Ford Focus RS: Tuning-Vergleich — 18.03.2010

Im Focus der Tuner

Seit einem Jahr ist der Focus RS in aller Munde, begeistert mit atypisch agilem Handling. Vier Tuner sind sich sicher, dass dem Fünfzylinder und der Vorderachse noch weitaus mehr zugemutet werden darf.

Was fürchten Focus-RS-Fahrer wohl am meisten? Stets neugierige Gesetzeshüter? Oder erzürnt dreinblickende Nachbarn beim morgendlichen Kaltstart? Nein – Waschanlagen. Laut einem Schreiben von Ford an Händler und Kunden können stationäre Waschbetriebe, die den gewaltigen Heckspoiler während der Trockenphase nicht erkennen, zu Schäden an selbigem führen. So bleibt die Reinigung von Hand die sicherste Alternative. Optisch gibt es für die veredelnde Zunft also wenig Handlungsbedarf, beim Sprint hingegen schon. Schwächere Gegner wie Audi S3 oder Renault Mégane RS bieten dem Über-Focus jederzeit Paroli, ein BMW 135i zeigt dem 305 PS und 440 Newtonmeter aufbietenden RS locker die Rücklichter.

Übersicht: Alle News und Tests zum Ford Focus RS

HoGe will den Fünfzylinder des RS über die 400-PS-Hürde bringen.

HoGe will den Fünfzylinder des RS über die 400-PS-Hürde bringen.

Vier Tuner wollen diesen Missstand beseitigen. Ford-Experte Wolf Racing steigert die Leistung des Fünfzylinder-Turbos mittels angepasstem Kennfeld samt Ladedruckanhebung von maximal 1,4 auf 1,55 Bar, gegendruck-senkendem Auspuff ab Kat sowie durchflussoptimierten Einspritzdüsen auf 360 PS und 559 Newtonmeter. Ein voluminöserer Ladeluftkühler soll selbst bei extrem hohen Außentemperaturen Leistung und Standfestigkeit sichern. Der Auspuff genießt bereits den Segen des TÜV, ein Gutachten für das Chiptuning ist in Vorbereitung. Auch Loder1899 spezialisiert sich seit Langem auf Autos mit dem Pflaumenemblem. Der giftgrüne Vergleichsteilnehmer aus Odelzhausen verspricht durch optimierte Motorelektronik, Sportluftfilter, anderen Ladeluftkühler und Sportabgasanlage ab Krümmer 382 PS und 566 Newtonmeter.

Loder-Umbau nur durch Einzelabnahme legal

Aufgehübscht: Frontsplitter, Haubenlippe und -kiemen, Diffusor sowie ein Heckspoiler bei Wolf.

Aufgehübscht: Frontsplitter, Haubenlippe und -kiemen, Diffusor sowie ein Heckspoiler bei Wolf.

Die Eintragung des Loder-Umbaus ist leider nur per kostspieliger Einzelabnahme möglich. HoGe Tuning stellt sich zum ersten Mal einem Test. Die Mannschaft um Kfz-Meister und -Gutachter Holger Gentz aus Langenfeld bei Düsseldorf setzt auf die durchschlagende Wirkung von angepasster Software, 200-Zellen-Sportkat, Downpipe und Bastuck-Auspuff. Letzterer kommt mit ABE; Chiptuning und Sportkat erfordern hingegen wie bei Loder eine Einzelabnahme. Die höchste Leistung kündigt Software-Generalist McChip-DKR an. 401 PS und 612 Newtonmeter soll die nur für den Export gedachte Stufe 2 bei bis zu 1,65 Bar Ladedruck bringen. Optimierte Triebwerkselektronik, Ladeluftkühler mit dreifachem Volumen, verstärkte Schläuche, spezielle Zündkerzen, geändertes Ansaugrohr, Sportkatalysator sowie eine Milltek-Sportabgasanlage ab Turbolader mit Downpipe lauten die Eckdaten. Nach dem TÜV gefragt, antwortet McChip- DKR: "Geplant, aber noch nicht absehbar."

