Ford in der Krise

Ford streicht bis zu 30.000 Stellen

Ford in der Krise

— 24.01.2006

30.000 Jobs in Gefahr

Kahlschlag: Um Überkapazitäten zu senken, will Ford sieben Fabriken schließen. Europa ist aber nicht betroffen.

Produktion wird um 1,2 Millionen gedrosselt

Nach Milliardenverlusten in Nordamerika will der zweitgrößte US-Autobauer Ford im Heimatmarkt 14 Werke schließen und bis zu 30.000 Stellen streichen. "Wir werden schmerzliche Opfer bringen, um unsere Zukunft zu sichern", kündigte Bill Ford Maßnahmen an, von denen die Branche bereits ahnte. Ford will spätestens 2008 in Nordamerika wieder schwarze Zahlen schreiben. Es ist das zweite große Restrukturierungsprogramm innerhalb von vier Jahren. Unter den betroffenen nordamerikanischen Werken sind allein sieben Autofabriken.

Ford will im schwierigen Heimatmarkt schon bis 2008 seine Kapazität um 1,2 Millionen Autos reduzieren, das entspricht einem guten Viertel der aktuellen Produktion. Die Materialkosten sollen bis 2010 um mindestens sechs Milliarden Dollar sinken. Bis 2012 werden 25.000 bis 30.000 Arbeiter ihre Stellen verlieren. Bereits im ersten Quartal 2006 sollen außerdem 4000 Angestellte entlassen werden. Ford hatte zum Jahreswechsel etwa 123.000 Mitarbeiter in Nordamerika und 300.000 weltweit.

Zugleich überraschte Ford die Märkte mit seinen über den Erwartungen liegenden Bilanzzahlen: Im Schlußquartal des vergangenen Jahres schnitt Ford dank besserer Finanzgeschäfte und Einnahmen aus dem Verkauf des Autovermieters Hertz deutlich besser als erwartet ab. Der Nettogewinn stieg um 19 Prozent auf 124 Millionen Dollar.

Experten halten Strategie für angemessen

Ford ist wie Konkurrent General Motors auf seinem Heimatmarkt mit hohen Überkapazitäten und Absatzproblemen konfrontiert. Die US-Autobauer verlieren Marktanteile an die asiatische Konkurrenz, weil sie zu lange auf hochmotorisierte und spritschluckende Geländewagen gesetzt haben. Bei den hohen Benzinpreisen greifen die US-Kunden nun zu sparsameren Autos. General Motors mußte deshalb seinen Sparkurs bereits verschärfen und hat den Abbau von 30.000 Stellen binnen drei Jahren angekündigt.

Analysten begrüßten die von Ford angekündigten Einschnitte. "Das ist der erste Autobauer, der zu radikalen Einschnitten bereit ist", sagte Albrecht Denninghoff, Analyst der Hypovereinsbank. Gemessen an der Größe von Ford sei der angekündigte Personalabbau drastischer als bei GM. Je Ford-Aktie errechnete sich im Schlußquartal ein Gewinn von acht Cent nach sechs Cent im Vorjahr. Vor Sonderposten ergab sich ein Gewinn von 26 Cent je Aktie. Anlysten hatten mit lediglich einem Cent je Aktie gerechnet. Der Umsatz kletterte von 44,9 Milliarden auf 47,6 Milliarden Dollar. In der defizitären Autosparte verringerte sich der Verlust auf zwölf Millionen vor Steuern und Sonderposten nach zuvor 470 Millionen Dollar. Die Finanzsparte trug 465 Millionen Dollar Gewinn bei.

Ford in Europa ist von dem angekündigten Stellenabbau nicht betroffen. Das Programm "Way Forward" betreffe nur Nordamerika, sagte ein Sprecher der Kölner Ford-Werke. Ford Köln hatte 2005 angekündigt, 1200 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Für das freiwillige Abfindungs- und Vorruhestandsprogramm hatten sich bis zum Jahresende 1350 Mitarbeiter gemeldet.

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