Neuwagen-Kauf

Finanzierung: Sonderkonditionen wegen Absatzflaute

— 10.12.2002

Auto auf Kredit - ohne Zinsen

Die derzeitige Absatzflaute auf dem Automarkt verschärft den Preiskampf. Zu Gunsten der Verbraucher.

Sonderaktionen kommen beim Kunden an

Als Timo F. (30) am Wochenende die Zeitung mit den Autoanzeigen durchblätterte, hatte die letzte Stunde für seinen geliebten alten Fiat Panda geschlagen. Zwar hängt er an dem Wagen, doch noch nie hat er so viel für das betagte Auto geboten bekommen. Jetzt oder nie, sagte sich der Lehrer aus Hamburg. Schließlich unterbieten sich die Händler derzeit gegenseitig bei Aktionen, Zinsen und Sonderangeboten, um den Verkauf trotz der Absatzflaute in Schwung zu halten.
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Konditionen berechnen: Der Autokredit-Vergleich

Bringt er den Panda etwa zum Fordhändler, bekommt er 3700 Euro, wenn er einen neuen Focus kauft. Er erlöst sogar 4000 Euro für seinen Gebrauchten, wenn er sich für einen Mondeo entscheidet. Und Peugeot garantiert ihm, 4000 Euro mehr als den üblichen Händlereinkaufspreis zu zahlen. Entscheidet er sich für einen gebrauchten Mercedes, kann er mit seiner Freundin gleich noch gratis in Urlaub fahren: Bei Mercedes Leseberg gibts ein Wellness-Wochenende an der Ostsee geschenkt, wenn man sich für einen von 40 Gebrauchtwagen aus der Sonderaktion der Vertragswerkstatt an der Osdorfer Landstraße entscheidet. Bleibt er seiner Marke treu und geht bis Ende des Monats zum Fiat-Händler, kann er einen neuen Fiat zum Zinssatz von null Prozent finanzieren, bekommt die Autofinanzierung also geschenkt. Das gleiche gilt für Finanzierungen von Nissan.

"Wir verkaufen derzeit praktisch nur noch über die Schnäppchen", heißt es bei einem Hamburger Ford-Händler. Die Kunden seien von der Vielzahl der Angebote so verwöhnt, dass sie niedrige Preise erwarteten, ja für einen Kauf voraussetzten. Dabei sehen sie offenbar die Finanzierungsangebote als Billigangebote an, obgleich sie dadurch auf den Rabatt bei einem Barzahlungskauf verzichten müssen. Eine Umfrage des Abendblattes jedenfalls bestätigt, dass die Sonderaktionen den Händlern mehr Verkäufe bescheren.

Dabei sind die Händler in der Zwickmühle: Sie haben eine bestimmte Anzahl von Neuwagen von den Herstellern abzunehmen - dadurch baut sich ein Lagerdruck auf, der die Händler eben zu solchen Aktionen zwingt. Das führt so weit, dass sie sich zum Teil gegenseitig unterbieten, sogar innerhalb einer Marke. Bei Ford etwa hat es die absurde Situation gegeben, dass zwei Hamburger Händler unterschiedliche Sonderangebote am gleichen Tag in der Zeitung inseriert haben, was den Wettbewerbsdruck zusätzlich schürt. "Letztlich freut das den Hersteller, der dadurch mehr Autos verkauft", sagt ein Brancheninsider.

Der Preiskampf setzt sich auch 2003 fort

Allerdings buttern auch die Hersteller zu: Wenn der Ford-Händler dem Käufer für seinen schrottreifen Gebrauchten 4000 Euro garantiert, übernimmt davon ein Drittel der Hersteller, den Rest zahlen die Ford-Händler drauf. Wenn ein Fiat-Händler mit der Nullzinsfinanzierung ein Auto für 10.000 Euro verkauft, muss er 300 Euro für die Finanzierung beisteuern, den Rest übernimmt der Hersteller.

Auf den ersten Blick ist verwunderlich, dass die Autobanken trotz dieser subventionierten Kredite auch derzeit noch gut verdienen. Doch das hängt mit ihrer Mischkalkulation zusammen. Die VW Financial Service AG etwa, zu der die VW Bank gehört, ist nicht auf Einnahmen aus Krediten an Autokäufer angewiesen. Verdient sie doch auch an Geschäften mit Kfz-Versicherungen, Betriebsversicherungen und Finanzierungen für die VW-Händler, am Leasing- und Flottengeschäft.

Die Sonderkonditionen sind jedoch nicht nur Notnagel findiger Marketingexperten, sondern zeigen auch die Schwerfälligkeit der Autobauer: Sie sitzen auf Fabriken, die sie auslasten müssen, und wollen andererseits teure Entlassungen von Mitarbeitern vermeiden, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) in Gelsenkirchen dem Abendblatt. Diese Kapazitäten können nicht kurzfristig ab- oder aufgebaut werden.

Daher rechnet Branchenexperte Dudenhöffer auch für das nächste Jahr noch mit einem Wettbewerb um die günstigsten Autopreise. Sogar eine Verschärfung des Preiskampfes schließt er nicht aus. Schließlich dürfte die Nachfrage nach Fahrzeugen im nächsten Jahr durch die verhaltene, gesamtwirtschaftliche Situation nicht anziehen.

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