Massenrückruf wegen Abgastechnik

Folgen des Abgasskandals - News und Hintergründe

— 17.02.2017

Grünes Licht für Massen-Nachbesserung

Bei 150.000 Autos in Deutschland darf das Abgassystem nachgebessert werden. Das erlaubt das KBA im Zuge des Dieselskandals. News-Übersicht!

• Freigabe für Massen-Nachbesserung in Europa
• KBA-Chef Zinke: Keine Kungelei mit Autobauern
• Medien: Absprache bei Untersuchungsbericht

• Die wichtigsten Antworten für Diesel-Fahrer


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'Verbrenner-Verbot ab 2030?'

(dpa/reuters/brü/mas/cj) Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat die Abgas-Nachbesserungen von 150.000 in Deutschland zugelassen Mercedes, Opel und leichten VW-Nutzfahrzeugen erteilt. Das teilte das Bundesverkehrsministerium am Mittwoch (15. Februar 2017) mit. Es handelt sich um Diesel mit 1,5-Liter-Motoren der Mercedes A-Klasse, B-Klasse, CLA-Klasse und GLA-Klasse sowie 2,1-Liter-Motoren der V-Klasse. Bei Opel wurde die Umrüstung für den Insignia (2,0 Liter) freigegeben, bei VW für den Amarok und Crafter (beide 2,0 Liter). Europaweit können rund eine halbe Million Fahrzeuge nachgebessert werden.

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Hintergrund sind Nachmessungen im Zuge der Abgas-Affäre bei VW. Bei 22 von 53 getesteten Dieselmodellen hatten sich Zweifel ergeben, ob ein Abschalten der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen mit dem Schutz von Motorbauteilen zu begründen ist. Die betroffenen deutschen Hersteller sagten für 630.000 Fahrzeuge einen "freiwilligen Rückruf" zu. Die Autobauer mussten dem KBA Umrüstungskonzepte vorlegen, mit denen der Ausstoß von Stickoxid (NOx) verringert wird. Unabhängig davon läuft ein verpflichtender Rückruf für 2,4 Millionen Autos von Volkswagen, aus denen eine verbotene Manipulations-Software entfernt werden muss. Infolge des VW-Abgasskandals hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im September 2015 die "Untersuchungskommission Volkswagen" eingesetzt.

KBA-Chef: Keine Kumpanei mit Herstellern

KBA-Präsident Zinke will vor dem VW-Skandal den Begriff "Abschaltvorrichtung" nicht gekannt haben.

Das KBA hatte nach Angaben seines Präsidenten Ekhard Zinke vor Bekanntwerden des VW-Skandals keine Hinweise auf Abgasmanipulationen. Es habe "keinerlei Verdachtsmomente" gegeben, dass irgendeine Täuschung betrieben worden sei, sagte Zinke am 26. Januar 2017 im Untersuchungsausschuss des Bundestags. Er verwahrte sich gegen Vorwürfe der Kungelei mit Autobauern bei Abgas-Nachmessungen als Konsequenz aus dem Skandal. Die Worte "mit industriefreundlichem Gruß" in einer internen E-Mail seien eine "bitter-ironische Formulierung" gewesen. Dazu habe er angesichts unbegründeter öffentlicher Mauscheleivorwürfe gegen das KBA gegriffen. Die Mail sei an zwei enge Kollegen in der Annahme gegangen, dass dies flapsig und sarkastisch gemeint gewesen sei und nicht den Funken einer Ernsthaftigkeit besessen habe. Der Begriff "Abschalteinrichtung" der Abgasreinigung sei ihm vor dem VW-Skandal unbekannt gewesen, sagte Zinke. Zu einer Untersuchung von 53 Diesel-Modellen mehrerer Hersteller führte er aus: "In keinem Fall hat sich das Kraftfahrt-Bundesamt die Bewertung, zu der es gekommen ist, von der Industrie beeinflussen oder gar formulieren lassen."
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Medien: Absprache mit Autobauern

Wenige Wochen zuvor hatten mehrere Medien berichtet, dass sich das KBA sich für einen umstrittenen Bericht zu überhöhten Abgaswerten nach dem VW-Skandal eng mit deutschen Autobauern abgestimmt hatte. Das gehe aus E-Mails zwischen KBA, Umweltministerium und Herstellern hervor, deren Inhalt die Deutsche Presse-Agentur, "Spiegel Online" und "BR Recherche" einsehen konnten. In einer Notiz des KBA von Mitte Januar 2016 habe es geheißen, es werde mit den Herstellern "zuvor konkret besprochen", was veröffentlicht werde. Die Mails mussten laut "Spiegel Online" von Ministeriumsmitarbeitern dem Bundestags-Untersuchungsausschuss zum Abgasskandal zur Verfügung gestellt werden. Dieser soll mögliches behördliches Versagen bei der Kontrolle von Abgaswerten prüfen. Das KBA ist dem Bundesverkehrsministerium untergeordnet. Es erteilt die Typgenehmigungen, die die Einhaltung von Abgasgrenzwerten voraussetzen.

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Die wichtigsten Antworten für Diesel-Fahrer

Was bedeutet "freiwilliger Rückruf"? Der Begriff "freiwillig" grenzt den Rückruf von einem harten Rückruf ab, bei dem sicherheitsrelevante Teile wie Bremsen betroffen sind. Dennoch rät das KBA dringend, am Rückruf teilzunehmen. Ob Verweigerer mit Konsequenzen zu rechnen haben, ließ der KBA-Sprecher offen. Was wird beim freiwilligen Rückruf gemacht? Die Hersteller aktualisieren die Software des Motorsteuergeräts. Ziel ist, die Abgasreinigung im Fahrbetrieb häufiger zu aktivieren, um die NOx-Werte auf der Straße zu reduzieren.

Kann das neben der NOx-Reduktion auch unerwünschte Folgen haben? Das kommt auf das Abgasreinigungssystem an. Ein NOx-Speicherkat muss regelmäßig regeneriert werden. Dazu wird zusätzlicher Kraftstoff eingespritzt. Diese Menge steigt, wenn die Abgasreinigung verbessert werden soll. Ist ein SCR-Kat mit Adblue-Einspritzung an Bord, wird die eingespritzte Harnstoffmenge angepasst. Dann muss häufiger Abblue nachgetankt werden. Bei dritten System, der Abgasrückführung, kann es unter Umständen durch die NOx-Optimierung zu einem erhöhten Rußpartikelanfall kommen. Dann muss der Partikelfilter öfter freigebrannt werden, was einen Mehrverbrauch an Karftstoff bedeutet.

Was sollten Betroffene tun? Wenn das Auto nach dem Rückruf einen Sachmangel aufweist, zum Beispiel weniger Leistung oder mehr Verbrauch, kann der Kunde auf Beseitigung des Mangels bestehen. Mein Auto hat noch Garantie. Ändert das was? Juristisch kaum. Die Garantie greift bei einem solchen Fall in der Regel nicht. Hier gelten die Ansprüche aus der gesetzlichen Gewährleistung.

Diesel sind gefährlicher als Benziner

Gesundheitsschädliche Stickoxide (NOx) wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Sie können auch Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter, und sie überdüngen und versauern die Böden.  Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei. Technisch lassen sie sich mit einem Drei-Wege-Katalysator in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro gefahrenen Kilometer (mg/km) für Diesel- und bei 60 mg/km für Benzinmotoren.

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Stichworte:

Abgasskandal Diesel

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