Vor allem auf dem Dreitürer, den laut Fiat 45 Prozent der Käufer wählen. 55 Prozent für den Van - wir sind gespannt, wie die Stilo-Wahl ausfallen wird.

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