Vans mit Gasantrieb im Test

Ford C-Max 2.0 CNG/VW Caddy 2.0 EcoFuel/Opel Zafira 1.6 CNG/VW Touran 2.0 EcoFuel/Mercedes B 170 NGT Ford C-Max 2.0 CNG

Ford C-Max /VW Caddy /Opel Zafira/VW Touran/Mercedes B-Klasse

— 08.08.2008

Tanken für die Hälfte

Diese fünf Vans fahren zum familienfreundlichen Traum-Tarif, indem sie einfach billiges Erdgas tanken: Ford C-Max CNG, VW Caddy EcoFuel, Opel Zafira CNG, VW Touran EcoFuel und Mercedes B-Klasse NGT.

Die Faszination kommt an der Zapfsäule. Einmal Volltanken für 17 Euro. Ja, richtig gelesen: 17 Euro. Ohne Rechenfehler, und es steht auch kein Mofa an der Tankstelle. Stattdessen ein Opel Zafira mit sieben Sitzen. Es könnte aber auch ein VW Touran sein, ein VW Caddy, eine Mercedes B-Klasse oder ein Ford C-Max. Alle Vans verbindet, dass sie statt Super den günstigeren Kraftstoff Erdgas in den Tank packen. Der kostet im Bundesdurchschnitt gerade 96 Cent. Umgerechnet auf Super, entspricht das einem Literpreis von 64 Cent. Diese Zahlen gehen runter wie Öl. Denn Diesel, Super und Super plus sowieso kosten deutlich mehr als das Doppelte. Oder andersherum gesagt: Erdgasfahrer tanken für weniger als die Hälfte. Da wundert es nicht, dass die noch vor ein paar Jahren kauzig-kleine Gemeinde mittlerweile auf 70.000 Mitglieder angewachsen ist. Und die kommen jetzt aus allen Ecken.

Gas geben ist grün, günstig und gesellschaftsfähig. Auf die steigende Nachfrage reagieren die Hersteller mit neuen Modellen. VW Passat TSI, Opel Zafira Turbo, Fiat Grande Punto sollen spätestens Anfang 2009 kommen. Alle geben Gas, nur das Tankstellennetz wächst zu langsam. Knapp 800 Zapfsäulen gibt es momentan in Deutschland, an der Autobahn fast keine. Weshalb ein Navigationsgerät unbedingt zur Serienausstattung gehören sollte. Hersteller wie TomTom verkaufen spezielle Erdgas-Suchgeräte. Damit die Begeisterung beim Tanken nicht auf der Strecke bleibt.

Die Heimwerker-Lösung: Ford C-Max 2.0 CNG

Ford C-Max 2.0 CNG: Der Motor läuft ruhig und munter, aber der Ford spart zu wenig.

Ja, gehen im Ford denn nie die Lichter aus? Beim Start in Hamburg brennen vier Tanklämpchen, 300 Kilometer weiter leuchten immer noch vier Dioden. Sapperlot, da stimmt doch was nicht! Auch ein C-Max fährt nicht nur mit Luft und Liebe. Laut den Instrumenten sind die Erdgastanks voll, in Wirklichkeit: leer. Gut, dass die Benzinanzeige zuverlässiger funktioniert. Das größte Problem des Kölner Kompakt-Vans ist nach wie vor, dass es sich beim Erdgasmodell um eine Nachrüstlösung handelt. Zwar fährt der 4,33 m lange Wagen deutlich besser als sein Vorgänger, aber noch immer sitzen die Tanks unglücklich unterhalb des Kofferraumbodens. Die schwitzen, geben Feuchtigkeit ab und bergen die Gefahr, dass aus dem allergiegetesteten Innenraum nach Jahren eine ungemütliche Schimmelbude wird.

