Fisker Karma: Historie des E-Sportlers

Fisker Karma Fisker Karma

Fisker Karma: Historie des E-Sportlers

— 15.05.2012

Das schönste Öko-Auto der Welt

Henrik Fisker und seine Start-up-Firma sagen den Auto-Konzernen den Kampf an. Der Karma, ein Plug-in-Hybrid, fährt bald zu uns. AUTO BILD erzählt die Geschichte des Elektro-Sportlers.

Der Messestand ist klein, keine 100 Quadratmeter. Der Platz reicht für ein Auto, einen kleinen Tresen, einen abgetrennten Besprechungsraum. Es gibt keine laute Musik, keine Lichteffekte, keine Hostessen in kurzen Röcken. Es steht nur das Auto da. Show hat es nicht nötig. Dann taucht Henrik Fisker auf. Fast unbemerkt hat er seinen Stand betreten, dunkler Anzug, weißes Hemd, jede Bewegung ruhig und bedacht. Fisker beantwortet Fragen zum Auto, erntet Komplimente, ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Ja, erklärt er in akzentfreiem Englisch, ja, das ist der erste Karma, der in Finnland vom Band gelaufen ist. Das Warten habe ein Ende. Es sei so weit. Noch vor dem nächsten Sommer kommt das schönste Öko-Auto der Welt auf den Markt.

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Function follows form: Beim Fisker Karma richtet sich die Technik nach dem Design.

Die Auto Show in Los Angeles ist ein Heimspiel für Fisker, der Firmensitz liegt wenige Kilometer südlich. Wie der Karma da so steht, erinnert seine Linie an Aston Martin, an Maserati, der Grill an BMW. Der Karma ist inspiriert von Henrik Fiskers ehemaligen Arbeitgebern. "Bei diesem Auto folgt die Technik dem Design", erklärt der Däne, der fließend Deutsch spricht, Interviews aber in Englisch gibt. Wer im 21. Jahrhundert Luxusautos verkaufen wolle, der müsse einen Wagen schaffen, in den man sich verliebt, den man begehrt. Das ist Fiskers Grundregel. Die Technik unter dem Aluminium-Kleid habe sich danach zu richten, nicht umgekehrt. Und die Technik ist: E-Antrieb, natürlich. Zwei Elektromotoren auf der Hinterachse, der Strom kommt aus Lithium-Ionen-Akkus, er reicht für 80 Kilometer. Danach erzeugt ein Zweiliter-Turbo von General Motors über einen Generator Saft für weitere 400 Kilometer. Ein Plug-in-Hybrid mit einer Antriebstechnik, wie sie ähnlich im Chevrolet Volt verwendet wird. Bei Fisker heißt sie Q-Drive. Gesamtleistung: 403 PS. Ob der Karma sich auch so gut fährt, wie er aussieht, werden wir in ein paar Wochen wissen. Dann soll der fünf Meter lange Luxus-Viertürer zu einem Preis von unter 90.000 Euro auch nach Deutschland kommen.

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Konkurrenzlos: In den nächsten Jahren muss der Karma kaum Wettbewerber fürchten.

Fisker sagt Branchengrößen wie Mercedes, BMW, Audi oder Porsche den Kampf an. "Wir werden von den Großen unterschätzt", so der Auto-Designer. "Das gefällt mir. Man lässt uns in Ruhe." Er sieht sich im Vorsprung: "Wir werden im Segment des Karma in den kommenden drei Jahren keine Konkurrenz haben." Rund 10.000 Karma sollen 2011 vom Band laufen, im Jahr darauf könnten es 15.000 sein. Mit etwa 40 Prozent Export nach Europa rechnet der Firmenchef. Obwohl: Export ist relativ. Gebaut wird das Modell in Uusikaupunki. Die finnische Firma Valmet montierte lange Zeit Porsche-Modelle. Auch beim Vertrieb hat sich Fisker mit der Schweizer Emil-Frey-Gruppe einen Profi als Partner gesucht Im März soll das erste Modell an einen Kunden ausgeliefert werden. Bis hier war es ein steiniger Weg für das Start-up-Unternehmen. Das erste Showcar war bereits Anfang 2008 fertig, doch dann kam die Finanzkrise und verzögerte die Finanzierung des Projekts. "Das Problem bei einer neuen Autofirma ist doch: Du hast keine Geschichte", erklärt Fisker. "Wir mussten bei Zulieferern alles im Voraus bezahlen, weil alle befürchteten, dass es uns später einfach nicht mehr gibt."

Ein Meilenstein waren die umgerechnet rund 400 Millionen Euro, die das US-Energieministerium Fisker im September 2009 mit niedrigen Zinsen lieh. Da störte auch ein Prozess gegen Tesla Motors nicht wirklich. Henrik Fisker hatte Tesla bei der Entwicklung des Siebensitzers Model S unterstützt, und als er den Karma präsentierte, witterte Tesla Industriespionage. Die Klage gegen Fisker wurde abgewiesen. Als der Däne im Mai 2010 weitere 245 Millionen Euro von Privatinvestoren gesammelt hatte, konnte die Serienfertigung geplant werden. "Wir waren dennoch sehr schnell", sagt Henrik Fisker. "Das ist der Vorteil bei einer 300-Mann-Firma. Türgriffe? Materialien? Wir konnten rasche Entscheidungen treffen." Der edle Innenraum wurde am Ende noch einmal überarbeitet, er bietet jetzt etwas mehr Platz. Solardach und Rückfahrkamera wurden in die Serienausstattung genommen.

Das kostet. Der Karma ist Luxus. Nina ist Masse. Unter dem Projektnamen soll ab Ende 2012 ein Öko-Konkurrent für den BMW 3er in den USA gebaut werden. Pro Jahr 100.000 Stück. Preis: unter 40.000 Dollar. Denn Henrik Fisker plant Großes: In fünf Jahren sollen die Kunden aus sechs Modellen – drei auf Karma- Plattform, drei auf Basis des Nina – wählen können. "Viele der großen Autobauer entwickeln ihre E-Modelle nur aus Imagegründen und um die zukünftigen Zulassungsregularien in den USA zu erfüllen", glaubt Henrik Fisker. Daher machen ihm Modelle wie Mercedes SLS E-Cell oder Audi R8 e-tron auch keine Angst. Er habe 2007 Fisker Automotive gegründet, weil "die Zeit reif war für eine Veränderung beim Antrieb". Dann schreitet Henrik Fisker um sein Werk auf diesem kleinen Messestand. Er erklärt einem Gast, warum das Auto einfach 22-Zoll-Räder haben muss. Er ist ganz bei sich.

Technische Daten Fisker Karma: zwei E-Motoren hinten (je 150 kW) • Zweiliter-Turbobenziner (260 PS) als Reichweitenverlängerer • Drehmoment 1300 Nm • Lithium-Ionen-Akkus • Kapazität 20 kWh • Hinterradantrieb • Reichweite 80 km im reinen E-Betrieb bzw. 483 km (Hybrid-Modus) • Reifen 255/35 R 22 vorn, 285/35 R 22 hinten • L/B/H 4998/1986/1330 mm • Preis: circa 90.000 Euro

Autor: Hauke Schrieber

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