Flavio Briatores Weltmeister-Vergleich

Flavio Briatores Vergleich der Champions Flavio Briatores Vergleich der Champions

Flavio Briatores Weltmeister-Vergleich

— 06.10.2005

Fernando cooler als Michael je war

Flavio Briatore machte erst Michael Schumacher zum Weltmeister, jetzt Fernando Alonso. Hier vergleicht der Renault-Teamchef das deutsche Denkmal mit dem jüngsten F1-Champion aller Zeiten.

"Der älteste 24jährige, den ich kenne"

Wenn Flavio Briatore (55) den Verdacht hat, man könne ihn auf dünnes Eis locken, tippt er aufs Bremspedal: "You know – weißt du?!" Er nimmt sich eine Pause, sortiert die Gedanken und hebt an: "You know – Fernando ist, was das Fahren betrifft, auf dem Niveau von Michael. Vielleicht sogar besser ..."

Flavio Briatore ist der Weltmeister-Macher von Renault, und er spricht über Fernando Alonso, den jüngsten Weltmeister der Formel 1, und Michael Schumacher, den siebenmaligen Champion, den Super-Star der Formel 1. Der gewiefte Italiener hat beide aus dem riesigen Pulk junger Renntalente gepickt, wie die Henne das Goldstück aus dem Körnerhaufen. Und er hat sie beide bis zu ihrem ersten höchsten Motorsport-Titel geführt.

Nun soll er vergleichen – den kühlen Deutschen und bescheidenen Spanier. Die zwei Edelsteine. Flavio Briatore spitzt die Lippen: "You know – Michael und Fernando. Beide sind phantastisch. Aber Michael ist eben siebenmal Weltmeister. Schumacher hat viel hinter sich, Alonso viel vor sich." Und der silberhaarige Gesellschaftslöwe von den Klatschseiten, der in Wirklichkeit ein knallharter Geschäftsmann und Rennleiter ist, legt nach: "Mit 24 Jahren ist Fernando cooler als es Michael je war. Alonso ist der älteste 24jährige, den ich kenne."

Senna wollte Schumi-Verpflichtung stoppen

So unterschiedlich die von Briatore geschliffenen Brillanten sind, ihr Leben vor der Formel 1 weist viele Parallelen auf. Beide stammen aus einfachen Verhältnissen. Beide sitzen früh im Kart, beide sind teuflisch schnell und schnell erfolgreich. Beide landen früh in der Formel 1 (Schumi mit 22, Alsonso mit 19 Jahren), beide gewinnen sehr jung ihren ersten Grand Prix: Schumacher mit 23, Alonso mit 22 Jahren. Ziehvater Flavio: "Beide sind erfolgsbesessen, fast unerträglich begabt und bedingungslos siegorientiert. Fernando wird deshalb sicher, ebenso wie Michael, einer der drei großen Champions der nächsten zehn Jahre – you know?"

Briatores Annäherung an die beiden vollzog sich recht unterschiedlich. "Als ich Michael 1991 holte, mußte ich ihn bei Jordan aus dem Vertrag heraussprengen", erinnert er sich. "Ich mußte Roberto Moreno, meinen zweiten Piloten feuern, um für Michael Platz zu schaffen." Als zusätzliches Problem zeigte sich Ayrton Senna. Der war Freund von Moreno und wollte die Schumacher-Verpflichtung stoppen. Briatore: "Weil Ayrton begriffen hatte, daß Schumacher etwas ganz besonderes war." Eine große Gefahr für Senna.

Und dann war da noch Schumi-Manager Willi Weber. Der wollte Flavio Briatore nicht die Herrschaft über seinen Schützling überlassen. Da liefen die Interessen zwangsläufig nicht immer parallel. Ende 2001 kauft Briatore Alonso aus den Verträgen mit seinem Freund und Entdecker Adrián Campos und mit dem Minardi-Rennstall heraus. Da duldet er keine Puffer zwischen sich und seinem Fahrer, er besteht auf die Rolle des absoluten Chefs im Ring. Er diktiert Alonso: "Wenn du tust, was ich dir befehle, arbeiten wir zusammen. Ich akzeptiere keinen zwischen uns."

Geburtstagstorte aus Elefantenmist

Im System Schumacher wären solche Vorgaben nicht möglich gewesen. Denn Manager Weber gab die Schlagzahl vor. Daraus zog Briatore seine Konsequenz – siehe das Beispiel Alsonso. Und er setzte seinen "Plan Weltmeister" konsequent durch. Der Renault-Patron befahl Alonso: "Du fährst 2002 keine Rennen, Du bleibst bei mir. Teste, um Erfahrungen zu sammeln. Lerne die Technik der Formel 1, unser ganzes System – überhaupt, mit einem großen Team zusammenzuarbeiten."