Der Zweiliter ist eigentlich ein bewährter Benziner, der jedoch im Erdgasbetrieb mächtig an Leistung verliert. Beinahe 20 PS weniger, damit spurtet der Van in 13,4 statt 11,7 Sekunden auf Tempo 100. Trotzdem geht der C-Max besser als die gesamte Konkurrenz – mit Ausnahme der Mercedes B-Klasse. Trotz 824 Euro, die man jährlich an Spritkosten spart, gehört der Kölner nicht zu den Super-Knausern. 3410 Euro für die Umrüstung, 6,2 Kilogramm Gas auf 100 Kilometer – das spart unterm Strich gerade mal einen Cent pro Kilometer. Zu wenig.
Technische Daten Ford C-Max 2.0 CNG
Motor/Hubraum Vierzyl./1999 cm³
Leistung Gasbetrieb 93 kW/126 PS
Drehmoment Gasbetrieb 156 Nm
0–100 Gasbetrieb (Test) 13,4 s
Höchstgeschw. Gasbetrieb 193 km/h
Testverbrauch Gas 6,2 kg/100 km
CO2 Gasbetrieb 160 g/km
Tankvolumen Gas 17 kg
Reichweite Gas 270 km
Testverbrauch Benzin 7,9 l/100 km
CO2 Benzin 188 g/km
Tankvolumen Benzin 55 l
Gesamtreichweite 970 km
Kaufpreis 25.410 Euro
Kosten pro km 6,7/45 Cent**
** Kraftstoffkosten/Kosten für 4 Jahre/60.000 km
Plus: munterer, laufruhiger Motor, gute Gesamtreichweite
Minus: Gasflaschen im Kofferraum, nachgerüstete Gasanzeige
Wertung: verbesserungswürdig

Gut im Gas-Geschäft: VW Caddy

Spät reagieren, dann an die Spitze stürmen – typisch VW. Der Caddy ist Bestseller in der Gas-Branche. Das liegt auch an seinem verhältnismäßig günstigen Neupreis. 21.515 Euro kostet der zivile Kastenwagen mit dem kleinen EcoFuel-Schriftzug auf der Heckklappe – knapp 3000 Euro weniger als sein identisch motorisierter Bruder Touran. Allerdings läuft der leiser als der raubeinige Caddy, der beinahe wie ein Diesel nagelt – ein klares Indiz für schlechtere Dämmung. Außerdem federt er steifbeinig über Unebenheiten. Grund: Statt der aufwendigen Raumlenkerhinterachse wie im Touran hängen die Räder des Caddy an einer Starrachse.

VW Caddy 2.0 EcoFuel: Der Caddy tankt bis zu 26 Kilo Erdgas.

Die simple Konstruktion schafft aber wertvollen Platz für größere Gastanks. Mit 26 Kilogramm kommt der Kastenwagen auf eine Reichweite von 400 Kilometern nur mit Gas – 110 Kilometer weiter als der Touran. Und auch beim Platzangebot im Innenraum ist er über jeden Zweifel erhaben. In den Kofferraum passen knapp drei Kubikmeter Ladegut. Klingt nach dem perfekten Handwerkerwagen, wäre da nicht der zu lange Bremsweg: 41,1 Meter.
Technische Daten VW Caddy 2.0 EcoFuel
Motor/Hubraum Vierzyl./1984 cm³
Leistung Gasbetrieb 80 kW/109 PS
Drehmoment Gasbetrieb 160 Nm
0–100 Gasbetrieb (Test) 13,9 s
Höchstgeschw. Gasbetrieb 169 km/h
Testverbrauch Gas 6,4 kg/100 km
CO2 Gasbetrieb 167 g/km
Tankvolumen Gas 26 kg
Reichweite Gas 400 km
Testverbrauch Benzin nicht ermittelbar
CO2 Benzin nicht ermittelbar
Tankvolumen Benzin 13 l
Gesamtreichweite circa 560 km
Kaufpreis 21.515 Euro
Kosten pro km 6,9/39 Cent **
** Kraftstoffkosten/Kosten für 4 Jahre/60.000 km
Plus: gute Gas-Reichweite, akzeptabler Neupreis, viel Platz
Minus: lauter Motor, langer Bremsweg, steifbeinige Federung
Wertung: empfehlenswert

Der spart richtig, aber langsam: Opel Zafira 1.6 CNG

Opel Zafira 1.6 CNG: Der Opel hat ein überzeugendes Erdgas-Konzept und einen sparsamen Motor.

