Ford Focus RS

Ford Focus RS Ford Focus RS

Ford Focus RS

— 27.08.2002

Schneller ankommen

Der Bestseller als Bodybuilder: Focus RS. Der quicklebendige Beleg dafür, dass Fords Slogan "Besser ankommen" getunt werden muss.

Sportmodell für Image- und Geldgewinn

"Den neuen Focus RS gibt es in jeder Farbe – solange sie 'Racing blue' ist", witzelt Ford-Sprecher Hartwig Petersen bei der Präsentation des potenten Neuankömmlings. Moment mal! Der Spruch ist nicht neu. Das hatten wir doch schon mal. Das abgewandelte Zitat stammt von keinem Geringeren als Firmengründer Henry Ford. Wir erinnern uns: "Sie können das Model T in jeder Farbe haben, solange es Schwarz ist", sagte der Patriarch 1908 über das erste Fließbandauto der Welt. Aber was hat der Griff in die Mottenkiste mit dem Focus RS zu tun? Nichts. Die Verantwortlichen in der Ford-Zentrale bemühen nur gerne die Firmen-Historie. Und in der entdecken sie vor allem Sportliches.

Nach Focus ST 170 und Mondeo ST 220 wird es jetzt richtig ernst. RS heißt der legendäre Suffix, den das sportlichste Ford-Modell am Heck trägt. Motto: Nicht nur besser, sondern schneller ankommen. Vorerst ist die RS-Ehre dem Focus vorbehalten. Doch Fords Europa-Chef und PS-Freak Martin Leach plant weitere RS-Varianten. Nicht nur der Tradition zuliebe, sondern: Sportmodelle versprechen neben Image- auch Geldgewinne.

Genug Geschichte(n). Theorie ist trocken. Der Focus RS das Gegenteil. Er sorgt für feuchte Hände, verdickt den Speichel, und ängstliche Beifahrer machen sich in schnell gefahrenen Kurven vielleicht sogar in die Hose. Doch für durchnässte Sparco-Schalensitze besteht kein Grund. Denn das Fahrwerk des RS ist narrensicher abgestimmt. Im Grenzbereich bleibt er überraschend neutral. Logisch: Als Fronttriebler ist er grundsätzlich untersteuernd ausgelegt. Doch zu spüren ist das kaum. Selbst bei extremer Kurvenfahrt bleibt er treu in der Spur. Kompliment nach Köln: Mehr Fahrdynamik lässt sich aus einem frontgetriebenen Auto kaum herausholen.

Der RS hat seine Gene im Rallyesport

ESP? Gibt’s nicht. Braucht er auch nicht. Hauptverantwortlich für die gelungene Balance zwischen Lenkverhalten und Vortrieb ist das automatische Sperrdifferenzial der Firma Quaife. Der britische Motorsportlieferant bestückt auch die Focus-Wettbewerbsautos von Colin McRae und Carlos Sainz. Eine gute Wahl. Die drehmomentabhängige Sperre verteilt die Kraft immer an das Rad, das den meisten Grip findet. Das passiert konstant, ruckfrei und ohne das andere Rad von der Kraftversorgung abzuschneiden.

Der Effekt verblüfft. Selbst in rutschigen Kehren krallt sich der RS an den Boden und bietet maximale Beschleunigung aus ihnen heraus. Sogar Allradler wie der Subaru Impreza WRX können das nicht viel besser. Dass der schnelle Focus seine Gene im Rallyesport hat, ist nicht nur spür-, sondern auch sichtbar. Besonders von vorn blickt der Zweitürer aggressiv auf die Straße. Unter dem Kennzeichen klafft markant eine riesige Lufteinlassöffnung für den Ölkühler im großen Bugspoiler. Wetten, dass dieses Anbauteil ein gefragter Nachrüstartikel in der Ford-Szene wird?

Ebenfalls Rallye-erprobt sind die Brembo-Bremsen sowie die 18-Zoll-Leichtmetallfelgen von OZ. Die 225/40-Sportreifen hat Ford extra von Michelin für den RS backen lassen. Aus dem Volumenmodell Focus wird so ein hoch agiles Auto, das den Vergleich mit echten Sportwagen nicht zu scheuen braucht. Gleiches gilt für den kraftvollen Vierzylinder. Er basiert auf dem Zweilitermotor des 130-PS-Basismodells, wird aber von einem Garrett-Turbolader aus Edelstahl mit maximal einem bar Ladedruck aufgepumpt. Damit steigt die Leistung um 65 Prozent auf 215 PS.

Technische Daten

Beim Drehmoment wächst der Maximalwert sogar um drei Viertel auf üppige 310 Newtonmeter. Das ist reichlich. Ab 2000/min packt der Motor bereits kraftvoll zu, um ab 3500/min aus dem Vollen zu schöpfen. Von Turboloch fast keine Spur. Zügig dreht der Vierventiler hoch. Bei 6000/min mahnt eine orange Warnlampe im Drehzahlmesser zum Gangwechsel. Der erfolgt über einen glänzenden Schaltknauf aus Alu. Auch Handbremshebel und die Pedalaufsätze sind aus dem technisch kühlen Werkstoff gefertig.

Er bringt ebenso Motorsport-Atmosphäre ins Interieur wie das Lenkrad. Eine blaue Markierung soll an das World Rallye Car erinnern. Sie zeigt dem Fahrer nach hektischen Manövern, wo oben ist, und damit, ob die Räder gerade stehen. Nur: Wer das nicht ohne diese Hilfe weiß, sitzt nicht im richtigen Auto. Oder fährt auf der falschen Straße.

Technische Daten Vierzylindermotor • vier Ventile pro Zylinder • zwei oben liegende Nockenwellen • Turbolader • Ladeluftkühler • Hubraum 1988 cm3 • Verdichtung 8,0:1 • max. Leistung 158 kW (215 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 310 Nm bei 3500/min • Fünfganggetriebe mit Sperrdifferenzial • Frontantrieb • vorn u. hinten Einzelradaufhängung • Brembo-Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • ABS • Reifen 225/40 ZR 18 • Tankinhalt 55 l • Bremsweg 37,0 m • Spitze 232 km/h • 0–100 km/h 6,7 s • Verbrauch (EU-Mix) 10,1 l S (Werksangaben) • Preis ca. 30 000 Euro

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