Ford Focus 2.0 16V von Javi Aznar

Ford Focus 2.0 16V von Javi Aznar Ford Focus 2.0 16V von Javi Aznar

Ford Focus 2.0 16V von Javi Aznar

— 30.08.2004

Fata Morgana

Sommer, Strand und Sonnenschein – das zieht euch diesen Wagen rein. In der Gluthitze eines spanischen Mittags rätseln wir: Was ist das für ein Auto?

Es war einmal ein Focus

Spanien hat mehr zu bieten als gelbe Plastikeimer voller Sangria, aus denen Dutzende Strohhalme ragen. Auch Berge betrunkener, Sonnenbrandblasen werfender Leiber an den Stränden von Arenal oder Lloret sind lediglich eine Randerscheinung. Wenn ihr diese Hotspots meidet oder euch zwischen den ganzen rothäutigen Engländern erhebt, um euren Rausch im Hotel auszukurieren, dann könnte es durchaus sein, dass ihr mehr vom Land seht. Schöne Frauen zum Beispiel – oder extrem coole Autos.

Javi Aznar hat in der spanischen Tuningfraktion ein gewichtiges Wort mitzureden. Sein Wagen flimmert im Spezial-Purpur/Subaru-Cremeweiß-Mix in der Mittagshitze. Im ersten Moment ging es uns wie allen – wir hatten keine Ahnung, was dieser Bolide eigentlich ist. Bis wir erfahren: Das ist (oder war) ein Ford Focus. Also auf zum Fototermin.

Das Shooting findet zu unüblicher Zeit statt. 12.30 Uhr! No hay siesta – Mittagsschlaf fällt aus. Der Fotograf liegt auf der Straße und schwitzt. Über dem Asphalt ist es heiß. So heiß, dass die Luft flimmert. Es verwischen die Konturen, der Wagen scheint zu zerfließen. Nur das silberne Gleißen zweier riesiger Felgen ist klar auszumachen. Zwanzig Zoll messen die Diabolo Racing, 8,5 Zoll in der Breite.

Das Auto wirkt nicht bei dem Licht, meint Javi. Recht hat er! Die extreme Sonne und der aufkommende Durst lassen uns umdisponieren. Wir verlegen die Aufnahmen auf später. Also doch Siesta? Nein, Javi – hiergeblieben! Wir quetschen den Schrauber im Schatten einer kleinen Bar aus. Wir wollen Fakten hören. Die Karosseriearbeiten machen den Löwenanteil an diesem Projekt aus. Leistungsmäßig gab es nichts Neues. Der Motor, ein 2,0-Liter-16V, wird jetzt mit einem K&N-Filter belüftet – das war’s.

Stilmix von zahlreichen Bauteilen

Aber sonst: voller Einsatz: Der Seat Leon Cupra R spendierte den vorderen Stoßfänger. Natürlich musste das Teil umgearbeitet werden. Wäre ja auch zu schön gewesen. Doch so etwas kann Señor Aznar nicht schrecken. Die Nebelscheinwerfer wurde der Cupra R zur Strafe auch noch los. Die nützen ihm ohne Schürze sowieso nichts. Der Grill in der Haube des spanischen Focus, der keiner mehr ist, stammt vom Citroën Saxo. Links und rechts vom Saxo-Maul eine Premiere. Die Leuchten eines Nissan Primera in einer Focus-Front! Der 24-Jährige war sicher selbst überrascht, wie gut seine Idee am Ende aussah.

Die üppigen Radhäuser sind Eigenbau. Ein Airride-Fahrwerk sorgt dafür, dass die 20-Zoller sie gut ausfüllen. Saulinox heißt die Firma, die das Fahrwerk produziert. Javi kontrolliert die Fahrzeughöhe übrigens mittels Playstation2-Controller! Die Seitenschweller entwarf Javi selbst.

Am frühen Nachmittag tut uns die Sonne einen Gefallen und verzieht sich hinter ein paar Wolken. Auf zum Fotografieren. Wir reden vor Ort weiter. Der Heckspoiler, sagt Javi, stammt vom WRC. Etwas umgearbeitet, wie alles am Heck. Wir sind tolerant. Es ist okay, wenn jemand das Focus-Serienheck hässlich findet. Das ist Geschmacksache. Vielleicht sagt den Betreffenden die Aznar-Ausführung ja eher zu? Ford-Design findet sich hier nämlich gar nicht mehr. Die Lexus-Sportcross-Heckleuchten allein wären schon spektakulär genug.

Der Innenraum ist in Creme geledert

Der Einbau einer Honda-Style-Heckklappe schlägt jedoch alles. Das Teil ist zweiteilig und steht dem Ford mindestens genauso gut wie dem Ideen-Spender, einem Civic EG. Angenehmer Nebeneffekt: Die Heckscheibe verkleinert sich dadurch auf ein nettes Maß. Zum Rausschauen reicht das allemal. Und zum Reinschauen auch. Doch vorher sollte Javi den Motor zum Schweigen bringen, denn die umgebauten und seitlich ableitenden Neutron-Endtöpfe röhren trotz Serienleistung höllisch.

Im Innenraum des Focus gibt es mindestens genauso viel zu sehen wie außen – ehrlich. Im Heck entdeckt der neugierige Kofferraum-Spanner die Pressluftflasche fürs Airride und zwei üppige 30er-Subwoofer, eine Audio-System-Endstufe und eine von Hertz. Lecker! In den Seitenteilen brodeln zwei US-Blasters-Lautsprecher. Die sind mit 200 Watt belastbar, die Subwoofer mit 320.

Der Focus ist kein Zweisitzer. Würden wir ihn fahren, dann wäre er das sicher. Nicht zuletzt deshalb, weil wir keine Kohle für die beiden hinteren Momo-Hocker hätten. Sie – wie den gesamten Innenraum – in Creme zu ledern, würde unser Budget komplett sprengen, uns zu jahrzehntelanger Knäckebrot-und-Wasser-aus-dem Hahn-Ernährung verdammen. Fahrer und Beifahrer sitzen im spanischen Mega-Focus in ebenfalls frisch bezogenen Sparco-Schalen. Die Gurte sind farblich abgestimmt. Ein besonderer Clou ist das Braid-Virtual-Design-Lenkrad, das sich an dem Design der Felgen orientiert.

Technische Daten und Tuning-Facts

Die Sonne wagt sich wieder hinter den Wolken hervor. Es ist heiß, und wir schwitzen. Auf eine Probefahrt verzichten wir. Zu feucht sind unsere Hände (wir fassen mit den Pfoten sicher keinen cremefarbenen Gurt an), und unsere Shorts sind sicher nicht mehr farbecht. Das ist der Nachteil an Spanien. Manchmal ist’s einfach zu heiß. Wie die Autos der Szene!

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