Ausgerechnet einen Blitz trägt der Zafira als Markenemblem... Aberkannt gehört der! Eine Schnecke wäre passender. Wer mit dem Opel Geld sparen möchte, braucht Engelsgeduld. Fast 19 Sekunden vergehen, bis der Siebensitzer die Tempo-100-Marke knackt. Und im Benzinbetrieb dauert es noch mal eine Sekunde länger. Dabei ist das Fahrzeugkonzept noch nach Jahren überzeugend. Opel optimierte sein Modell konsequent auf Erdgas. Mit großen CNG-Tank (21 Kilo) und kleinem Benzintank (14 Liter) fährt der Familienvan 550 Kilometer weit. Und verbrennt dabei gerade mal 5,4 Kilo Erdgas im Schnitt. Jeder Kilometer kostet sechs Cent weniger als beim vergleichbaren Benziner. So überholt der Zafira die deutlich flottere Konkurrenz nicht nur bei den Kosten, sondern auch beim Füllen der Tanks. Die liegen beim Opel platzsparend unterm Wagenboden, weshalb die Insassen keinen Raum verlieren. Bis auf das Klicken des Magnetventils beim Öffnen und Schließen der Gasflaschen, bekommt der Fahrer vom CNG-Betrieb nichts mit. Zwischen den Kraftstoffsorten wählt der Fahrer per Taste. Die sitzt dort, wo sonst der Sport-Knopf des anpassungsfähigen IDS-Plus-Fahrwerks auf Wunsch die Dämpfer strafft. Für den Erdgas-Van bietet Opel das aufpreispflichtige Extra nicht an. Wäre auch ein Witz...
Technische Daten Opel Zafira 1.6 CNG
Motor/Hubraum Vierzyl./1598 cm³
Leistung Gasbetrieb 69 kW/94 PS
Drehmoment Gasbetrieb 133 Nm
0–100 Gasbetrieb (Test) 18,7 s
Höchstgeschw. Gasbetrieb 165 km/h
Testverbrauch Gas 5,4 kg/100 km
CO2 Gasbetrieb 149 g/km
Tankvolumen Gas 21 kg
Reichweite Gas 380 km
Testverbrauch Benzin 8,4 l/100 km
CO2 Benzin 200 g/km
Tankvolumen Benzin 14 l
Gesamtreichweite 550 km
Kaufpreis 24.210 Euro
Kosten pro km 5,8/41 Cent**
** Kraftstoffkosten/Kosten für 4 Jahre/60.000 km
Plus: überzeugendes Erdgas-Konzept, sparsamer Motor, sieben Sitze
Minus: Nur fünf Gänge, zähe Beschleunigung, lediglich eine Spritanzeige
Wertung: 2-

Der füllt die Familienkasse: VW Touran 2.0 EcoFuel

VW Touran 2.0 EcoFuel: Das Gesamtkonzept überzeugt, der Spareffekt ist groß.

Selbst Menschen, die den Touran ablehnen, werden ihn nach dieser Rechnung lieben: Als EcoFuel spart er 1083 Euro Spritkosten im Jahr. Und das, ohne einen wirklichen Pferdefuß an anderer Stelle in Kauf nehmen zu müssen. Natürlich gehen Erdgas-Fahrer mit 24.350 Euro für den Kauf erst einmal in Vorleistung. Die Differenz zum vergleichbaren Familienvan mit 1,6-Liter-Benzinmotor beträgt glatt 3000 Euro. Dafür bekommen CNG-Fahrer (Compressed Natural Gas) eine hochsichere Anlage mit Tankflaschen, die 18 Kilo Erdgas fassen. Super führt der Touran nur als 13-Liter-Reserve zum Starten des Motors mit. Eventuell noch, um den Weg zur nächsten Erdgastankstelle zu überbrücken. Einen Schalter, der die Wahl zwischen den Kraftstoffarten offen lässt, gibt es nicht. Warum auch? Beim VW läuft alles der Reihe nach: erst das günstige Erdgas verbrennen, dann den teuren Sprit. Das macht Sinn. Mit beiden Kraftstoffen zusammen kommt der Touran circa 450 Kilometer weit, die er souverän absolviert – mit angenehmer Lenkung, leichtgängiger Schaltung und straffem Fahrwerk. Der 109-PS-Benziner stammt noch aus der Zwei-Ventiler-Ära. Er läuft vergleichsweise rau. Einschränkungen im Kofferraum durch die Gasanlage? Fehlanzeige! Selbst eine dritte Sitzreihe ist erhältlich, darf aber in der EcoFuel-Version nur mit 35 Kilo je Platz belastet werden.
Technische Daten VW Touran 2.0 EcoFuel
Motor/Hubraum Vierzyl./1984 cm³
Leistung Gasbetrieb 80 kW/109 PS
Drehmoment Gasbetrieb 160 Nm
0–100 Gasbetrieb (Test) 13,5 s
Höchstgeschw. Gasbetrieb 180 km/h
Testverbrauch Gas 6,1 kg/100 km
CO2 Gasbetrieb 162 g/km
Tankvolumen Gas 18 kg
Reichweite Gas 295 km
Testverbr. Benzin nicht ermittelbar
CO2 Benzin nicht ermittelbar
Tankvolumen Benzin 13 l
Gesamtreichweite circa 450 km
Kaufpreis 24.350 Euro
Kosten pro km 6,6/42 Cent**
** Kraftstoffkosten/Kosten für 4 Jahre/60 000 km
Plus: großer Spareffekt, überzeugendes Gesamtkonzept
Minus: alter Zweiventil-Motor, nur ausreichende Gas-Kapazität
Wertung: unbedingt kaufen

