Ford Fusion

— 14.02.2002

Der Fiesta in Hochform

Ford ist neuerdings für Überraschungen gut. Im Herbst kommt ein Fiesta-Ableger, der hoch hinauswill: der Van, SUV, "Was du willst"-Kleinwagen von neuem Format.

Konzept

"Am Anfang war uns die genaue Richtung gar nicht klar." Chris Bird schmunzelt noch im Nachhinein. "Wir suchten einfach eine dritte neue Variante für den Fiesta." Mit den ersten beiden meint der Design-Chef von Ford Europa den Fünftürer, der ab April beim Händler steht, sowie den später folgenden Dreitürer. Die beiden Brot-und-Butter-Autos braucht Ford als Basis für den Erfolg.

Nicht verborgen geblieben ist Ford aber auch, dass die größten Zuwächse im Moment andere Autos erreichen. Autos jenseits aller braven Schräghecks: kleine Transporter wie der Citroën Berlingo, kompakte Vans wie der Opel Zafira oder die SUV genannten Soft-Offroader wie der Toyota RAV4.

Mit diesen Autos im Blick - und ohne eines davon kopieren zu wollen - entstand der Fusion. Was für ein Auto ist das jetzt genau? Die Antwort vom Ford-Produktdirektor für Kleinwagen Philip Maguire kommt prompt: "Ein Kleinwagen für die junge Familie mit ein bis zwei Kindern, die in der Stadt wohnt." Aha, genau das hätte ich vom Fiesta auch gedacht. "Richtig, aber anders als der normale Fiesta" - verspricht Maguire - "verbindet der Fusion die Vorteile eines Kompakt-Vans, eines SUV und eben eines Kleinwagens miteinander."

Aufbau

Klingt gut, doch schafft der Fusion diesen Spagat tatsächlich, oder schafft er eher Kon-Fusion? Also, unter seinem aufgeblasenen Body steckt der Fiesta, auch dessen Motoren. Radstand und Spur blieben fast unverändert. Ein bisschen wachsen durfte der Fusion aber (2,5 cm breiter, acht höher). Zehn Zentimeter mehr Länge gehen allein auf das Konto des hinteren Überhangs. Insgesamt misst er 4,02 Meter. Früher war das Golf-Maß, heute gilt so was noch als Kleinwagen. Denn die Kompakten sind ja auf 4,20 Meter (Peugeot 307) oder gar 4,29 Meter (Honda Civic) enteilt. Punkt eins also erfüllt, der Fusion hat - außen - die Größe eines Kleinwagens.

Nächstes Kapitel, die Ähnlichkeit mit einem SUV. Da gibt es keine Zweifel, er sieht aus wie der Fiesta nach dem Aufbautraining: breite Schultern, definierte Muskeln, starker Auftritt. Und ein Vorteil der aufrechten Gangart soll beim Fusion eine große Rolle spielen. "Besonders unsere Käuferinnen schätzen die erhöhte Sitzposition und das damit verbundene Gefühl der Sicherheit", sagt Maguire. 60 Prozent der Fiesta kamen ja bisher in weibliche Hände - und das soll so bleiben.

Aber auch wenn der Fusion aussieht wie ein Offroader, er fährt nur mit Frontantrieb. Vorerst. "Allrad ist teuer", beklagt Chefingenieur Mark Stanton "die Leute kaufen das in dieser Klasse sowieso nicht." Aber gut, die Rede war ja auch nicht von einem harten Geländegänger, sondern von einem sportlichen Freizeitmobil.

Funktionalität

Relativ klein ist der Fusion also, und er sieht zumindest aus wie ein SUV. Bleibt das dritte Kriterium - ein Kompakt-Van soll er gleichzeitig auch noch sein. Mächtig Platz hat er auf alle Fälle und ein anständiges Gepäckabteil dazu (337 Liter, Fiesta 284, Polo 270 Liter). Aber dann: Zwar lässt sich die geteilte Rückbank sinnreich umlegen und dazu die Lehne des Beifahrersitzes nach vorn klappen. Aber verschiebbare oder ausbaubare Sitze gibt es nicht. "Brauchen wir nicht", wirft Maguire ein. "Passagierabteil und Kofferraum sind eben so groß, dass er auf so etwas verzichten kann."

Auch wegen des Verzichts auf solche zusätzlichen Extravaganzen kann Ford den Fusion ab Herbst bei uns erstaunlich preiswert anbieten - es wird bei etwa 15.000 Euro losgehen. Also auf dem Niveau eines fünftürigen Fiesta Ghia mit 100 PS oder auch eines 100-PS-Polo Comfortline.

Damit wird die Sache richtig interessant. Denn selbst im Vergleich mit diesen besser ausgestatteten Versionen bietet der Fusion eine ganze Menge: den eindrucksvolleren Auftritt, das unvergleichlich bessere Raumgefühl, die größere Übersicht. Und das bei kaum höheren Unterhaltskosten. Auf das Klappgestühl im Fond kann man da wohl mühelos verzichten. Bei Ford sind sie jedenfalls so stolz auf den Fusion, dass er die größte Ford-Pflaume aller aktuellen Modelle im Grill tragen darf.

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