100.000 Kilometer im Ford Grand C-Max

Ford Grand C-Max Ford Grand C-Max, Cockpit Ford Grand C-Max, Blick auf den Innenraum

Ford Grand C-Max: Dauertest

— 28.04.2014

Wieder liegt's bei Ford am Strom

So ein praktisches Reise- und Familienauto, dieser Grand C-Max! Klasse Diesel, schöner Komfort. Wären da nicht die Elektronikprobleme. Das hat bei Ford leider Tradition.

Der Ford Fiesta stand frühmorgens dreimal mit leerer Batterie da. Ebenso der Mondeo Turnier, dem ein falsch verlegtes Kabel den Akku leer nuckelte. Im S-Max fiel die Frontscheibenheizung aus und vermieste dem Van die Abschlussnote 1. Drei Ford im Dauertest, und was fällt auf? Es sind Elektronikprobleme, die sich seit 2009 wie ein roter Faden durch die Fahrtenbücher ziehen. Und den greifen wir deshalb auf, weil es wieder am Strom lag, dass ein – mechanisch betrachtet – guter Kölner über 100.000 Kilometer ein härteres Urteil bekam, als er es verdient hätte. Diesmal traf es den Grand C-Max. Das kompakte Raumwunder mit den Schiebetüren trat zum Härtecheck in der Ausstattung an, die viele Kunden mögen: als 2.0 TDCi Titanium mit 140 PS und Automatik. Ein paar Extras wie der Auffahrschutz Active City Stop, E-Heckklappe, Bi-Xenon-Scheinwerfer und ein Audiosystem trieben den Listenpreis auf 37.080 Euro. Aber den zahlt im Laden ja doch niemand.
Mehr zum Thema: Die komplette Dauertest-Rangliste

"Macht alles gut, was so ein Auto können muss!"

Den Van empfing in der Redaktion eine große Welle der Sympathie, weil "er alles gut macht, was so ein Auto können muss", wie Testfahrer Stefan Mallach festhielt: innen groß, endlose 1742 Liter Kofferraum und reichlich Platz im Fond, wo außen zwei vollwertige und innen ein fünfter, wegfaltbarer Mittelsitz warten. Die 40-20-40-Teilung mag nicht jeder, Archivar Willy Kock etwa hätte lieber eine durchgehende Bank. Die platzsparenden Schiebetüren machten mit ihrer praktischen Art Spaß, liefen jedoch schwergängig in ihren Führungen, was Väter in Zwiespalt stürzte: mal genervt, weil sie aufstehen und helfen müssen, dann beruhigt, weil Kinder die Türen nie allein aufkriegen. Die E-Heckklappe ärgerte mehr, öffnete sie doch entweder gar nicht oder "aufreizend langsam", wie Kollege Christian Steiger im Fahrtenbuch notierte. Die großen, breiten Sitze bereiteten auch auf Langstrecken keine Rückenschmerzen.

Viel Lob für den Zweiliter-Diesel

Der Grand C-Max hat Schiebetüren, der kürzere C-Max Klapptüren. Jeder vierte Käufer wählt die Langversion.

Dafür nervten der knappe Fußraum, in den Einbauten hineinragen, und die erschwerte Rundumsicht. Nach schräg vorn und zur Seite stehen breite Dachholme und Fensterrahmen im Blickfeld. Und wo wir gerade beim Alltagskram sind: Der Startknopf gönnte sich nach dem Drücken gern eine Gedenksekunde, bis der Motor startete. Und der billige Filzteppich ist der Feind jedes Familienvaters, wenn er samstags mühsam die eingetretenen Kekskrümel aus dem Boden saugen muss. Das hat uns schon am S-Max gestört, da spart Ford noch immer an der falschen Stelle die Langzeitqualität ein. Viel Lob bekam der Zweiliter-Diesel (ursprünglich ein Peugeot-Motor), der wesentlich zum entspannten Reisen beitrug. Der Vierzylinder zeigt beste Laufkultur und ist hervorragend gedämmt. Zwar bemängelt Leserservice-Kollege Andreas Lübeck ein kleines Turboloch beim Anfahren und wundert sich, dass der Ford die offiziellen 198 km/h Spitze nach GPS-Messung nicht erreicht, doch bei vielen Fahrern überwiegt die Meinung: "Super Reise- und Familienauto!"
Reparaturen
Kilometerstand Reparatur Kosten
25.626 km Antenne ausgetauscht wegen Orientierungsverlust
des Navi-Systems.
Garantie
38.300 km Im Rahmen der Wartung vordere Bremsbeläge ersetzt. 166,67 Euro
58.808 km Im Rahmen der Wartung Antennensockel ausgetauscht.
Steckkontakt von linkem Kurvenlicht befestigt.
Garantie
12,14 Euro
62.023 km Nach wiederholter Motorstörungsmeldung wurde die
komplette Turboladereinheit ersetzt.
Garantie
84.172 km Im Rahmen der Wartung Bremsscheiben und -beläge
vorn gewechselt.
Zusätzlich wurden die hinteren Bremsbeläge getauscht.
422,36 Euro

