Ford Fiesta (1996-2002)

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Ford Fiesta (1996-2001)

— 02.09.2004

Ein Ford mit vielen Fehlern

Mit dem Alter kommt die Reife, heißt es. Bei diesem Ford Fiesta warteten wir vergeblich.

Karosserie und Fahrwerk

Kleinwagen werden vor allem wegen ihrer niedrigen Unterhaltskosten gekauft. Beim Ford Fiesta, bei der von 1996 bis 2001 gebauten Generation, geht diese Rechnung jedoch nur selten auf. Denn TÜV-Prüfer sehen oft Rot – wie unten auf dem Diagramm –, wenn ein Fiesta obengenannter Jahrgänge zur Hauptuntersuchung rollt. Häufig sogar Rostrot. Denn 1,2 Prozent der Siebenjährigen wird wegen Korrosion an tragenden Teilen der Karosserie die Plakette verweigert.

Hört sich wenig an, liegt aber um das Dreifache über dem Durchschnitt aller vom TÜV geprüften Autos. Die Rostvorsorge darf also als nicht ganz zeitgemäß bezeichnet werden. Deutlich über dem Durchschnitt – rund um das Doppelte – liegen auch die Beanstandungen der Bremsanlage. Mangelnde Wirkung der Fußbremse an Vorder- und Hinterachse, dazu eine schlecht oder einseitig greifende Handbremse fallen beim TÜV auf und durch. Wobei aber auch gesagt werden muß, daß eine intakte Bremse dem Fiesta Bestwerte beim Bremsweg sichert.

Wie auch die straffe Fahrwerkabstimmung von der sportlichen, spaßigen Sorte ist. Das direkte und präzise Fahrverhalten leidet allerdings, wenn eines oder beide Traggelenke an den Querlenkern der vorderen Radaufhängung ausgeschlagen sind. Was sich durch Poltern auf kurzen Unebenheiten bemerkbar macht. Gleiches bewirken ebenfalls lockere Stabilisatorbuchsen, die sich allerdings einfacher auswechseln lassen.

Motor und Technik

Nicht mehr so häufig gewechselt werden muß hingegen die Auspuffanlage: Nach massivem Rostbefall beim Baujahr 96 hat Ford die Abgasentsorgung mit einem Innenleben aus rostfreiem Stahl bestückt, streckte so die Lebensdauer auf mindestens drei Jahre.

Einige Motoren hielten nicht so lange: Vor allem die antiken 1,3-Liter machten mit Schäden von sich reden. Die Ursache war banal: Der Öleinfülldeckel schließt bei diesen Triebwerken wie der Plastikkorken einer Sektflasche – nur ohne Drahtbügel. Einmal ausgeleiert, läßt schon leichter Überdruck im Motor ihn aus seinem Sitz im Ventildeckel ploppen. Folge: Motoröl wird herausgeschleudert, der Ölstand sinkt, irgendwann bricht der Öldruck zusammen.

Wenn die rote Lampe im Armaturenbrett aufleuchtet, ist es meistens schon zu spät, der Motor irreparabel beschädigt. Doch nicht nur aus diesem Grund raten wir eher zum moderneren 1,25-Liter mit 75 PS, dessen Öldeckel mit einem zuverlässigen Bajonettverschluß arbeitet. Seine Wartungskosten liegen niedriger, schon weil die Ventile nur alle 150.000 Kilometer eingestellt werden müssen. Und der Verbrauch fällt kaum höher aus als bei den schwächeren Versionen, die Fahrleistungen dagegen schon. Nachteil des 1,25-Liters, der zur Ford-Zetec-Familie gehört: Der Anlasser geht ab und zu mal kaputt.

Keine Rolle spielen hingegen Dieselmotoren im Fiesta. Der aus dem Vorgänger mitgeschleppte 1,8-Liter entfacht nur milde 60 PS, und auch der später angebotene Direkteinspritzer bingt es nur auf 75 Pferde – zuwenig, um die teure Kfz-Steuer rechtfertigen zu können.

Außerdem stört Dauerärger mit reißenden Keilriemen den Umgang mit den Dieseln so, daß unterm Strich ein Benziner die bessere Wahl ist. Wobei auch hier die möglichen Folgekosten im Auge zu behalten wären. So ist eine Servolenkung zwar angenehm, wird allerdings öfter mal undicht. Eine neue kostet, fertig eingebaut mit Vermessung, rund 900 Euro – mancher wird dafür lieber kurbeln.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 5/76 Modellstart 6/83 Facelift 3/89 neues Modell (Typ GFJ) 12/92 Facelift 1/94 Fahrerairbag serienmäßig 9/95 Vorstellung des überarbeiteten Fiesta auf der IAA. Motoren von 50 bis 90 PS, ein 60-PS-Diesel. Fahrerairbag serienmäßig 7/97 Beifahrerairbag serienmäßig 8/99 Modellpflege, ABS Serie 4/02 neues Modell

Schwachstellen • die Bremsanlage ist die Achillesferse des Fiesta, der TÜV moniert die Wirkung der Vorder- und Hinterachse sowie der Handbremse in allen Baujahren. Hinzu kommt hoher Verschleiß an Bremsscheiben und -belägen sowie oftmals Korrosion an den Leitungen • die Keilriemen reißen in erster Linie bei den Dieselmodellen, aber auch von den Benzinern sind etliche Schäden bekanntgeworden • Gefahr der Motorüberhitzung. Motorschäden betreffen vor allem das erste Baujahr 1996, auch verschlissene Nockenwellen fallen in diesen Zeitraum • Rückrufe betrafen Kupplungsgeberzylinder (1996), Bremsschläuche (1996 und 1998), Traggelenke (1996) und Hauptbremszylinder (1998)

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Ford Fiesta Flair 1.25, 55 kW/75 PS, Baujahr 1998. Teuer sind die häufig benötigten Bremsklötze und die Kotflügel – sie sind geschweißt, für ihren Austausch kalkuliert die Werkstatt bis zu 3,1 Stunden.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Die Fiesta der Baujahre 1996 bis 2001 geben Anlaß zu Beanstandungen. Die Wirkung der Fuß- und Handbremse wird annähernd doppelt so oft wie beim Durchschnitt moniert, dazu kommt gelegentlich Korrosion an den Bremsleitungen. Rost spielt auch an der Karosserie eine Rolle, jeder achtzigste der siebenjährigen Fiesta hat damit bei der Hauptuntersuchung Probleme. Weiteres Dauerärgernis: Spiel in den Traggelenken der vorderen Querlenker." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland Group

Modellempfehlung Ford Fiesta 1.25 (55 kW/75 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 87 Euro im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: 8,8 Liter. Werksangabe: 7,1 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (504 Euro SB): 645 Euro. Teilkasko (19/151 Euro SB): 109 Euro. Haftpflicht (15): 856 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 200 bis 350 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 47 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 700 Euro Verlust.

Das Ford Fiesta-Dossier enthält viele Versionen, Ausstattungen, Motoren und alle Erfahrungen und Testergebnisse, die wir mit der Kölner Kleinwagenklasse in den vergangenen Jahren gesammelt haben. Jetzt als PDF downloaden.


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