Porsche-Vorstand Wendelin Wiedeking

Finale im VW-Porsche-Kampf

— 15.07.2009

Wirbel um Wiedeking

Porsche hat für den 23. Juli 2009 eine Aufsichtsratssitzung angekündigt – eine Kampfabstimmung ist möglich. Unterdessen sorgte die "Wirtschaftswoche" für Wirbel um die Personalie Wiedeking.

Der Countdown läuft. Im Autodrama um die Zukunft von Volkswagen und Porsche hat der vorläufig letzte Akt begonnen. Der Tonfall wird schärfer, die Nerven liegen blank. Übernimmt VW die Hälfte von Porsche oder schafft Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mit einem milliardenschweren Einstieg des reichen Wüstenstaats Katar und einer Kapitalerhöhung den Befreiungsschlag und rettet damit seinen Posten? Auch eine Kampfabstimmung auf der Aufsichtsratssitzung von Porsche am 23. Juli scheint möglich.

Für großen Wirbel sorgte am Mittwochnachmittag (15. Juli) ein Bericht der "Wirtschaftswoche": Wiedeking verlasse Porsche, schon in Kürze solle über den Nachfolger entschieden werden. Ein Porsche-Sprecher wies dies umgehend zurück: "Das ist falsch, und das ist Mobbing. Wiedeking ist im Amt." Der Sprecher fügte hinzu: "Hier wird ein Medienkrieg geführt." Es habe auch noch keine Einigung der Familien Porsche und Piëch über die Zukunft von Porsche gegeben.

Porsche arbeitet mit Hochdruck an einer Teilentschuldung mit Hilfe der Eigentümerfamilien. Verhandelt werde über eine Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro, die mit Hilfe der Familien Porsche und Piëch realisiert werden soll, erfuhr die dpa. Außerdem soll nach den Plänen der Stuttgarter das Emirat Katar durch einen Kauf von Anteilen Milliarden in die Kassen des Sportwagenbauers spülen. Insgesamt sieben Milliarden Euro bieten die Scheichs laut Bankenkreisen für den Kauf von Stammaktien und VW-Optionen. Sollte der Doppel-Coup gelingen, wäre Porsche mit einem Schlag seinen Schuldenberg von mittlerweile zehn Milliarden Euro los und wieder handlungsfähig.

VW dagegen will knapp die Hälfte der Porsche AG kaufen und den Sportwagenbauer als zehnte Marke in den Konzern integrieren. Der VW-Aufsichtsrat kommt am 23. Juli - ebenfalls in Stuttgart - zu einer Sondersitzung zusammen. Damit steuert der seit Monaten tobende Machtkampf darüber, wer künftig das Sagen bei Porsche und VW hat, auf seinen Höhepunkt zu.

Das Klima zwischen den beiden Autobauern ist derweil mehr denn je vergiftet. Gegenseitige Schuldzuweisungen vergrößern noch den Schlamassel und damit die Hoffnung auf eine von beiden Seiten tragfähige Lösung. Außerdem werden nahezu täglich Nebelkerzen in Niedersachsen und Baden-Württemberg geworfen, um den Gegner in dem zähen Ringen unter Druck zu setzen. Wie auch immer die Schlacht ausgeht – zurück bleiben viele Blessuren.

Zum Feindbild Nummer eins in Stuttgart ist Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) geworden. Der Vorwurf: Das Land als zweitgrößter VW-Aktionär, das für eine Integration von Porsche in den VW-Konzern ist, torpediere Verhandlungen über den Einstieg Katars bei dem Sportwagenbauer. Wulff drohte Wiedeking indirekt mit seinem Einfluss auf mögliche arabische Geldgeber. Die würden angesichts der anhaltenden Querelen abgeschreckt. Niedersachsen hat mit 20 Prozent Aktien durch das VW-Gesetz eine Sperrminorität bei dem Wolfsburger Autobauer. Wulff hat in den vergangenen Tagen den Druck auf Porsche, endlich zu einer Entscheidung zu kommen, zunehmend erhöht.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, früher Europameister im Thai-Boxen, ging am Mittwoch zur Attacke über: Wulff habe bei diversen deutschen Banken massiv darauf gedrängt, keine Kredite an Porsche zu vergeben. "Er will Porsche schaden, damit VW uns billig einkaufen kann." Die Staatskanzlei in Hannover keilte umgehend zurück. "Uwe Hück fürchtet offenbar um Privilegien", kritisierte ein Sprecher Wulffs. "Anders lassen sich seine Polemik und seine unwahren Behauptungen kaum erklären."

Porsche-Chef Wiedeking kämpft unterdessen weiter mit allen Mitteln dagegen, dass Porsche in VW integriert wird. Denn diese Lösung würde sein Aus an der Spitze des Sportwagenbauers bedeuten. Bisher noch hält Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche seine schützende Hand über Wiedeking. Öffentlich geäußert hat das der Cousin von VW-Patriarch Ferdinand Piëch jedoch schon lange nicht mehr.

Gegen Wiedeking hat sich eine mächtige Allianz zwischen Wulff und VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Piëch gebildet. Sie treiben massiv die Schaffung eines großen integrierten Autokonzerns voran. Bisher besitzt Porsche knapp 51 Prozent der Anteile an Europas größtem Autobauer und hält mit Hilfe der Banken Aktienoptionen über weitere bis zu 24 Prozent.

Die Verhandlungen der Familien Porsche und Piëch stünden angeblich kurz vor dem Abschluss, heißt es in Konzernkreisen. Eine Grundsatzentscheidung werde vor den Aufsichtsratssitzungen erwartet. Das Problem in dem Dauerstreit: Die beiden Familienclans haben sich grundsätzlich dazu verpflichtet, Entscheidungen einstimmig zu fällen.

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