Flugzeugschlepper "TaxiBot" (2014)

Flugzeugschlepper "TaxiBot"

— 23.07.2014

Airbus-Schubser mit 1500 PS

Auf dem Frankfurter Flughafen fahren Jumbos künftig mit dem "TaxiBot" zur Startposition. Die stärkste Variante soll sogar einen Airbus A380 bewegen.

Huckepack zur Startposition: Der TaxiBot zieht große Jumbos mit bis zu 42 km/h übers Flugfeld.

(dpa/mv) Aus dem Cockpit der Boeing 737 ist der 27-Tonnen-Schlepper am Bugrad der Maschine gar nicht zu sehen. Lufthansa-Kapitän Rainer Frischkorn löst die Bremsen seines Jets, der sich unmittelbar in Bewegung setzt, obwohl die beiden Triebwerke noch gar nicht eingeschaltet sind. Für den Vortrieb mit bis zu 42 km/h sorgt der weltweit neuartige Flugzeugschlepper TaxiBot, der derzeit am Frankfurter Flughafen auf seine Alltagstauglichkeit getestet wird. Er schöpft knapp 800 PS aus einem Hybridsystem: Zwei Scania-Dieselmotoren mit jeweils neun Litern Hubraum und 400 PS treiben zwei Stromgeneratoren an. Über acht Elektromotoren werden die Lenkimpulse des Flugzeugpiloten auf die Allradsteuerung des Gefährts übertragen.

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TaxiBot "Wide Body" soll sogar einen A380 schaffen

Zwei 16-Liter-V8-Motoren à 770 PS sollen es sogar mit einem Airbus A380 aufnehmen.

Der 26,8 Tonnen schwere und 8,70 Meter lange Schlepper ist für die Flugzeugtypen Airbus A320, Boeing 737 und 757 von den Herstellern akzeptiert. Die Zertifizierung sei bereits abgeschlossen, berichtet Lufthansa – die Europäische Luftfahrtbehörde EASA bearbeite zurzeit den Zulassungsantrag. Laut Motoren-Zulieferer Scania ist darüber hinaus ein extra großer TaxiBot "Wide Body" geplant, mit zwei 16-Liter-V8-Motoren à 770 PS – macht zusammen 1540 PS, die es sogar mit einem Airbus A380 aufnehmen sollen. Ziel der israelisch-französisch-deutschen Gemeinschaftsentwicklung ist es, die Abläufe an den Flughäfen zu beschleunigen, große Mengen Kerosin zu sparen und Lärm zu vermeiden.

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"500 Tonnen hält so schnell nichts auf"

Lufthansa-Ingenieur Thomas Killmaier "Wenn beim A380 mehr als 500 Tonnen nach vorne schieben, hält die so schnell nichts auf."

Bislang können Flugzeuge am Boden aus Sicherheitsgründen nicht geschleppt werden, sondern werden lediglich von ihren Positionen weggeschoben. Nach dem "Push Back" lassen die Piloten die Triebwerke hochlaufen und fahren mit eigener Kraft zur Startposition. "Das ist ungefähr so effektiv wie ein Skateboard, das von einem Fön angetrieben wird", spottet einer der Techniker. Die Turbinen sind darauf ausgelegt, in 10.000 Meter Höhe die Jets auf einer Reisegeschwindigkeit von rund 900 Stundenkilometern zu bewegen und nicht auf gemütliche Streckenfahrten über das Vorfeld. Gegen lange Schleppvorgänge am Boden sprach bislang, dass Passagierjets viel zu schwer sind, als dass sie von einem am Vorderrad hängenden Schlepper gebremst werden könnten. "Wenn beim A380 mehr als 500 Tonnen nach vorne schieben, hält die so schnell nichts auf", beschreibt Lufthansa-Ingenieur Thomas Killmaier das bislang unlösbare Problem.

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Der Pilot fährt wie im Automatik-Auto

Wie bei einem Automatik-Auto setzt sich das Gespann in Bewegung, sobald der Pilot die Bremsen seines Flugzeuges löst.

Beim neuen TaxiBot – eine Kurzform von Taxi-Robot – übernimmt nach dem Push Back ("Driver Control Mode") sofort der Jet-Pilot das Kommando ("Pilot Control Mode"). Das Bugrad seiner Maschine steht auf einem mit zahlreichen Sensoren ausgestatteten, pendelnd gelagerten Drehteller in der Mitte des TaxiBots, der sämtliche Lenkbewegungen sofort an die Elektromotoren des Schleppers überträgt. Wie bei einem Automatik-Auto setzt sich das Gespann in Bewegung, sobald der Pilot die Bremsen seines Flugzeuges löst. Gasgeben kann er nicht: Zum Anhalten oder Verlangsamen werden die Flugzeugbremsen wieder angezogen, über die Sensoren verringert auch der Roboter seine Geschwindigkeit bis zum Stillstand.

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Am Flugzeug muss nichts verändert werden

Dass der Pilot eigentlich nichts anders machen muss, als wenn er mit der Kraft der eigenen Triebwerke rollen würde, ist der Clou des Projekts. "Jede Veränderung am Flugzeug würde zahlreiche Zulassungsformalien nach internationalem Recht nach sich ziehen. Das wollten wir unbedingt vermeiden", sagt Killmaier. Für die Piloten genüge eine kleine Einweisung mit veränderter Checkliste zum Start.

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TaxiBot soll Kerosin sparen und Lärm reduzieren

Das neue Verfahren soll am Flughafen Lärm reduzieren sowie Kerosin und vor allem Zeit sparen.

Die Technik entwickelt hat die auch in der Rüstung tätige Firma "Israel Aerospace Industries" (IAI). So kommen zum Beispiel aus Drohnen bekannte Hochleistungsrechner zum Einsatz. Der französische Marktführer für Flugzeugschlepper, TLD, investierte in die Entwicklung der mit Scania-Diesel und Siemens-Elektromotoren ausgestatteten TaxiBots.

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Das neue, bereits prämierte Verfahren soll am Flughafen Lärm reduzieren sowie Kerosin und vor allem Zeit sparen. "Das ist weltweit vor allem für große Drehkreuze mit langen Rollwegen und engen Flugzeughöfen interessant", sagt der für die strategische Planung des Projekts zuständige Lufthansa-Manager Sven Meyenburg. Der zeitliche Vorteil entsteht vor allem damit, dass die Flieger ihre Triebwerke nicht unmittelbar nach Verlassen der Block-Position hochlaufen lassen müssen.

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Ab September 2014 sind drei Test-Schlepper im Einsatz

Wenn ab September 2014 die ersten Lufthansa-Jets von den drei Test-Schleppern bis kurz vor die Startbahn West gezogen werden, können die Triebwerke weit später angeworfen werden. Rund 800 Kilogramm Kerosin lassen sich nach vorläufigen Berechnungen pro Startvorgang sparen, entsprechend weniger Kohlendioxid wird in die Luft geblasen. Das TaxiBot-Gespann sei zudem nicht einmal halb so laut wie ein konventionell rollendes Flugzeug.

Flugzeugschlepper "TaxiBot" (2014)

Den Vorteilen stehen allerdings auch Nachteile gegenüber, die gegengerechnet werden müssen. So sind die TaxiBots etwa doppelt so teuer wie konventionelle Geräte und zudem noch wesentlich länger am Flugzeug. Dafür braucht es auch mehr Fahrer, sodass der Betriebsrat schon ganz begeistert ist.

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