Ford kommt besser an

Ford kommt besser an

— 01.07.2002

Aufschwung eines Massenherstellers

Die Klner Tochter der Ford Company drfte in diesem Jahr wieder in die schwarzen Zahlen rollen.

"Ich gehe hier nicht weg"

ber jngste Gerchte um ein vorzeitiges Ende seiner Dienstzeit im Herbst kann Rolf Zimmermann nur mde lcheln. "Das ist wirklich Unsinn, ich gehe hier nicht weg", sagt der seit vier Jahren amtierende Vorstandschef der Klner Ford-Werke AG, "mein jetziger Vertrag luft bis Ende 2003." Wenn der Erfolg ber seine berufliche Zukunft entscheiden sollte, dann msste sich Zimmermann tatschlich keine Sorgen machen. Whrend die Muttergesellschaft Ford Motor Company (Verlust 2001: 5,5 Milliarden Dollar) durch ihre schwerste Krise holpert, drfte die Klner Tochter in diesem Jahr wieder in die schwarzen Zahlen rollen und mit ihr das gesamte Europa-Geschft von Ford, das zu mehr als 70 Prozent auf die deutsche Ford-Werke entfllt. Angesichts einer schwachen Auto-Konjunktur, in der andere Hersteller ber mangelnden Absatz klagen, eine stramme Leistung.

Geschafft hat das Zimmermann gemeinsam mit dem heutigen Ford-Lenker Nick Scheele, dem frheren Europachef, durch einen einschneidenden Abbau von Fertigungskapazitten von insgesamt 2,1 auf 1,6 Millionen Einheiten, drastischen Kostensenkungen und einer grndlichen Erneuerung der Produktpalette. Folge: Die Produktionsauslastung stieg von 71 auf nahezu 100 Prozent.

Die Rosskur hatte bei der AG, die 1999 mit 222 Millionen Euro in die roten Zahlen rutschte und fr 2000 nur dank "sonstiger Erlse" (rund 380 Millionen Euro) einen berschuss auswies, schon im vergangenen Jahr angeschlagen als Ford in den USA unter ihrem frheren Chef Jacques Nasser lngst auf Schleuderkurs geraten war. Der Absatz der Klner stieg um 28 Prozent auf 1,1 Millionen Einheiten, der Umsatz kletterte um ein Viertel auf rund 16,4 Milliarden Euro. Dass unter dem Strich doch noch ein Fehlbetrag von 80 Millionen Euro stand, lag im Wesentlichen an der damals drastisch gesunkenen Nachfrage nach V-6-Motoren, die in Kln fr die Gelndewagen (Explorer) der Muttergesellschaft gebaut werden.

Ford, die tun was fr den Umsatz

Nachdem die Verlustquelle versiegt ist, weil sich Lieferungen auf frherem Niveau einpendelten, sind schwarze Zahlen fr 2002 eine ausgemachte Sache: In Kln ist die Produktion des neuen Fiesta angelaufen, von der sich Ford einen Absatz von insgesamt rund 280.000 Stck im Jahr verspricht gut 45.000 Einheiten mehr als 2001. Und im Werk Saarlouis wird die Fertigung des Focus in diesem Sommer von tglich 1860 auf 1960 Autos hochgefahren. Motor des Erfolgs sind der neue 170-PS starke Focus ST 170 und die Diesel-Variante, deren Maschine gemeinsam mit Peugeot entwickelt wurde und die inzwischen 40 Prozent der Focus-Produktion ausmacht.

Schon heute ist abzusehen, dass sich der Marktanteil der Klner in Deutschland von 8,1 auf mehr als neun Prozent erhhen drfte whrend die wichtigsten Wettbewerber VW und Opel mit den Focus-Konkurrenten Golf IV und Astra im Rckwrtsgang fahren. Und in den nchsten Jahren wird Ford, da ist sich Zimmermann sicher, noch besser ankommen: "Zunchst haben wir unsere Volumensegmente erneuert und unsere Dieselstrategie umgesetzt. Jetzt kommen die Nischen dran." So stellte Ford vor wenigen Tagen den familientauglichen Minivan Fusion auf Fiesta-Basis vor, 2003 folgen das Cabrio StreetKa und ein Minivan auf Focus-Basis, der Opels Erfolgsmodell Zafira Konkurrenz machen soll. Danach soll es, so Zimmermanns Plan, ungebremst weitergehen: "Wir werden 2004 anfangen, die Focus-Reihe zu erneuern, und auerdem in Segmente einsteigen, die wir heute noch nicht bedienen." Ziel fr die Jahre nach 2003: Marktanteil zwischen 10,5 und elf Prozent.

Schne Aussichten fr den neuen Europa-Chef Martin Leach. Der bisherige Ford-Entwicklungsvorstand fngt am 1. August 2002 an und ist auch die Ursache fr die Gerchte um Zimmermann. Schlielich zog der Englnder bei dem Wachwechsel an ihm vorbei in einer Zeit, in der es im Management der Ford-Zentrale in Dearborn so geordnet herging wie in der saudi-arabischen Fuball-Abwehr: Neuer Vorstandschef, neuer Finanzvorstand, Abgang des Top-Managers Wolfgang Reitzle zu Linde. Zimmermann ber die Berufung von Leach: "Das Ganze ist eher Ausdruck von Kontinuitt. Er ist schon seit Jahren an Bord." Noch eine berraschung: Kontinuitt wrde man bei Ford eigentlich noch viel weniger erwarten als steigende Absatzzahlen.

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