Fitnesstraining für BMWs Formel-1-Personal

Fitnesstraining für BMWs Formel-1-Personal Fitnesstraining für BMWs Formel-1-Personal

Fitnesstraining für BMWs Formel-1-Personal

— 15.01.2003

Extra-PS durch Muskelstress

Sport macht kluge Formel-1-Köpfe noch klüger. Deshalb trimmt BMW seine Techniker auch körperlich fit. Trainingsstunde mit Motorsportdirektor Dr. Mario Theissen.

Schwitzen für die Formel-1-WM

München-Milbertshofen, Schleißheimer Straße, Ecke BMW-Allee an einem frostigen Wintermorgen. Leise rollt ein schicker 7er-BMW auf den Parkplatz eines eher tristen Gebäudes. Am Steuer: Dr. Mario Theissen (50). Der Technikchef des BMW-F-1-Projekts schnellt aus dem Fahrersessel, grüßt sachlich-freundlich per Augenkontakt und federt zum Eingang des so genannten Back-up-Centers. Früher hießen solche Einrichtungen Turnhalle oder Fitnesscenter.

Es ist 7.00 Uhr. Theissen wirkt so ausgeschlafen, als habe er sein Frühsportpensum längst hinter sich. In der Spinningabteilung, einer Art Tour-de-France-im-Stand-Übungsraum, keuchen bereits eine Hand voll BMWler imaginäre Berge rauf. Auch in den anderen Schwitzkammern ist der Tag längst erwacht.

BMW, der PS-Lieferant von Chassisbauer Williams, macht sich fit für die neue Saison. Und das nicht nur mit drei bis vier Rennautos und -fahrern auf zwei Teststrecken sowie Rund-um-die-Uhr-Schichten in der Münchner Zentrale und in der Landshuter Gießerei, sondern auch mit Trimm-dich-fit-Programm fürs nicht fahrende Personal.

Nur das Laufen ist kostenlos

"50 unserer 220 Leute nutzen dieses Angebot bereits", sagt Theissen stolz. Zumal das Training nicht als Dienstzeit angerechnet wird. Und die Mitgliedschaft im hauseigenen Back-up-Center jeden Trainingswilligen auch noch eigenes Geld kostet.

Das Angebot umfasst Jogging in der Gruppe oder allein (jeweils im Freien), Indoor-Cycling (Spinning) und Fitnesstraining. Das Laufen ist kostenlos, der Rest der Schinderei für zehn Euro im Monat zu haben. Auf 800 Quadratmetern gibt es dafür Gerätschaft auf dem neuesten Stand, Sauna, Programme für Anfänger und Fortgeschrittene, gesundheitsorientierten Muskelaufbau, Rehabilitation plus Wellness.

Die Trainingspläne werden unter Anleitung von BMWs Sport- und Freizeitreferat individuell gestaltet. Mit Leistungsdiagnosen, Ausdauertests und Muskelfunktionsdiagnostik. Unter Aufsicht ausgebildeter Physiotherapeuten und Diplomsportlehrer. BMWs Fitnessangebot hat Formel-1-Format. Deshalb nennt sich das Ganze ganz selbstbewusst "Fit for pole".

Dr. Theissen lebt nach Plan

In diesem Jahr soll es allerdings nach Vizeweltmeisterschaft 2002 zum ersten Titelgewinn seit 1983 führen. Entsprechend legt Theissen los, schnappt sich seine persönliche Trainingskladde, in der jede seiner Disziplinen mit Übungsanzahl- oder -wiederholungen verzeichnet ist, angelt sich eine Isodrink-Pulle und steigt wie zwei-, dreimal die Woche aufs Laufband. Tempo: 12,5 km/h.

Der Mann lebt nach Plan: Für etwas mehr als eine Stunde wird er heute Morgen seinem Körper die Hallo-wach-Keule geben. Theissen hasst Verspätungen, besonders auf der Piste. Deshalb führte er das Prinzip ein: Motoren nicht auf den letzten Drücker bauen, sondern den ersten mit zwei Monaten Vorlauf, das folgende Aggregat mit fünf. Damit Nachbesserungen noch rechtzeitig vorm (!) Saisonstart möglich sind.

Das V10-Modell für 2003 läuft bereits seit Ende August 2002 auf dem Prüfstand und hat sechs ausgiebige Streckentests auf dem Buckel: "Kleiner, leichter, stärker", ächzt Theissen zwischen zwei Ruderzügen. Mehr rückt der sonst gesprächige Vordenker und -turner der Münchner Kraftproduzenten, die 2002 mit dem Modell P 82 rund 875 PS auf die Piste brachten und in Monza werbewirksam die Schallmauer von 19000 Touren pro Minute durchbrachen, nicht raus.

Schon als Leichtathlet lief er viel

Wie er trainiert? Konzentriert, mit Drive, aber ohne Gewalt. "Wie in der Formel 1", sagt er und ringt sich ein Lächeln ab. An den Tagen, wo er nicht ins Back-up-Center kommt, läuft er in Wald und Flur – auch an GP-Wochenenden. Mindestens vier Kilometer und samstags sogar zwölf. Immer allein. Weil Gruppenjogger laut Theissen es nicht so leicht schaffen, "den inneren Schweinehund zu überwinden".

Wie oft er seine Übungen wiederholt? "Bis zur Schmerzgrenze", kommt die Antwort, diesmal ohne jede Mimik. Er muss nah dran sein. Theissen würde es nie laut sagen, aber ohne WM-Titel wird er BMWs Formel-1-Comeback, 1999 begonnen, als gescheitert betrachten. Und damit auch sich selbst. Die Idee, dass Sport und Erfolg sich gegenseitig bedingen, verfolgt er schon lange. Früher war er Leichtathlet. Schon da lief er verdammt viel.

Machte so Karriere. Leitete BMWs US-Technikbüro in Palo Alto 1998 von München aus. Und betont gern, dass dieser Elitefleck im kalifornischen Silicon Valley 15 Olympiasieger hervorbrachte und nur neun Nobelpreisträger.

Ob er denn seinen Co-Direktor Gerhard Berger, Ex-F-1-Starpilot, schon mal im Back-up-Center gesehen hat? "Der ist von Natur aus fit", grinst Theissen, "wie alle Tiroler." Dann geht er duschen. Punkt acht Uhr düst der Doc ab zur richtigen Arbeit ins Büro. Dort ist wieder dringend sein fittes Köpfchen gefragt.

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