Bester Sound für den Mcchip

Den Anfang machen wir im Loder Focus RS. Anders als im Serienfahrzeug, wo man die bei getretener Kupplung maximal 3500 Touren gestattende Drehzahlregelung als Anfahrhilfe mit voll durchgetretenem Gaspedal missbrauchen kann, muss bei den Tuningexemplaren behutsam dosiert werden. Doch es sind nicht nur Traktionsprobleme, die dazu führen, dass Loder bis 100 km/h nicht am gemessenen Werkswagen mit Straßenreifen vorbeikommt. Oberhalb von 5000 Umdrehungen lässt die Kraft des bearbeiteten Fünfzylinders stark nach, gequält rennt er Richtung Drehzahlbegrenzer. Folgenschwer ­­– denn der zweite Gang reicht im Focus RS genau bis 100 km/h, Drehfreude und Leistung nahe dem roten Bereich können entscheidende Zehntel bringen. Bis 200 km/h ist die Sache dann allerdings klar. Während die getesteten Serienfahrzeuge 22 bis 23 Sekunden auf 200 km/h benötigen, erledigt die tiefkehlig bollernde und bei Lastwechseln lautstark ploppende Loder-Version den Sprint in 20,2 Sekunden.

Loder nimmt der Serie gut zwei Sekunden ab

Loder1899 spezialisiert sich seit Langem auf Autos mit dem Pflaumenemblem.

Loder1899 spezialisiert sich seit Langem auf Autos mit dem Pflaumenemblem.

HoGe geht als Nächster an den Start. Auch hier ist bis 100 km/h Gripmangel zu beklagen, den wohl nur Semislicks in Verbindung mit in Sommersonne gebadetem Asphalt lindern können. Dann kann sich der RS 400 aber zunehmend vom Loder absetzen, liegt bis 200 km/h um acht Zehntel vorn. In der Sound-Wertung liegt Mc-Chip unterdessen ganz klar vorn. Mit unüberhörbarem Bollern und Sprotzeln lässt die nicht zulässige Milltek-Anlage das Triebwerk unverblümt zu Wort kommen. Darüber hinaus stellt das Unternehmen aus Mechernich den am gierigsten drehenden Motor. So kann der Mc-Chip-Focus sowohl den Serien-RS als auch die Mitbewerber von HoGe und Loder trotz Rauchschwaden produzierender Vorderräder bis 100 km/h um vier Zehntel deklassieren. 200 km/h sind nach 18,9 Sekunden erreicht – eine halbe Sekunde vor HoGe.

McChip-DKR legt den RS tiefer und erhält dabei den Charakter der Serie

McChip kann sowohl den Serien-RS als auch die Mitbewerber bis 100 km/h um vier Zehntel deklassieren.

McChip kann sowohl den Serien-RS als auch die Mitbewerber bis 100 km/h um vier Zehntel deklassieren.

McChip-DKR legt als Einziger im Quartett den RS nur mit H&R-Federn um 30 bis 35 Millimeter tiefer – und erhält dabei den Charakter der Serie. Straff, aber wirkungsvoll schluckt die Federung Schläge, dazu lenkt der bespoilerte Hintern bei Lastwechseln beherzt mit. Allerdings provoziert die schlagartig einsetzende Leistung ausgangs der Kehren das massivste Untersteuern von allen. Genau hier schlägt die Stunde des Wolf, der die schnellste Runde des Tages fährt. Wo die übrigen drei unter Last über die Vorderräder nach außen rutschen, zieht sich der Neuensteiner Focus zielsicher Richtung Ideallinie, erlaubt späteres Bremsen und engere Kurvenradien. Grund: Wolf ersetzt die drehmomentfühlende Quaife-Sperre des Serienautos durch eine wesentlich effizienter arbeitende Drexler-Lamellensperre. Dass er seine Gegner trotz dieses Vorteils nicht mehr abhängen kann, liegt an der sehr neutralen Auslegung des im Alltag am besten federnden H&R-Gewindefahrwerks. Auch bei provozierten Lastwechseln bleibt das Heck ruhig, lenkt nicht eine Spur mit. Einen Vorteil hat das dennoch: Vor brenzligen Situationen brauchen sich Wolf-Fahrer nie zu fürchten.
Technische Daten Hoge Tuning Loder1899
Motor R5, Turbo
Einbaulage vorn quer
Hubraum 2522 cm3
kW (PS) bei 1/min 265 (360)/4800 281 (382)/5150
Nm bei 1/min 585/3150 /3500-4100
Antriebsart Vorderrad
Getriebe 6-Gang
Leistungsgewicht 4,1 kg/PS 4,0 kg/PS
Tankvolumen 62 l
Beschleunigung
0-100 km/h 6,2 s 6,2 s
0-200 km/h 19,4 s 20,2 s
0-402,32 m 14,21 s 14,31 s
Testverbrauch
Ø auf 100 km 11,5 l Super Plus 11,3 l Super Plus
Leergewicht 1481 kg 1520 kg
Höchstgeschwindigkeit 257 km/h 257 km/h
Preis Testwagen 41.869 Euro 45.297 Euro
Technische Daten McChip-DKR Wolf
Motor R5, Turbo
Einbaulage vorn quer
Hubraum 2522 cm3
kW (PS) bei 1/min 295 (401)/4776 265 (360)/5960
Nm bei 1/min 612/4118 559/3150
Antriebsart Vorderrad
Getriebe 6-Gang
Leistungsgewicht 3,7 kg/PS 4,1 kg/PS
Tankvolumen 62 l
Beschleunigung
0-100 km/h 5,8 s 5,6 s
0-200 km/h 18,9 s 18,3 s
0-402,32 m 14,05 s 13,87 s
Testverbrauch
Ø auf 100 km 12,0 l Super Plus 11,3 l Super Plus
Leergewicht 1483 kg 1484 kg
Höchstgeschwindigkeit 258 km/h 257 km/h
Preis Testwagen 40.498 Euro 46.104 Euro
Frank Wiesmann

