Ford Focus Stufenheck: Fahrbericht

Ford Focus Viertürer Ford Focus Viertürer

Ford Focus Viertürer: Fahrbericht

— 06.04.2011

Focus mit Anhang

Der Ford Focus Viertürer fristet in Deutschland ein tristes Dasein. Kaum einer kauft ihn, obwohl er hinten richtig was einlädt. Das neue Stufenheck soll das ändern. Ein erster Fahrbericht.

Die Russen lieben Stufenheck-Limos. Oder die Amis. Auch in Südamerika sind die Karossen mit Anhang gern gesehen. Und Deutschland? Hier gilt die Stufe als Erkennungszeichen purer Spießigkeit. Jetzt setzt Ford ab 21. Mai 2011 zu einem neuen Versuch an, den Focus als Viertürer an den Mann zu bringen. Grundsätzlich teilt er sich die Front und die Technik mit dem Fließheck, hat aber nicht dessen frechen Abgang. Weil Ford hier in Sachen Technik richtig was verpackt hat, ist der Kompakte aus Saarlouis durchaus eine Alternative zu Jetta und Co. Wer Platz nimmt im Focus, fühlt sich regelrecht umschlossen vom mächtigen und dem Fahrer zugewandten Cockpit. Der voll gepackte Mittelteil des Armaturenträgers geriet so breit, dass gefühlt eine gewisse Enge herrscht.

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Das Heck fällt deutlich flotter aus als beim Vorgänger, deshalb glaubt Ford, mehr Viertürer verkaufen zu können.

Hinten sind die Platzverhältnisse ordentlich, obwohl ein Jetta mehr Platz hat. Nicht zuletzt, weil der Ford mit 4,53 Metern Länge elf Zentimeter kürzer ausfällt als der VW. Die große Stunde des 4-Türers schlägt beim Gepäck: 475 Liter passen ins verlängerte Heck, auch wenn die Ladekante zu hoch geriet und die Bügel der Kofferraumklappe zu groß sind. Im Vergleich zum doch sehr mutlos gezeichneten Vorgänger ist das neue Stufenheck deutlich hübscher – nicht zuletzt deshalb verspricht sich Ford einen Marktanteil von bis zu zehn Prozent innerhalb der Baureihe. Vier Benziner von 105 bis 182 PS und vier Diesel von 95 bis 163 PS stehen in der Preisliste. Die beiden stärksten Benziner durften wir fahren – und waren verwundert, dass der Unterschied zwischen 150 und 182 Pferdchen so groß ist. Während der schwächere Benziner bei niedrigen Drehzahlen schlecht aus den Quark kommt und den Fahrer zum Rühren in der wunderbar leichtgängigen Sechsgang-Box zwingt, macht das der aktuelle Top-Motor mit (eine 250 PS ST-Version ist geplant) 182 PS deutlich souveräner.

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Das Cockit ist fahrerorientiert, die Bedienung trotz einiger Tasten am Lenkrad relativ einfach.

So beflügelt wird der Focus zum echten Sportler und erinnert immer wieder nachhaltig daran, dass Ford nicht umsonst seit Jahren Lob für seine hervorragend abgestimmten Fahrwerke bekommt. Der Focus muss sich hier vor keinem Konkurrenten verstecken und bügelt so ziemlich alle Unebenheiten mit stoischer Ruhe weg. Egal ob kurze Stöße oder lange Wellen, es passt einfach. Dazu spendiert Ford die passende Lenkung: zielgenau, nicht zu nervös. Wen stört es da schon, dass die Rundumsicht eher dürftig ist und der Fahrer von der Front wegen des hochragenden Armaturenträgers nichts sieht. Das "My Ford"-Bedienkonzept über Lenkradtasten und Schalter ist gut, weil leicht und intuitiv zu bedienen. Die blaue Lichtshow im Nachtmodus ist Geschmackssache, auf jeden Fall wirkt das Paket stimmig und lässt den Vorgänger mit seiner einfach gestrickten Anmutung schnell vergessen.

Focus gegen Golf und Astra

Vor allem bündelt Ford eine nie gekannte Flut von Assistenzsystemen in dieser Klasse. Die Basis muss sich allerdings allein mit der sogenannten Torque Vectroring Control zufrieden geben, das ein klassisches ESP mit der Verteilung des Drehmoments an der Vorderachse und gezielten Bremseingriffe an jedem der beiden Vorderräder verbindet. Wer die lange Liste von Start-Stop-Automatik, Fahrspur-Assistent, Fahrspurhalte-Assistent, Toter-Winkel-Assitent, Verkehrszeichen-Erkennung, Einpark-Assistent, Fernlicht- Assi, adaptiver Tempokontrolle, Auffahrwarnsystem und Müdigkeitswarner bestellt, muss erstens in der Regel zu den stärkeren Motoren greifen und zweitens immer Pakete ordern, denn einzeln gibt es die zahlreichen Helfer nicht.
Immerhin funktioniert das alles gut und macht den Focus zum Technologie-Führer in seiner Klasse.

Parkpilot gegen Neurosen

Der Kofferraum schluckt 475 Liter. Leider ist die Ladekante hoch.

Ob die Kunden das honorieren ist eine andere Frage. Denn auf den ersten Blick wirkt der Focus nicht billig: Der 4-Türer kosten mindestens 18.350 Euro mit 105 PS und damit 500 Euro mehr als der Fünftürer. Für 250 Euro mehr gibt es allerdings ebenfalls ab 21. Mai 2011 den Turnier. Wer sich den Focus mit einem kräftigen Motor und diversen Pakten hochrüstet, ist fast 30.000 Euro los. Das ist bei einem Golf oder Jetta allerdings auch nicht anders, zudem startet der Jetta erst bei 20.900 Euro. Und die Wolfsburger können bei der Vielfalt der Helfer derzeit nicht mithalten. Der optionale Parkpilot aus Köln setzt sogar neue Maßstäbe: Können die meisten Systeme nur längs in Lücken fahren, die die Länge des Fahrzeuges um den Faktor 1,4 übertreffen, schafft der Focus das völlig selbstständig mit dem Faktor 1,2. Fahrer mit Parkneurosen haben hier also einen guten Therapeuten.

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