Ford Focus: Erste Mitfahrt nach dem Facelift

Ford Focus Facelift Cockpit Ford Focus Facelift Heckansicht

Ford Focus: Erste Mitfahrt nach dem Facelift

— 13.06.2014

Mitfahrt im Facelift-Focus

Der Ford Focus soll sich fahrdynamisch, qualitativ und preislich mit dem Golf messen können. Schafft er das? Erste Eindrücke vom Beifahrersitz aus.

Die Silhouhette ist dieselbe - es wurde ja auch nur die Frontschürze wirklich verändert.

"Natürlich haben wir uns den VW Golf sehr genau angeschaut." Wenn es um den Maßstab in der Kompaktklasse geht, wissen auch die Ford-Entwickler, wer im noch immer wichtigsten Segment in Europa den Ton angibt. "Doch in vielen Disziplinen sind wir nicht nur gleich gut, sondern sogar besser", sagt Ingenieur Stephan Presser aus dem Projektteam des Focus. Das war schon vor vier Jahren so, als Ford die dritte Generation des Golf-Gegners an den Start gebracht hat. Und das wird auch im Herbst so sein, wenn die Kölner die überarbeitete Fassung in den Handel bringen – sagen zumindest Männer wie Presser. Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Zum einen, weil nicht der VW Golf und auch nicht der Toyota Corolla, sondern eben der Ford Focus (laut einer Studie von Polk Consulting) das meistverkaufte Einzelmodell der Welt ist und mit der Produktion auf drei Kontinenten auf einen Jahresabsatz von knapp 1,2 Millionen Autos kommt. Und zum anderen, weil Ford noch nie bei einer Modellpflege so gründlich zu Werke gegangen ist. "Vom Blech haben wir zwar die Finger gelassen. Aber die Motoren sind neu oder zumindest stark überarbeitet, es gibt neue Getriebe, neue Assistenzsysteme und ein neues Cockpit", sagt Entwicklungschef Joe Bakaj. "Andere Hersteller würden da von einem nagelneuen Auto sprechen."

Abrüstung im "Krieg der Knöpfe"

Schluss mit dem "Krieg der Knöpfe": Hier regiert die Software SYNC2, die das Auto mit dem Smartphone vernetzt und auch per Sprachsteuerung funktioniert.

Der Focus für die zweite Halbzeit ist von vorn bereits auf den ersten Blick zu erkennen. Zwar haben die Designer lediglich die Frontschürze ausgetauscht, doch bekommt der Golf-Gegner damit ein ganz anderes Gesicht. Die Längsstreben verschwinden und machen Platz für einen Kühlergrill, der gut zu Fiesta & Co passt, aber nicht mehr ganz so sehr an Aston Martin erinnert. Dazu gibt es neue Rückleuchten und stärkere Linien am Heck. Doch wer dem Focus hinterher fährt, der tut sich mit der Unterscheidung zwischen alt und neu schon deutlich schwerer. Am größten sind die Unterschiede ohnehin im Innenraum. Dort reagiert Ford endlich auf die harsche Kritik an der Mittelkonsole und macht Schluss mit dem Krieg der Knöpfe. Der leidige Drehregler und das riesige Tastenfeld verschwinden und machen Platz für einen großen Touchscreen, neben dem es nur noch eine Handvoll Knöpfe braucht: Weniger ist mehr, lautet da das Motto. Möglich wird diese Abrüstung durch das neue Sync-System mit erweiterter Sprachsteuerung. Statt mühsam nach Sonderzielen zu suchen, folgt der Focus deshalb jetzt aufs Wort. Man muss deshalb zum Beispiel nur noch "Ich habe Hunger" sagen, schon erscheint eine Liste der nächstgelegenen Restaurants und zwei Fingertipps weiter auch der Guide Michelin.

Weniger ist mehr

Obwohl es weniger Knöpfe und dafür wieder mehr Ablagen gibt, bietet der Focus natürlich nicht weniger Funktionen. Im Gegenteil: Zur Modellpflege wird an der Front der Fahrhelfer und Infotainment-Möglichkeiten sogar noch einmal kräftig aufgerüstet. So kann der Focus künftig nicht nur automatisch ein- sondern auch wieder ausparken. Er überwacht den Verkehrsraum hinter dem Fahrzeug, rangiert auch quer zur Fahrbahn, bremst im Notfall automatisch und bietet als erster Kompakter ein intelligentes Lichtsystem, das seinen Leuchtkegel dem Streckenverlauf anpasst. Andere Extras wie eine Fußgängererkennung, eine Abstandsregelung mit Staufunktion oder die angesagten LED-Scheinwerfer können die Kölner aber noch nicht bieten.