Frank Wiesmann

Fazit

Wolf: Harmonischste Abstimmung von Motor und Fahrwerk, beste Beschleunigung, schnellste Rundenzeit und die hervorragende Wirkung der Drexler-Sperre verhelfen dem Focus RS von Wolf Racing aufs Siegertreppchen. HoGe/McChip: Zweimal Platz zwei. HoGe hat dem McChip den etwas besseren Durchzug und eine wesentlich feinfühligere Gasannahme voraus. Dafür sprintet der McChip minimal zügiger, umrundet die Rennstrecke einen Tick schneller und macht dabei mit seinem freudiger mitlenkenden Heck mehr Spaß. Zudem bringt er mit seinem Rallye-inspirierten Soundtrack das Fahrerherz zum Schmelzen ­– kann aber anders als HoGe kein Auspuff-Gutachten vorweisen. Beide Fahrwerkslösungen bieten Restkomfort. Loder: Auf der Rennstrecke eine Bank, für den Alltag zu extrem: Das harte Fahrwerk, schleifende Räder und die ruckelige Kraftentfaltung werfen den Loder zusammen mit den schlechtesten Fahrleistungen zurück.

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Kommentare zum Artikel (18)

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x4hotte
16.03.2012, 22:58Uhr

weiß nicht über was ihr hier labert?!! die meisten, die darüber meinen etwas sagen zu müssen, haben noch nie in einem rs gesessen, geschweige denn ihn jemals bewegt!! und ob nun 5,9 oder 6,2 sec auf 100: ist total egal!! dieses auto polarisiert, macht an, und die leute applaudieren, wenn sie den rs sehen!! das ist was zählt!! im übrigen: fahr auch noch ne BLADE: ist in ca. 7,8 sec auf "200"!!!!!!

Mumun
23.09.2011, 22:55Uhr

@Soner
In wiefern inkompetent und schwach? Deine Aussage ist zuwenig präzise.
Sorry Guy!

sunnetalboy
27.05.2010, 23:19Uhr

die sollten lieber was mit dem getriebe machen damit die Karre schneller als 263km/h

Soner
24.03.2010, 10:10Uhr

Das einem Unternehmen wie AUTO BILD so viele Fehler unterlaufen zeigt mir das die Schreiber NULL Ahnung haben von dem was sie schreiben und das diejenigen die dies Korriegieren sollen auch kein Plan von der Materie haben. Man braucht Fachmänner die sich mit allem auskennen wenn man eine Fachzeitschrift raus bringt. Es ist traurig zu sagen das ich keine Auto Bild mehr kaufen werde. Die Recherchen sind labrig, unkompetent und schwach.

Viel GLÜCK Auto Bild.

CoyoteDuster
21.03.2010, 13:06Uhr

In Nardo erreichte der Serien RS seine V-max von 263 Km/h.
Im Heft der "AutoBILD Sportcars" steht jedoch ganz fett geschrieben, dass bei 6100 U/min abgereglt wird - dies entspricht eben die 257 bzw. 258 Km/h.
Hier ist davon leider nichts zu lesen.... Seltsam!

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