Ford Ka (ab 1996)

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Ford Ka (ab 1996)

— 25.02.2002

Nur eine Sommerliebe

Für eine wirklich lange glückliche Beziehung ist die Knutschkugel von Ford nicht solide genug.

Karosserie und Fahrwerk

Kann denn Liebe Sünde sein? Natürlich nicht!, werden vor allem die mehrheitlich weiblichen Fans des Miniminis Ford Ka behaupten. Sie lieben ihren kleinen Ka-sanova heiß und innig. Auch wenn der nach drei Jahren Bauzeit schon ein paar Konditionsschwächen zeigt. Denn bei intensiver Betrachtung läßt sich nicht leugnen, dass der preiswerte Kölner (Basis 17.000 Mark) kaum für eine Langzeitbeziehung taugt. Schmale Sitze, knapper Kofferraum und begrenzte Reisetauglichkeit machen dem ersten Autoflirt junger Damen bald ein Ende. Und das zweijährige Testmodell zeigte schon im Detail, woran der Ka im Alter später kranken wird.

Rost spielt zwar an Bodengruppe und Fahrwerk (identisch mit Fiesta) in diesem Alter noch keine Rolle. Doch in Falzen unter der Konservierung und an Achsteilen schimmert es bräunlich. Ungefährlich für Ersthandkäufer, aber wenig beruhigend. Klapprige Hitzeleitbleche, ungeschütztes Reserverad, Blech- statt Kunststofftank - Ka hat seinen Preis nicht von ungefähr. Selbst der Endura-Motor ist ein altes Erbstück vom Escort. Alt, aber solide, sagt Ford. Kettenantrieb statt Zahnriemen, wahlweise 49/50 oder 60 PS aus 1,3 Liter Hubraum und Kat-sauber (96: Euro 2; 97: D3; 98: D4). Schon das 50-PS-Triebwerk hat mit dem 940 Kilogramm leichten Mini keinerlei Mühe, dank straffer Dämpfer fegt der Zwerg flott um die Kurven. Der Verbrauch von rund sieben Litern Super ist dennoch etwas hoch.

Für die stärkere Motorisierung – Serie bei neun Sondermodellen – spricht nur die Servolenkung, die vor allem das Einparken erleichtert. Trotz 60 PS keine Lenkhilfe an Bord? Dann unbedingt im Kfz-Schein nachprüfen, ob es sich bei diesem Ka nicht um ein Reimportmodell aus Frankreich handelt. Letzte Worte zum Motor: Das Testmodell zeigte nach 36.000 Kilometern schon Ölspuren von unten, weil die Motordichtungen schwitzen. Und einige Ka-Fahrer registrierten einen klappernden Ventiltrieb, der zum regelmäßigen Einstellen alle 15.000 Kilometer zwingt.

Motor und Technik

Viel Platz brauchen Single-Frauen nicht – gibt es auch nicht im Ka. Die Sitze sind so kurz wie die Kopfstützen, große Brüder müssen sich auf der Rückbank falten. Der Kofferraum hat mit 186 Litern kaum mehr als Handtaschenformat und läßt sich nur von außen mit Schlüssel öffnen. Die Innenraumoptik von der hoch platzierten Eier-Pflaumen-Analoguhr bis zu den tief sitzenden Reglern für Ventilator und Heizung ist Geschmacksache. Aber das Plastik ist kratzempfindlich und meldet sich im Armaturenbereich mit Knarz- und Klappergeräuschen.

Gespart wurde auch an Sicherheitsdetails. Nur der Fahrerairbag war mit Modellstart Serie, der Beifahrer wurde erst ab Sommer 97 bedacht. Und ABS – ab 97 gegen Aufpreis – ist nur bei den Sondermodellen "Pro 7" und "Lufthansa" mit dabei. Nun mag ABS zu diesem Einstiegspreis die Ford-Kalkulation sprengen. Doch dann sollten die normalen Bremsen auch ein bisschen länger halten. Der Verschleiß an Klötzen und Scheiben räubert kurzstreckenfreudigen Kandidaten schnell das Portemonnaie leer.

