Mercedes-Hauptgebäude Untertürkheim

Finanzkrise trifft Autoindustrie

— 27.10.2008

Zwangsurlaub bei Daimler

Die weltweite Finanzkrise hat auch die deutschen Autobauer erwischt. Daimler will 80.000 Autos weniger als geplant bauen, schickt deshalb Zehntausende Mitarbeiter für fünf Wochen in Zwangsurlaub.

Der weltweite Konjuktur-Abschwung wird für unsere Autokonzerne immer bedrohlicher! Jetzt muss auch Daimler die Produktion massiv drosseln, schickt Zehntausende Beschäftigte in Zwangsferien. Im Werk Sindelfingen (36.000 Mitarbeiter) stehen die Bänder über Weihnachten 2008 fast fünf Wochen still (vom 11. Dezember bis 12. Januar), meldet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Üblich sind sonst zwei bis drei Wochen Weihnachtsferien. Nach BILD-Informationen soll auch das Daimler-Werk Untertürkheim (17.000 Mitarbeiter) die Produktion runterfahren. Derzeit laufen Verhandlungen mit den Betriebsräten über längere Weihnachtsferien. Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber nicht geben. Grund für die Zwangspause: Daimler verkauft immer weniger Autos. Allein zwischen Juli und September 2008 fiel der Umsatz weltweit um sieben Prozent. Bis Jahresende sollen nun 80.000 Fahrzeuge weniger hergestellt werden. Auch andere Autokonzerne drosseln die Produktion:

BMW: Will 25.000 Fahrzeuge weniger bauen, im Werk Leipzig (baut den BMW 3er) stehen ab 27. Oktober 2008 für eine Woche die Bänder still.
Ford: Das Werk Saarlouis (u.a. Ford Focus) fährt die Produktion runter, 204 Zeitarbeiter gehen.
Opel: In Bochum und Eisenach standen die Bänder für jeweils drei Wochen still. Der Betriebsrat fürchtet einen Produktionsstopp im gesamten Dezember. Entlassungen seien jedoch nicht geplant.
VW: Der Konzern will bis Jahresende mindestens 50.000 Autos weniger herstellen, 750 Leiharbeiter in Deutschland gehen. Die Krise schlägt auch auf die Autozulieferer durch (z.B. Reifenhersteller). Experten sehen in den Firmen bis zu 20.000 Jobs in Gefahr.

Trotz Krise: Experten halten die IG Metall-Forderungen für verkraftbar

Trotzdem hält die IG Metall an ihrer Forderung nach acht Prozent mehr Lohn für die 3,6 Millionen Metall-Beschäftigten fest – und Experten unterstützen die Gewerkschaft. Prof. Udo Ludwig (Institut IWH) zu BILD: "Bis zu fünf Prozent mehr sind verkraftbar, ohne dass Jobs wegfallen müssen. Die Metallindustrie hatte eine sehr gute Konjunktur, die Firmen haben gut verdient." Der Direktor des Instituts IMK, Gustav Horn: "Starke Lohnzuwächse sind drin, auch um die Binnennachfrage anzukurbeln. Das Lohnplus, das in diesem Jahr in den anderen Branchen vereinbart wurde, muss es mindestens in der Metallindustrie geben." Unter anderem hatte es in der Stahlindustrie 5,2 Prozent mehr Lohn gegeben.

Autor: Jan W. Schäfer

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