Ford Escort IV (1990-2000)

Ford Escort Ford Escort

Ford Escort IV (1990-2000)

— 11.11.2002

Zahnriemen – der Escort-Killer

Motorschaden, Probleme beim TÜV und schlechte Verarbeitung können das vermeintliche Schnäppchen ganz schön teuer machen.

Autokauf ist eine Sache für Herz und Hirn, bei Kompakten aus zweiter Hand kommt meist die Kosten-Komponente dazu. Sagt das Herz Golf und der Geldbeutel kann diesen Wunsch nicht erfüllen, legt das Hirn den Ford Escort nahe. 1998 wurde er durch den Focus abgelöst. Ein vier Jahre alter Escort mit 75 PS, Flair-Ausstattung und fünf Türen kostet laut Liste 5250 Euro. Ein vergleichbarer Golf aber 8550 Euro. Wertverlust nach vier Jahren: 42 Prozent für den Golf, 63 Prozent für den Escort. Den Gebrauchtwagenkäufer soll es freuen, allerdings kann ein gut gefüllter Reparaturfonds nicht schaden.

Der schlimmste aller Fälle ist der Zahnriemenriss. Sausen die Kolben gegen die Ventile, hilft nur ein neuer Zylinderkopf. Vor allem der Diesel ist besonders anfällig. Der TÜV-Termin kann die Beziehung Auto–Fahrer auf eine sehr harte Probe stellen, denn nicht selten zückt der Prüfer die rote Karte. Der Escort ist in allen Baujahren schlechter als der Durchschnitt, wobei nicht alle Baugruppen gleichmäßig betroffen sind. Auffallend gut ist das Licht, selbst der elf Jahre alte Escort III ist viel besser als seine Alterskollegen. Auch der von uns geprüfte Escort IV zeigt hier keine Schwächen.

Karosserie und Verarbeitung

Typisch Neunziger, nur dass damals die Verarbeitung der meisten Autos besser war als bei Ford.

Bremsleitungen und -schläuche werden bei den dreijährigen Escort moniert, danach überraschen sie mit guten Bewertungen. Erst nach sieben Jahren ist der Auspuff ein Fall für den Sperrmüll, so der TÜV. Die Bremsen gelten als robust, wobei dem Escort hier auch zugute kommt, dass seine Fahrer meist nur selten sportliche Ambitionen zeigen.Trotz sanfter Gangart stellen sich bereits nach drei Jahren nennenswerte Probleme an den beiden Achsen ein, ebenso liegt das Lenkungsspiel in allen Jahrgängen stets über dem Durchschnitt.

Die Verarbeitung ist bei allen Baujahren ausgesprochen schlecht, ein stetes Scheppern, abfallende Verkleidungen und klappernde Kabelstränge unterstreichen diese Aussage. Korpulentere Personen stellen rasch fest, dass die Sitze nicht für schwerere Personen geeignet und bereits nach kurzer Zeit durchgesessen sind.

Sparsam bemessen ist die Rostschutzvorsorge: Ab dem fünften Jahr verzeichnet der TÜV einen roten Balken in seinem Diagramm, wobei hier nur die Korrosion an Rahmen und tragenden Teilen beurteilt wird. Steinschläge zählen nicht dazu, obwohl sie schon nach kurzer Zeit große braune Kreise ziehen. Der Escort aus zweiter Hand ist bestimmt kein Auto für jedermann, denn die häufigen Reparaturen drücken auf die Börse. Wer kann, investiert dieses Geld besser gleich in den weitaus besseren Ford Focus.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte • 9/80 Modelleinführung des ersten frontgetriebenen Escort • 2/86 Modellüberarbeitung: flacher Luftschlitz anstatt des Kunstoffgrills • 9/90 Neuauflage: Ford-Oval in den Lufteintritt verlegt, ovale Kühlluftöffnung auch in Stoßfänger • 6/92 Fließheck mit angedeutetem Kofferraum und nach vorn abfallender Motorhaube • 2/95 Modellüberarbeitung Fließheck • 7/98 Produktionsende • 10/98 vom Focus abgelöst, aber Escort-Kombi und -Fließheck noch als Classic-Version bis 9/2000 weitergebaut

Schwachstellen Ölverlust ist nach 50.000 Kilometern fast immer zu bemerken • Rost ist bei älteren Ford ein ernstes Thema, aufgrund schlechter Vorsorge bleibt auch der Escort nicht davon ausgenommen • die beiden Achsen sorgen häufig für Knarren, spröde Fahrwerkslager sind keine Seltenheit • die Antriebswellen gelten als wenig solide • schlechte Verarbeitung ist mehr Regel als Ausnahme, irgendwas klappert oder scheppert immer • selbst regelmäßige Wartung in der Markenwerkstatt schützt nicht vorm gefürchteten Zahnriemenriss, dessen Folgeschäden stets einen neuen Zylinderkopf erfordern • die Materialien im Innenraum wirken bei jüngeren Fahrzeugen wenig hochwertig, bei älteren lösen sich die Stoffe von der Verkleidung

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Ford Escort 1.4 (55 kW/ 75 PS). Baujahr 1996. Der Ford Escort muss zwar oft in die Werkstatt, die günstigen Ersatzteilpreise sind aber ein kleiner Trost. Bleibt nur der Ärger über die häufigen Pannen.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Nur 73,3 Prozent aller Ford Escort zeigen bei der ersten HU keine beanstandenswerten Mängel, der Durchschnitt liegt bei 76,3. Die Achsen sind in allen Baujahren anfällig, ebenso monieren wir in allen Jahrgängen oft das Lenkungsspiel. Solide ist die Auspuffanlage, hier kommt es erst nach sieben Jahren zu vermehrter Kritik. Die jungen Fahrzeuge haben noch keine Rost-Sorgen, mit den Jahren häufen sich aber auch hier die Beanstandungen." Klaus Lesczynski, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Ford Escort 1.4 (55 kW/75 PS)

Steuer/Schadstoffklasse 86 Euro im Jahr/Euro 2 • Testverbrauch Werksangabe 8,7 Liter, gemessen 7,9 Liter (Super) • Versicherung Vollkasko (14/500 Euro SB): 560 Euro. Teilkasko (20/150 Euro SB): 110 Euro. Haftpflicht (18): 948 Euro (ONTOS-Jahrestarife, Regionalklasse Berlin, 100 Prozent, 20.000 km) • Inspektion/Kosten 15.000 Kilometer, etwa 150 bis 250 Euro • Wertverlust Vierjährige verlieren rund 63 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 500 Euro Verlust

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