Eingeschworen auf seine Denkweise hat Flavio Briatore jedoch die beiden, Michael Schumacher und Fernando Alonso, auf die gleiche Weise und am selben Ort. Und zwar seiner Safari-Lodge "Lion in the sun" in Kenia. Silvester 1993/94, Michael gilt als der kommende Weltmeister. Party am Pool, Briatore ganz Dandy im blütenweißen Anzug. Ein leichter, übermütiger Stoß von Schumi, und sein großer Boss liegt im Wasser. Briatore revanchiert sich drei Tage später an Schumis 25. Geburtstag. Er serviert ihm eine Torte aus Elefantenmist. "Die gibt Dir nach kenianischem Glauben", grinst Briatore beim Überreichen, "grenzenlose Kraft und Energie." Schumacher hat die geheimnisvolle Torte nicht probiert und wuchs doch zum Mythos der Formel 1.

Auch den Grundstein zu Alonsos erstem WM-Titel legte Briatore am Strand von Kenia. Diesmal aber mit hartem Kraft- und Konditionstraining während der Winterpause. Schleifer Flavio: "Das beinharte Training hat Alonso und Fisichella zusammengeschweißt. Viel besseres kann einem in der Formel 1 nicht passieren."

Der Renault-Teamchef weiter: "Wenn Fernando trainiert, wenn er kämpft – wenn ich ihm dann in die Augen sehe, weiß ich, daß er etwas Besonderes ist." So wie Michael Schumacher? "Senna, Schumacher, Alonso", sinniert er, "die arbeiten nicht wie die anderen, die fahren nicht wie die anderen. Wenn solche Leute auftauchen, sind sie ihrer Zeit weit voraus – you know?"

Karaoke-Champion und Brav-Weltmeister

Wenn es ums Feiern ihrer Titel geht, dann sind Schumacher und Alsonso ganz verschieden. Und da läßt Briatore sie vom Zügel. So feierte Schumacher stets in wildem Rausch, mit Baccardi-Cola und Karaoke-Gegröhl, mit fliegenden Kühlschränken und zerborstenem Glas. Nach Alonsos Titeltriumph in Brasilien flog Briatore direkt nach Europa. Auch der neue Champ entzog sich praktisch durch Flucht. Ein paar Drinks, ein scheues Lächeln, früh ins Bett. Morgens um halb acht saß er frisch und ruhig am Frühstückstisch – ein Brav-Weltmeister.

Briatore: "Fernando hat keine Angst, als Mensch hinter Schlagzeilen zu verschwinden. Er ruht total in sich. Und er kann in aller Unschuld beides sein: hinter dem Lenkrad wild und spektakulär, aber trotzdem dabei angenehm und still."

Briatore und Schumacher – sie waren wegen des geringeren Altersunterschieds von knapp 20 statt über 30 Jahren mehr Partner. "Für Fernando dagegen bin ich väterlicher Freund. Er ist ein guter, ernsthafter Junge. Es ist seine Natur, vielleicht seine Erziehung. Alle Weltmeister können ja nicht wie Michael sein – you know?" Von seinem ersten großen Geld kaufte Alonso junior den Eltern in der Nähe von Oviedo ein Haus. Vater Jose Luis hatte Tränen in den Augen – wegen dieses so wohlgeratenen Sohnes.

Zur Person: zwei Weltmeister im Vergleich

FERNANO ALONSO • Geboren: 29. Juli 1981 • Geburtsort: Oviedo (Spanien) • Wohnort: Oxford (England) • Nationalität: spanisch • Familienstand: ledig • Erlernter Beruf: Rennfahrer • Hobbys: Zaubern, Fußball

Karriere: Schon mit zwei Jahren machte Alonso erste Fahrversuche im Kart. 1994 gewinnt er die spanische Kadettenmeisterschaft, 1996 die Junioren-Kart-WM. 2000 der Wechsel in die F3000- EM (ein Sieg in Spa). 2001 nimmt Renault ihn unter Vertrag: F1- Debüt mit Minardi als Leihgabe. 2002 Renault-Testfahrer, 2003 Stammpilot und erster Sieg. 2004 WM-Vierter, 2005 Weltmeister.

MICHAEL SCHUMACHER • Geboren: 3.Januar 1969 • Geburtsort: Hürth-Hermülheim • Wohnort: Vufflens-le Chateau/Schweiz • Nationalität: deutsch • Familienstand: verheiratet mit Corinna, zwei Kinder: Gina Maria (8) und Mick (6) • Erlernter Beruf: Kfz-Mechaniker • Hobbys: Kartfahren, Fußball, Radfahren, Klettern, Skifahren

Karriere: Sitzt mit vier Jahren zum ersten Mal im Kart, wird Formel- König-Meister und F3-Champion. 1990 Platz 5 in der Sportwagen-WM, 1991 Einstieg in die F1. Erster Sieg 1992 in Spa, 1994/95 Weltmeister mit Benetton. 1996 Wechsel zu Ferrari. Seitdem fünf weitere Titel.

Autor: Burkhard Nuppeney

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