162,24 Euro
Großen Anteil daran hat das Fahrwerk, das die neue Philosophie bei Ford widerspiegelt: Nach Jahren strenger Sportlichkeit zieht nun mehr Komfort ein. Auch der Grand C-Max dämpft immer noch straff genug, um selbst in diesem großen Kasten den Kitzel von Fahrvergnügen zu spüren, zugleich schlucken die Federn Schläge besser als früher. Die saubere Lenkung und viel mechanischer Grip (keine Klagen über durchdrehende Vorderräder) tragen zumindest auf dem Fahrersitz zum Wohlgefühl im Van bei. Getrübt wurde der Spaß immer wieder vom Direktschaltgetriebe, das häufig seine zickigen Tage hatte. Während Autor Martin Puthz das harmonische Schalten lobt, "obwohl es sich mit seinen trägen Reaktionen eher nach Wandler anfühlt als nach Doppelkupplung", monierten andere ruppiges Anfahren und zappeliges Hin-und-her-Schalten. "Der Motor könnte viel mehr, wenn das Getriebe wüsste, was es will", so Daniel Gau, Leiter der iPad-Redaktion. Kleiner Blick über den Tellerrand: Die ersten DSG-Automaten von VW waren nicht besser, Ford steht wohl am Anfang der Lernkurve.
Zuverlässigkeitswertung*
Fahrzeug nicht fahrbereit 0 x 10 Punkte
Unplanmäßiger Werkstattaufenthalt 2 x 5 Punkte
Defekte Funktionsteile 1 x 3 Punkte
Geringfügige Defekte 3 x 1 Punkt
Note 3+
*Für jeden Defekt sammelt das Testfahrzeug Fehlerpunkte. Je weniger Punkte am Ende auf dem Konto stehen, desto besser ist die Platzierung im Dauertest-Ranking.
Doch schlimmer wird es, wenn Elektronik grundsätzlich versagt. Der Ärger begann damit, dass das Navi die Orientierung verlor. Das passierte am Steuer gern mal, weil die Mittelkonsole zu viele Knöpfe hat und der Bildschirm zu klein ist und zu weit weg liegt. Aber gar kein Bild? Fotoredakteur Božo Furkes fuhr laut Anzeige sogar durch die Ostsee! Der Einbau einer neuen Antenne brachte nur kurzzeitig Abhilfe, später wurde zusätzlich der Antennenfuß ausgetauscht. Über ein Navi ohne Bild ließe sich ja noch hinwegsehen, aber nicht übers Warnlicht der Motorsteuerung bei Kilometer 63.023. Der außerplanmäßige Besuch in der Werkstatt ergab, dass ein korrodierter Stecker falsche Impulse an die Turboladersteuerung geschickt hatte. Wohl kein Einzelfall, und ein neuer Stecker samt Kabel hätte gereicht, doch der Hersteller bestand auf dem kompletten Austausch des Turboladers. Kleine Ursache, große Wirkung. Wieder mal hatte der Elektronikteufel einem Ford dazwischengepfuscht, der ansonsten klaglos lief. Zweimal Bremsbeläge vorn, einmal Bremsscheiben, eine Motorabdeckung ersetzt – das sind Peanuts auf einer Strecke von 100.000 Kilometern. So kam der Grand C-Max auf 16 Minuspunkte und die Note 3+. "Ford, die tun was", hieß es früher. Wir wüssten jetzt, wo.

Wie jedes Dauertest-Fahrzeug wurde auch der Ford Grand C-Max nach 100.000 Kilometern fast vollständig demontiert und auf Verschleiß untersucht. Was bei der Inspektion aufgefallen ist, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

100.000 Kilometer im Ford Grand C-Max

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Dauertest: Ford Grand C-Max

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
Ford Grand C-Max 2.0 TDCi Titanium

Veröffentlicht:

16.04.2014

Preis:

2,00 €

Stichworte:

Kompaktvan

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