Ford Mondeo 2.0 DI Trend

— 12.02.2002

Eine spritzige Erfahrung

Das Wasser steht Ford bis zum Hals, aber ein "Freischwimmer" ist in Sicht: der Mondeo. Der quirlige Neuling dürfte so manchen Edel-Konkurrenten nass machen



Mehr-Wert-Mondeo für Sparfüchse

Die fest gefügte Welt der Werbestrategen kennt einen Käufertyp, der alle Schablonen über den Haufen wirft und kaum zu ködern ist. Nennen wir ihn Herrn Schlauke. Schlauke schert sich einen Kehricht um Marken - sondern kauft, wo er Gutes günstig aufstöbern kann. Bei Aldi den leckeren Champagner, bei Tchibo den CD-Player mit dem Purzel-Preis. Und vom Gesparten jettet Schlauke nach Mallorca, natürlich zum Internet-Auktions-Tarif.

Besagter Herr Schlauke, der ein wenig in uns allen steckt, könnte nun ein neues Objekt seiner Begierde entdecken: den Ford Mondeo. Wie bitte, Ford? Kommt gar nicht in die Tüte! Wer so redet, darf sich nicht wundern, wenn demnächst der Preisfuchs von nebenan seinen neuen Mondeo einparkt. Der ist nämlich richtig gut.

Schon optisch braucht sich dieser neue Mehr-Wert-Mondeo vor einem etablierten Audi oder Passat nicht zu verstecken. Seine Verpackung entspricht diesem Rollkragen/Sakko-Typ, der überall hinpasst, ohne beliebig zu wirken. Alterungsfaktor: eher gering, zumal die Nobel-Konkurrenz auch keine Stufenheck-Sensationen erfunden hat.

Ein Ford mit Reifeprädikat

Stattliche 4,73 Meter Länge (womit Ford die Lücke zum verblichenen Scorpio schließt) garantieren reichlich Platz. Vor allem Passagiere in der zweiten Reihe lümmeln sich noch luftiger als in einer Mercedes C-Klasse, was den Nachwuchs auf der Urlaubsfahrt angenehm entspannt. Beim Interieur hat Ford einen gewaltigen Schritt gemacht: hervorragende Sitzposition, straffe Polster, dazu der mattsilberne Modeschmuck der mittleren Ausstattungsversion "Trend". Dann sind zusätzlich zur guten Basisausstattung die Spiegel, Türgriffe und Stoßfänger in Wagenfarbe lackiert, zudem Nebelscheinwerfer und elektrische Fensterheber hinten an Bord. Alles hübsch? Nicht ganz, der Formen-Mischmasch auf der Mittelkonsole und gelegentliches Quietschen aus dem Cockpit zeigen, dass dem Kölner die letzte Finesse zum neuen Passat fehlt.

Den Grund sprechen die Ford-Entwickler ganz offenherzig aus: Der Mondeo soll erstens preiswert sein, zweitens preiswert, drittens ... 42.550 Mark kostet der Viertürer als "Trend" mit dem neuen 115-PS-Diesel, das sind 2483 Mark weniger als ein Passat TDI Comfortline mit nur 100 Diesel-PS. Vom A4 TDI (mit 130 PS) unterscheiden ihn schon 7421 Mark, vom Mercedes C 200 CDI Elegance sogar 12.318 Mark.

Ein gewagter Vergleich? Nein, weil Ford unter dem strengen Preisdiktat ein verblüffend gutes und sehr sicheres Auto (sechs Airbags) hinbekommen hat. Es ist vor allem das Fahrgefühl, das dem Ford das Reife-Prädikat einbringt. Da findet die Lenkung (extra auf den Diesel abgestimmt) die goldene Mitte zwischen Feinfühligkeit und Kraftaufwand, die Vorderachse trippelt leichtfüßig wie eine Ballerina, ohne sich vom brutalen Drehmoment des Diesels überrumpeln zu lassen, und da saugt die eher sportlich orientierte Federung auch hässliche Autobahnfugen in die Tiefen ihrer Federwege. "Unser Ziel war, die Sportlichkeit eines Focus mit dem Komfort der Mittelklasse zu vereinen", sagt Dr. Thomas Schmitz, mitverantwortlich für die Fahrwerks-Entwicklung. Auftrag erfüllt.

Ganz ohne Macken geht es nicht

So ist der Mondeo ein Fahrer-Auto geworden, fester und europäisch harmonischer als die Japaner - und kommt mit diesem bissfesten Kern der Frontantriebs-Qualität eines Audi so nahe, dass unweigerlich auch die letzten Schlaukes dieser Welt aufwachen werden. Der Mondeo wird in der Mittelklasse noch manchen selbstgefälligen Gegner aufschrecken.

