Ford Fiesta II (1989-2002)

Gebrauchtwagen Ford Fiesta (1989-2002) Gebrauchtwagen Ford Fiesta (1989-2002)

Ford Fiesta II (1989-2002)

— 25.02.2002

Heute schon gebremst?

Nicht nur Probleme mit den Bremsen trüben seine TÜV-Bilanz. Auch sonst lässt der Fiesta trotz langer Bauzeit Reife vermissen.

Motor und Antrieb

Ab und zu liest man Geschichten über Klassiker, die auch heute noch neu verkauft werden. Da ist dann vom VW Käfer die Rede, vom Land Rover und bis neulich vom Mini. Der Fiesta wird dort regelmäßig vergessen. Dabei ist er schon seit 1976 nahezu unverändert am Markt, hat nur 89 eine etwas größere Überarbeitung erfahren. Auch das 95 auf der IAA präsentierte umfangreiche Facelift berührte nicht die grundsätzliche Konstruktion. Noch älter ist die Technik: Die beiden 1,3-Liter mit 50 und 60 PS basieren gar auf dem legendären Kent-Motor der sechziger Jahre, haben allerdings inzwischen die heute bei Vierzylindern üblichen fünf Kurbelwellenlager erhalten.

Normalerweise profitiert von so langer Bauzeit die Reife. Der Fiesta jedoch tritt den Gegenbeweis an: Die hier getestete Version ist im TÜV-Diagramm als Dreijähriger vertreten und schneidet kaum besser ab als das mindestens fünf Jahre alte Vormodell, die Quote der Bremsleitungen und -schläuche ist gar schlechter. Und nun im Ernst: Wer möchte schon bei der ersten Hauptuntersuchung wegen defekter Bremsleitungen durchfallen, geschweige denn vorher verunglücken? Da muss Ford mehr tun als nur den Werbeslogan wechseln "Wir tun was" – weil sie damit dauernd veräppelt werden.

Veräppelt fühlen sich auch die Kunden, wenn der Öleinfülldeckel ähnlich wie ein Sektkorken funktioniert, auf der Autobahn prompt aus dem Ventildeckel poppt und den Schmierstoff unter der Motorhaube verteilt. Das passiert jedoch nur bei den alten 1,3-Litern. Die modernen Zetec-Motoren mit 1,25 und 1,4 Liter Hubraum besitzen einen Bajonett-Verschluss, der eigentlich nicht verloren geht. Trotzdem sind es gerade diese Aggregate, an denen gelegentlich mechanische Schäden auftreten. Unseren Dauertest jedoch bestand der 75-PS-Motor, allerdings störte der hohe Verbrauch, der auf der Autobahn bis über zehn Liter ansteigen konnte.

Karosserie und Technik

Bei der Dauertest-Zerlegung fielen Rostspuren am Blech auf. In beiden Längsträgern hatten Streusalzablagerungen Schnittkantenrost verursacht, und der Falz des Tanks war ringsum korrodiert. Auch unser roter Fotowagen rostet am Unterboden. Erst drei Jahre alt, quillt bereits Rost aus einem schlecht versiegelten Spalt zwischen Bodenblech und einer aufgesetzten Verstärkung. Ein Einzelfall? Nein, jeder 500ste Fiesta wird nach nur drei Jahren vom TÜV wegen Rost an tragenden Teilen beanstandet. Mehr als nur Rostpickelchen am Bodenblech.

Doch in erster Linie stürzen sich Überwachungsvereine auf die Bremsanlage des dreijährigen Fiesta. Die vollbringt das zweifelhafte Kunststück, in nahezu allen Einzeldisziplinen der Bremsenprüfung schlechter oder höchstens gleichauf mit dem fünfjährigen Vormodell abzuschneiden. Bemängelt werden vor allem unzureichende Wirkung an der Vorderachse und ungleiche Leistung an den beiden Trommeln der Hinterachse. Im Dauertest hatten wir damit keine Probleme: Unser Fiesta stand bei Kilometerstand 93.000 spurtreu nach nur 40 Metern aus Tempo 100 – ein guter Wert.

