Ford Focus RS gegen Alfa 147 GTA

Ford Focus RS gegen Alfa 147 GTA Ford Focus RS gegen Alfa 147 GTA

Ford Focus RS gegen Alfa 147 GTA

— 07.04.2003

Volle Kraft voraus

465 PS in zwei kompakten Fronttrieblern. Fahren im Grenzbereich der braven Golf-Klasse. Macht nicht unbedingt Sinn, aber jede Menge Spaß. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte unseren Renn-Report.

Kompromisslose Hochleistungssportler

Wenn Sie schon einige Punkte in Flensburg haben, sollten Sie die nächsten Seiten mit Vorsicht genießen. Denn im Duell Ford Focus RS gegen Alfa 147 GTA steckt jede Menge Zündstoff – also pures Gift für den Führerschein. Dieses Duo packt jeden, der mit Autoquartetten aufwuchs und sich die Nase an Seitenscheiben platt gedrückt hat, nur um einen Blick auf den Tacho zu erhaschen.

Das fängt mit dem Design an, beim Alfa jedenfalls. Der 147 ist ja schon von Natur aus bildschön. Doch die GTA-Umbauten modellieren die Sinnlichkeit des Italo-Designs noch besser heraus. Verglichen mit dieser Raffinesse, bleibt der Focus RS eher brav, trotz Spoilerwerk. Die Folge: Anders als beim Alfa Romeo, bei dessen Auftauchen auch Größere stets die Fluchtdistanz wahren, begegnen Unwissende dem Ford respektlos.

Sie haben keine Ahnung, mit wem sie sich da anlegen. Denn Ford hat beim RS die erstklassigen Reflexe des Focus noch mal geschärft und aus ihm einen kompromisslosen Hochleistungssportler gezüchtet.

Rücksprache mit dem Orthopäden

Der Turbo quetscht aus dem Vierzylinder jetzt 215 PS. Der Zweiliter tritt so bissig an, als würde ihm Colin McRae persönlich die Sporen geben. Bis 3000 Touren atmet er noch mal durch, um dann richtig zuzubeißen. Und auch wenn uns ab etwa 5800 Touren ein orangefarbener Pfeil im Cockpit zum Hochschalten mahnt: Der Motor reißt bis etwa 6750 Touren an und dreht dann in den Begrenzer. Die eigentliche Überraschung aber ist, wie konsequent der Focus seine Kraft auf die Straße bringt – und das mit Frontantrieb. Ford hat hier aber ein Torsen-Sperrdifferenzial eingebaut, das die Kraft optimal zwischen den beiden Rädern verteilt.

Der RS liegt knochentrocken und ausbalanciert, die präzise Lenkung scheint die nächste Kurve im Voraus zu wittern. Er gefällt mit einem spielerisch leichten, grundehrlichen Handling. Ganz ohne ESP, dafür aber mit bissigen, standfesten Bremsen.

Einzige Kehrseite: Der RS erfordert Rücksprache mit dem Orthopäden – wegen der knüppelharten, stuckerigen Federung. Der Alfa dagegen federt durchaus anständig. Dazu kommt, dass seine dicken Ledersessel Stöße besser dämpfen als die dünnhäutigen Rennsport-Schalen im Focus.

Bärenstarker 3,2-Liter-V6 mit 250 PS

Anders als der entspannt liegende Ford fährt der Alfa aber aufgeregter, nervöser. Er hat mehr Mühe, seine Kraft auf die Straße zu bringen, untersteuert deutlicher und scharrt beim Anfahren und in engen Kehren gern heftig mit den Rädern.

Auch die sehr direkte, giftige Lenkung trägt nicht gerade zur Beruhigung bei, zumal der GTA jeder Spurrille hinterherläuft. Selbst das serienmäßige (nicht abschaltbare) ESP nimmt seine Sache italienisch locker. Es gestattet dem besonders beim Anbremsen schon mal vorwitzig zuckenden Heck ein reges Eigenleben, ehe es einschreitet – hier musst du mehr arbeiten, hast alle Hände voll zu tun, wenn du dem Ford folgen willst.

Spaß macht das vor allem wegen des Motors. Der bärenstarke 3,2-Liter-V6 mit seinen 250 PS lässt dem viel kleineren Turbo keinen Stich. Der V6 braucht eben keine Gedenksekunde und auch keine hohen Drehzahlen: Er strotzt einfach nur so vor Kraft, zieht sauber vom Leerlauf weg bis auf fast 7000 Touren. Dazu verwöhnt er mit Gänsehaut-Sound: dumpf grollend bei wenig Touren, böse bollernd bei mittleren und heiser röchelnd beim Ausdrehen. Nicht nur für Alfista ein Genuss. Der in Anbetracht der gebotenen Leistung zwar teuer, aber nicht unerschwinglich ist.

Preise und Ausstattungen

Wo sonst als bei Alfa gibt es für 30.800 Euro 250 PS? Und auch die 30.665 Euro für den Ford Focus RS sind gut angelegt. Die zu erwartenden Tickets aus Flensburg sollten Sie allerdings sicherheitshalber mit in die Kalkulation aufnehmen.

Fazit und Technische Daten

Fazit Ford Focus RS und Alfa 147 GTA mag man oder eben nicht. Wer nach Sinn und Zweck von 250 PS an der Vorderachse fragt, liegt hier sowieso falsch. Die Entscheidung zwischen den beiden endet für mich unentschieden. Hier der fast etwas unauffällige, grundehrliche, kompromisslose Turbo-Ford mit überragendem Handling, dort der extravagantere Alfa im Italo-Chic mit nicht ganz so souveränem Fahrwerk, aber einem betörenden, bärenstarken V6.

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