Unter der Haube: der neu entwickelte 1,5-Liter-EcoBoost-Vierzylinder mit 150 oder 180 PS.

Auch beim Antrieb war die Devise "Weniger ist mehr" das Leitmotiv – weniger Hubraum, weniger Verbrauch, aber mehr Leistung und mehr Fahrspaß, lautet das Versprechen, das vor allem neue Turbo-Motoren einlösen sollen. So gibt im Focus ein neu entwickelter EcoBoost-Vierzylinder-Benziner seinen Einstand, der aus nur noch 1,5 Litern Hubraum 150 oder 180 PS holt. Auch der wichtigste Diesel hat künftig nur noch 1,5 Liter Hubraum und wird in den Leistungsstufen 95, 105 oder 120 PS angeboten. Vom Vorgänger übernommen werden nur der Dreizylinder-Benziner mit 100 oder 125 PS und der Zweiliter-Diesel mit 150 PS, der jetzt aber 14 Prozent weniger verbraucht. Dazu gibt es neue Automatik- und Doppelkupplungsgetriebe, mit denen schaltfaule Fahrer im besten Fall knapp 20 Prozent Sprit sparen können.

Ab September darf man selber fahren

Von hinten ist das Facelift kaum vom älteren Focus - oder vom Fiesta - zu unterscheiden.

Der ganze Stolz von Entwicklungschef Bakaj ist aber das weiter gereifte Fahrverhalten des Focus. Schon bislang unbestritten eines der agilsten Autos in seiner Klasse und viel lebendiger als der Golf, legt der Focus da noch einmal nach. Er soll noch schärfer, schneller und sportlicher reagieren, verspricht der oberste Techniker und könnte stundenlang über die steifere Anbindung, neue Dämpfer und eine überarbeitete Lenkung erzählen. Oder er könnte endlich den Platz hinter dem Lenkrad seines Prototypen freimachen. "Aber selbst fahren dürfen sie leider erst im September", wimmelt er die neugierige Bitte ab. Was man allerdings schon vom Beifahrersitz aus merkt, ist dass der Focus nicht nur knackiger, sondern auch kultivierter geworden ist: Mehr Dämmstoffe, die neuen Motoren und die besseren Getriebe senken das Geräuschniveau und machen den Kölner zu einem der leisesten Autos in seiner Klasse. "Auch das ist ein Punkt, in dem wir dem Golf voraus sind", sagt einer der Entwickler stolz.

Mehr Charakter als der Golf?

Golf, Golf, Golf – wenn man Cheftechniker Bakaj zu oft auf den Klassenprimus aus Wolfsburg anspricht, reagiert er fast ein bisschen genervt. Denn natürlich hält auch er den Focus für das bessere Auto. "Der Golf hat sicher zurecht seinen großen Kundenstamm", gibt er sich noch diplomatisch. "Doch wer ein Auto mit Flair, mit etwas mehr Charakter und mehr Spaß sucht, der fährt mit dem Focus besser", stichelt er hinterher. Hier die Lust und da die Langeweile, könnte man seinen Argumentation zusammenfassen. Doch bei allem Selbstbewusstsein werden die Kölner spätestens an einem Punkt ziemlich kleinlaut: Bei den Preisen. Selbst wenn sie die exakten Tarife ohnehin erst im Herbst verraten wollen: "Ganz egal, wie viel wir in den Focus hinein gesteckt haben und was für ein gutes Auto das geworden ist: In dieser Klasse ist die Luft so dünn und die Konkurrenz so hart, dass wir uns wohl keine großen Preissprünge erlauben können", lässt Bakaj durchblicken. Viel mehr als die aktuell 16.450 Euro wird deshalb auch der neue Focus kaum kosten. Was die Kunden sicherlich freuen dürfte.

Autor: Thomas Geiger

Stichworte:

Kompaktklasse

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