Nicht nur für clevere Taxifahrer:  Mercedes B 170 NGT

Mercedes B 170 NGT: beschleunigt kräftig, trinkt sparsam und verliert kaum Leistung im Gasbetrieb.

Von dem haben Taxifahrer geträumt. Spritpreise halbiert, Fahrpreise stabil – so verdoppeln sich im Handumdrehen die Gewinne. Aber nicht nur Droschkenkutscher fahren mit der B-Klasse ausgezeichnet. Nachdem die Stuttgarter eine perfekte Erdgas-E-Klasse auf dem Markt etabliert haben, setzten sie nun ihr Wissen im B-Modell um. Die Gasflaschen hängen sicher unter dem Wagen, der Benzintank ist mit 54 Litern normal groß. So gehört der Kompaktvan zu den sogenannten bivalenten Fahrzeugen. Das hat den Vorteil, dass die Tanks zusammen für eine Tour durch ganz Deutschland reichen. Nur: Wer will schon mit teurem Super fahren, wenn er Erdgas tanken kann? Sonst setzte Mercedes das Thema perfekt um. Im Bordcomputer wählt der Fahrer die Betriebsart, im Gas-Modus leuchtet im Drehzahlmesser ein dezenter grüner Schriftzug. Während Konkurrenten wie Ford C-Max im Gas-Betrieb an Kraft verlieren, bleibt die Leistung des Mercedes stabil. Nach Werksangaben soll der kompakte Van in beiden Betriebsarten gleich schnell beschleunigen, gemessen fuhr er mit Benzin schneller. Was auch an der Erdgasqualität gelegen haben kann.
Technische Daten Mercedes B 170 NGT
Motor/Hubraum Vierzyl./2034 cm³
Leistung Gasbetrieb 85 kW/116 PS
Drehmoment Gasbetrieb 165 Nm
0–100 Gasbetrieb (Test) 13,4 s
Höchstgeschw. Gasbetrieb 184 km/h
Testverbrauch Gas 5,5 kg/100 km
CO2 Gasbetrieb 152 g/km
Tankvolumen Gas 16 kg
Reichweite Gas 290 km
Testverbr. Benzin 8,0 l/100 km
CO2 Benzin 192 g/km
Tankvolumen Benzin 54 l
Gesamtreichweite 965 km
Kaufpreis 28.798 Euro
Kosten pro km 5,9/46 Cent**
* *Kraftstoffkosten/ Kosten für 4 Jahre/60.000 km
Plus: sparsamer Motor, verliert kaum Leistung im Gasbetrieb
Minus: hoher Kaufpreis, vergleichsweise kleiner Erdgastank
Wertung: 1-

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko

Wenn schon Van, dann einer mit Erdgas. Der beste Grund dafür: Volltanken zum Preis einer Super-Sonderwäsche. Besonders sinnvoll sind monovalente Fahrzeuge mit großem Erdgas- und kleinem Benzintank wie Zafira, Touran und Caddy. Alle drei fahren günstig, aber mehr oder weniger spaßbefreit. Deshalb gewinnt die B-Klasse. Unterschiede zwischen Benzin und CNG-Betrieb sind bei ihr kaum spürbar. So gibt man gern Gas.

Autor: Margret Hucko

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