Aber vielleicht haben wir unsere Bremse auch nur besser auf Trab gehalten als die überwiegend weiblichen Besitzer (53 Prozent) des Fiesta. Denn zarter Tritt aufs Pedal poliert auf Dauer Scheiben und Beläge, im Ernstfall fehlt dann der Biss. Dabei verführt das Fahrwerk eher zu flotter Fahrt. Voraussetzung: die nur beim Diesel oder den besseren Ausstattungen serienmäßige Servolenkung. Damit lässt sich der Fiesta erstaunlich präzise um die Kurven werfen – solange die vorderen Traggelenke spielfrei sind.

Deren Verschleiß wird als Klopfen hörbar, das bei dem sonst sanft und leise rollenden Fiesta sofort auffällt und den Komfort stark beeinträchtigt. Der fällt für die Klasse insgesamt sehr beachtlich aus, wenigstens hier zeigt die lange Bauzeit Wirkung. Die Federung hat lediglich mit ganz kurzen Unebenheiten Probleme, schluckt den Rest souverän und wird dabei unterstützt von bequemen Sitzen. An denen stört jedoch der wenig atmungsaktive Bezug, der bei warmer Witterung zu Hitzestaus an der Körperunterseite führt. Vielleicht vertraut Ford hier zu sehr auf die Liquidität der Käufer und nimmt an, dass jeder eine Klimaanlage kauft. Doch Fiesta-Käufer müssen sparen und gönnen sich höchstens ein Schiebedach, schließlich benötigen sie noch Rücklagen für die Reparaturen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 5/76 Modellstart 6/83 Facelift 3/89 neues Modell 12/92 Facelift 9/95 Vorstellung des überarbeiteten Fiesta auf der IAA. Motoren von 50 bis 90 PS, ein 60-PS-Diesel. Fahrerairbag serienmäßig 7/97 Beifahrerairbag serienmäßig 8/99 Facelift 4/02 neues Modell

Schwachstellen • Auspuffanlage ist das Teil, das der TÜV schon an dreijährigen Fiesta dreimal so häufig wie am Durchschnitt beanstandet • Keilriemen können eine Kettenreaktion auslösen: Solange sie rutschen, wird nur die Batterie schlecht geladen. Bei einem Riss aber bleibt die Wasserpumpe stehen, der Motor überhitzt sofort • Wegfahrsperre erkennt nicht immer den rechtmäßigen Besitzer, verweigert ihm das Starten • Motorschäden aufgrund mechanischer Probleme sind zwar selten, aber in einigen Fällen vom ADAC registriert worden • Gummiteile erfreuen sich bei Mardern großer Beliebtheit

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Ford Fiesta Flair 1.25, 55 kW/75 PS, Baujahr 96. Abgesehen von den teuren Bremsklötzen gibt es wenig zu beanstanden, nur der geschweißte und daher teuer zu ersetzende Kotflügel trübt den Eindruck.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Fiesta ist keineswegs so ausgereift, wie man es in Anbetracht seines Alters erwarten könnte. So werden mehr als fünf Prozent aller Dreijährigen wegen Schäden am Auspuff beanstandet, und an der gesamten Bremsanlage findet sich nicht ein Bauteil, das besser als der Durchschnitt abschneidet. Bedenklich: Rost spielt im Allgemeinen bei allen ersten Hauptuntersuchung keine Rolle, doch vom Fiesta wird jeder 500ste deshalb beanstandet." Gunnar Dahm, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Ford Fiesta Flair 1.25 (55 kW/75 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 130 Mark im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: Werksangabe 7,1 Liter, gemessen 8,7 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (16/1000 Mark SB): 1584 Mark. Teilkasko (16/300 Mark SB): 184 Mark. Haftpflicht (14): 1370 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 250 bis 500 Mark Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 50 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1200 Mark Verlust

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