Finale Nissan 4x4 Challenge — 12.09.2008
Die große Freiheit
Zehn Stunden Flug, zwölf Stunden Autofahrt – mitten in den Rocky Mountains Kanadas fand das Finale der Nissan 4x4 Challenge 2008 statt. Mehr Abenteuer geht wirklich nicht. Hier der aufregende Offroadkrimi.
Die "zwölf Geschworenen" stehen unerschütterlich zusammen
Acht Männer und vier Frauen haben sich in den Vorrunden gegenüber 240 Teilnehmern die Hauptrollen dafür gesichert. Zum Aufwärmen geht es nach der Ankunft in Vancouver per Nissan Pathfinder mitten rein in die Rocky Mountains. Zwölf Stunden Fahrt. Wir bekommen einen ersten Eindruck von den Dimensionen dieses Landes. British Columbia, kurz BC genannt, ist zwar nur die drittgrößte Provinz Kanadas, aber allein die Süßwasserfläche aller Seen ist größer als Deutschland und Frankreich zusammen. 21 Übungen – in Neudeutsch Tasks genannt – warten nun in den nächsten drei Tagen auf die Teilnehmer. Und wer glaubt, sich hier als Tourist irgendwie durchwursteln zu können, macht schnell schmerzliche Erfahrungen mit seinem inneren Schweinehund. Denn die zu bewältigenden Aufgaben sind hart, aber herzlich. Ein Mix aus Fitness, Mut und Gefühl fürs Offroadfahren. Ambitioniert, fair. Wir loten die Grenzen aus. Und das kann schon mal wehtun. Schließlich feiern wir keinen Kindergeburtstag, sondern suchen den Besten der Besten. Was wir zunächst finden, ist eine eingeschworene Truppe. Obwohl es um einen nagelneuen Nissan X-Trail als Hauptgewinn geht, obwohl die Finalisten in Dreiergruppen gegeneinander antreten, letztlich aber jeder auf sein eigenes Konto einzahlt, steht das Zwölfer-Team unerschütterlich wie eine Festung zusammen. Da feuert jeder jeden an, powert den anderen zu Bestleistungen.
Der Favorit ist ein ganz verrückter Hund
Ja, hallo, was habt ihr denn im Vorwege für ein Doping genommen? Teamspirit ist das eine, die individuelle Klasse das andere. Und hier kristallisiert sich schnell heraus, wer für den Titel infrage kommt. Ein Name macht schnell die Runde: Habt ihr den Werner gesehen? Ein verrückter Hund. Gemeint ist Werner Haller (29) aus St. Leonhard in Südtirol. Von Beruf Rettungssanitäter, Defender-Fahrer, Mitglied der Bergwacht. Kaum einssiebzig hoch, aber durchtrainiert bis zum kleinen Zeh. Bei fast allen Ausdauer- und Fitness-Übungen distanziert er seine Mitstreiter, kommt beim Bike-Rennen Minuten vor allen ins Ziel, kraxelt – na klar – die Felswände hoch wie eine gedopte Bergziege. Und lacht dabei. Nicht über andere, nicht überheblich, einfach nur sympathisch. Da Werner nicht nur Muckis hat, sondern auch Grips und dazu noch viel Gefühl im Gasfuß, fährt er bald in einer eigenen Liga. Das macht leichtsinnig. Also kommt es, wie es kommen muss. Dem Drehbuchautoren wird es anscheinend zu langweilig. In der allerletzten Task, bei dem die Challenger auf extrem weichem Sand einen Kurs, mal auf dem Quad, mal auf dem Pathfinder umrunden müssen, nimmt der Unschlagbare mit seinem Auto plötzlich eine alte Tanne volley. Krawumm. Volltreffer. Null Punkte. So morsch wie das Ding war, kratzt der Crash den Pathfinder herzlich wenig, für Werner aber gleicht er einem Totalschaden. Da alle Fahrübungen dreifach in die Wertung eingehen, spürt der Südtiroler plötzlich den Atem des Zweitplatzierten im Nacken. Hendrik Klein (32) aus Rostock wittert Morgenluft – aber nur bis zum Abend. Nach Auswertung aller Ergebnisse steht fest: Werner hat es doch noch geschafft. Im Wimpernschlag-Finale sichert er sich Titel und Nissan X-Trail mit Minimalvorsprung. 385 zu 383 Punkte. Dritter wird Björn Hesseler (29) aus Münster mit 320 Punkten. Tusch, Abspann, Heimflug. Der Film ist aus. Was bleibt, sind Erinnerungen an die große Freiheit in British Columbia. Als kostbares Souvenir für trübe Novembertage.

