Nach knapp drei Jahren Laufzeit und mit Ende der ersten TÜV-Plakette kommt der Ka jetzt verstärkt in den Handel. Nackte Basisexemplare von 96 notieren bei 10000 Mark, die attraktiver ausgestatteten Sondermodelle werden um 15000 Mark gehandelt. Viel Geld für wenig Auto. Da lohnt sich der Blick zum gebrauchten Fiesta. Im Vergleich kostet der große Bruder mit 60 PS nur einige Hunderter mehr, hat dafür einen größeren Kofferraum und echte fünf Sitzplätze. Die Rechnung lohnt, doch was nutzt alle Vernunft, wenn Liebe im Spiel ist?

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 11/96 Neueinführung: 1,3-Liter-Motor (50/60 PS) ab 16.750 Mark; Sondermodell First Edition, 60 PS, schwarz für 22750 Mark 3/97 Sondermodell Kool, 60 PS, mit Klimaanlage für 19.450 Mark 5/97 Sondermodell Edition Pro 7, 60 PS, schwarz für 23.990 Mark 7/97 Sparmodell Ka 1 ohne Radio, 50/60 PS für 16.000/17.000 Mark 8/97 Sondermodell Edition Lufthansa, 60 PS, silber für 23.500 Mark 4/98 Sondermodell Blueline, 60 PS, blau, ab 18900 Mark; Sondermodell Edition K2, 60 PS, gelb ab 21.000 Mark 12/98 Sondermodell Tropica, 60 PS, rot/grün für 20.000 Mark 3/99 Sondermodell Collection, blau/silber, ab 20.000 Mark 4/99 Sondermodell Edition D2 CallYa, hellblau für 24.900 Mark

Schwachstellen • Auspuffendtopf mit kurzer Lebensdauer, besonders bei Stadtminis • Ventiltrieb macht gern Klappergeräusche • Kühlwasserschlauch mit Tropfspuren? Immer kontrollieren, ohne Wasser überhitzt der Motor und killt die Kopfdichtung • Ölverlust am Motor hat meist nur schwitzende Dichtungen als Ursache. Aber auch die Servolenkung gilt nicht immer als stubenrein • Lack mit Mängeln gab es vereinzelt. Unsere italienischen Kollegen von AUTO OGGI kritisieren die kratzempfindlichen Einstiegskanten • Rückruf: 3500 Ka mit ABS wurden im Winter 98 wegen eines möglichen Defekts am Hauptbremszylinder in die Werkstätten gerufen.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Ford Ka 1.3, 37 kW/ 50 PS, Baujahr 1996. Beim Ka werden Frauenherzen schwach, bei den Preisen das Konto: Anlasser und Lichtmaschine sind so teuer wie bei einer 300er-S-Klasse (W 140).

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der Ka ist ein Mini-Auto zum Minipreis. Entsprechend einfach und sparsam ist die Konstruktion. Auffällig ist unter anderem der meterlange Kühlwasserschlauch, der leicht undicht werden kann. Viel Plastik im Bereich des Vorderwagens spart Gewicht, führt aber auch zu umfangreichen Schäden bei Unfällen. Außerdem zeigen heute schon Kleinigkeiten, wo das junge Modell im Alter schwächeln wird: Rostspuren an Scharnieren der Heckklappe, ungenau eingepasste, klappernde Türverkleidungen und mangelhaft gegen Feuchtigkeit gesicherte Kabelanschlüsse. Der 1,3-Liter-Motor ist zwar technisch ein altes Escort-Modell, aber solide. Nur der Ventiltrieb fällt manchmal mit Klappergeräuschen auf." Dirk Tietjen, DEKRA-Sachverständiger, Hamburg

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