Als Hallo-wach-Pille taugt auch der Klang des neuen 115-PS-Diesels: ein spritziger Bursche, der putzmunter die Drehzahlleiter hochspringt, aber mit einer Tonlage wie ein Audi TDI vor dem Stimmbruch - heller, störender. Ein normaler Direkteinspritzer ist halt akustisch zweite Wahl, seitdem es die flüsternden Common-Rail-Diesel gibt. Und kein Kostverächter: Fast sieben Liter sind zu viel.

Ein Common-Rail-Diesel mit 130 PS folgt im nächsten Jahr. Woraus wir folgern, dass die Kölner ihre Dieselpalette bald auf die modernere Technik umkrempeln - Ford-Schritte, die Diesel-Kunden (40 Prozent der Mondeo-Käufer) schon jetzt verärgern, weil ihr Motor dann bereist zum alten Eisen gehört.

Damit zu den unweigerlichen Mecker-Ecken, weil auch Preisbrecher keine Wunder vollbringen. In der vorbildlichen Serienausstattung fehlt das ESP, das 1020 Mark Aufpreis kostet. Der große Kofferaum hat eine zu kleine Ladeöffnung - dafür eine Leuchte, die im Fond fehlt, wenn man im Dunkeln einsteigt. Nun, und es kleben kein Stern, keine Ringe und kein Propeller am Mondeo-Gesicht. Doch gerade darauf kann Kollege Schlauke ja bekanntlich am besten verzichten.

Bewertung und Fazit

Motor und Getriebe Lebendiger Turbodiesel mit leichter Anfahrschwäche. Drehfreudig, sehr elastisch, metallisch präsentes Nageln. Im Verbrauch nur durchschnittlich. Exakte Schaltung.

Fahrwerk und Sicherheit Die Schokoladenseite des Mondeo: narrensicheres, sehr harmonisches Fahrverhalten. Gute Bremsen, passive Sicherheit auf Top-Niveau. Kleines Manko: ESP nur Extra.

Karosserie und Innenraum Ordentliches Raumangebot, der Fond und der große, variable Kofferraum sind voll familientauglich. Der soliden Qualität fehlt das letzte Quäntchen Finesse.

Komfort Straffe Federung mit gutem Schluckvermögen, feste Sitze, vorne mit Lordosenstütze. Sinnvolle Bedienung. Was man zum Wohlfühlen braucht, ist an Bord.

Preise und Kosten Als günstigster Deutscher in der Mittelklasse uneingeschränkt konkurrenzfähig. Bei Unterhaltskosten zwar nur Durchschnitt, dafür muss der Mondeo nur alle 20 000 Kilometer zum Service in die Werkstatt.

Fazit Ford hat einen riesigen Sprung gemacht: Der Mondeo ist technisch voll auf der Höhe, im Preis-Wert-Verhältnis kaum zu schlagen. So fangen Erfolgs-Storys an.

Technische Daten und Ausstattung

Technik Motor Vierzylinder-Diesel • Hubraum 1998 cm3 • Leistung 85 kW (115 PS) bei 4000/min • Drehmoment 280 Nm bei 1900/min • Getriebe 5-Gang manuell • Antrieb Front • Bremsen (vo./hi.) Scheiben/Scheiben • Testwagenbereifung 205/55 R 16 V • Serienbereifung 205/55 R 16 H • Kofferraum 500 l • Tankinhalt 56 l • Länge/Breite/Höhe 4731/1812/1429 mm • Wendekreis 11,1 m • Leergewicht (tatsächlich) 1395 kg • Zuladung 580 kg • Anhängelast (gebremst) 1800 kg

Serienausstattung Front-, Seiten- und Kopfairbags • ABS • Bremsassistent • Aludekor • E-Fenster • E-Spiegel • Klimaanlage • Nebelscheinwerfer • Lederlenkrad • Stoßfänger und Türgriffe in Wagenfarbe • Rücksitzlehnen geteilt klappbar • Zentralverriegelung mit Fernbedienung

Extras E-Schiebedach 1440 Mark • ESP 1020 Mark • Klimaautomatik 680 Mark • Metalliclack 890 Mark • Cassetten-Radio ab 1030 Mark • Xenon-Scheinwerfer 1635 Mark

Modell Ford Mondeo 2.0 DI Trend
Preis ab 42.550 Mark
Gesamtverbrauch (l/100km) 6,9 Diesel
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 195
null auf 100 km/h (s) 10,7
Bremsweg aus 100 km/h (m) 38,3
Elastizität - 80 bis 120 km/h im 5. Gang (s) 10,6
Automatik Nein


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