Fiat und Chrysler kooperieren

Fiat und Chrysler kooperieren

— 20.01.2009

Geteiltes Leid

Fiat und Chrysler gehen eine Allianz ein. Zunächst übernimmt Fiat 35 Prozent an Chrysler, anvisiert sind 55 Prozent. Im Gegenzug nutzt Chrysler die Kleinwagen-Kompetenz der Italiener.

(dpa) Angesichts der dramatischen Talfahrt auf dem Automarkt steigt der italienische Autobauer Fiat beim notleidenden US-Hersteller Chrysler ein. In einem ersten Schritt soll Fiat 35 Prozent an dem drittgrößten US-Hersteller übernehmen. Beide Unternehmen unterzeichneten eine entsprechende vorläufige Vereinbarung, wie Chrysler am Dienstag (20. Januar 2009) am Sitz in Auburn Hills (US-Bundesstaat Michigan) mitteilte. Die zuvor vom Handel ausgesetzte Fiat-Aktie legte daraufhin an der Mailänder Börse innerhalb der ersten Minuten nach Wiederzulassung um nahezu sechs Prozent zu. Beide Hersteller leiden stark unter der weltweiten Talfahrt am Automarkt und der Konjunkturkrise. Das strategische Bündnis soll Fiat und Chrysler gegen die Konkurrenz globaler Wettbewerber wie etwa Toyota und Volkswagen stärken und somit das Überleben sichern.

"Das ist ein erster Schritt", sagte Fiats Vize-Präsident John Elkann in Mailand. "Die Vereinbarung ist gut, viele Dinge sind im Entstehen, und wir können einsteigen." Dieser Weg sei angesichts der gegenwärtigen Marktbedingungen wichtig. Fiat-Chef Sergio Marchionne erläuterte, beide Unternehmen seien durch das Zusammengehen in der Lage, wichtige Märkte zu erschließen. Weltweit würden nur sechs Autokonzerne die beispiellose Krise überleben, Fiat brauche deshalb einen Partner, hatte der 56-Jährige unlängst erklärt. Er stehe vor dem schwierigsten Jahr seines Lebens, meinte er.

Die neue Allianz benötigt noch die Zustimmung der US-Regierung. Chrysler kann derzeit nur mithilfe eines milliardenschweren staatlichen Notkredits überleben. Fiat bezahlt den Anteil den Angaben zufolge nicht mit Bargeld – stattdessen bekommt Chrysler Zugang zu Fiat-Technologie für den Bau vor allem von Kleinwagen. Im Gegenzug will sich Fiat auch den amerikanischen Markt für seine Klein- und Mittelklassewagen erschließen. Beide Hersteller wollen sich überdies ihre Vertriebsnetze gegenseitig zur Verfügung stellen.

Chrysler gehört derzeit zu gut 80 Prozent dem US-Finanzinvestor Cerberus. Den restlichen Anteil hält noch der deutsche Daimler-Konzern. Daimler will den Anteil schnellstmöglich verkaufen, wie der Konzern nochmals bekräftigte. Bisher konnte sich Daimler aber mit Cerberus beim Preis nicht einigen. Daimler begrüße jede Initiative, die geeignet sei, die Lage bei Chrysler zu stabilisieren und Arbeitsplätze des Autobauers zu sichern, sagte die Sprecherin. Ein späterer Ausbau des Fiat-Anteils wurde nicht ausgeschlossen. Nach Medienberichten ist eine Beteiligung von 55 Prozent angedacht. Fiat und Chrysler führten laut Medienberichten bereits seit Sommer 2008 grundsätzliche Gespräche über eine Kooperationen bei Verkauf und Produktion. Auch bei mehreren anderen Autobauern klopfte Chrysler wegen Partnerschaften an. Chrysler ist außerhalb Nordamerikas bislang nur sehr schwach vertreten – mehr als 90 Prozent seiner Autos verkauft der US-Hersteller auf dem Heimatmarkt.

Fiat ist bisher in den USA nicht mit seinen Massenmodellen vertreten. Chrysler hat umgekehrt bei kleineren Autos kaum etwas zu bieten. Die Amerikaner setzten lange Zeit vor allem auf große und wenig sparsame Wagen. 2008 brachen die Verkaufszahlen bei Chrysler um rund 30 Prozent ein. Fiat hat sich angesichts der schwachen Konjunktur auf starke Einbußen 2009 eingestellt, verbunden mit einem Gewinneinbruch. Der Fiat-Verwaltungsrat tagt am Donnerstag (22. Januar 2009).

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