Fahrbericht Ford Mustang

Ford Mustang: Fahrbericht

— 05.01.2015

Das Leben ist ein Ponyhof

Der neue Ford Mustang ist der vielleicht perfekteste Mustang aller Zeiten. Ob das ein Grund zur Sorge ist, klärt der erste Fahrbericht.

Der Moment der Wahrheit ist da! Der AUTO BILD-Tester nimmt im neuen Mustang Platz. In einem der ersten Exemplare, die es in die Alte Welt geschafft haben. Manch einer seiner Fans hat gezittert. Vor Angst, die geliebten Cowboystiefel müssten für immer im Schrank verschwinden. Die Nachricht "Ford macht den Mustang fit für Europa" verunsicherte die Fans. Vor allem die Ankündigung eines 2,3-Liter-Vierzylinder-EcoBoost-Motors mit 314 PS. Obwohl der – Codename S550 – nicht der erste Vierzylinder-Mustang der Geschichte ist.

Die größte Neuheit findet sich unterm Heck

Video: Mustang GT (2015)

Fit für Europa

Die eigentliche Sensation ist aber die: nie wieder Starrachsen-Rodeo! Der neue Ford Mustang soll dank moderner Mehrlenker-Hinterachse jetzt ganz brav um Radien spuren. Nimmt Ford dem Mustang seine herrliche Unvollkommenheit und killt damit seinen Charakter? An dieser Stelle die beruhigende Nachricht: Auch die sechste Generation des Pony-Car-Klassensprechers muss nicht ohne den dicken Fünfliter-V8 auskommen. Genau den bringt AUTO BILD fürs Foto mit jenem Modell zusammen, an dem sich jeder neugeborene Mustang bis heute messen lassen muss: dem GT 390 Fastback von 1967. Der coole Big-Block-Mustang der Swinging Sixties wirkt neben dem 2015er fast zerbrechlich filigran: Stattliche 4,78 Meter misst der Neue, bei einer Höhe von 1,39 Metern – also bloß nicht den Kopf anstoßen, sonst endet das Ab..., ähm, Aussteigen vorm Saloon im peinlichen Desaster.
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Innen hat im Mustang Stil und Qualität Einzug gehalten

Er kann es doch: Im Gegensatz zu früher, sieht es hier jetzt ansprechend aus – und es klappert nichts.

Wenn der Klassiker und der 2015er Mustang nebeneinander stehen, wird auch eine andere Überraschung spürbar: Die Machart des Interieurs ist – neben der Fahrwerk-Revolution – die wichtigste Neuheit, die der neue Mustang für Cowboys und -girls bereit hält. Alles so fein auf einmal. Das war nicht immer so. Stets schimpften Autotester ja über die Materialgüte des Vorgängers. Schrieben sie nur von einer "tristen Plastiklandschaft", klang das noch milde. Im neuen Mustang umklammern fein konturierte Sportsitze den Reiterhintern, es gibt Kippschalter in Chrom, die ein wenig den Retro-Chic des neuen Mini abkupfern, einen mit abgestepptem Leder bezogenen Armaturenträger. Alles stimmig, und vor allem: Es knarzt und klappert nix! Hätte es bis zu dieser Feststellung kein halbes Jahrhundert gedauert, könnten wir jetzt das Autoschreiber-Phrasenschwein mit der Zeile "Das Pony ist erwachsen geworden" zum Quieken bringen.

"Engine on", informiert das Kombiinstrument den Fahrer darüber, dass er den Fünfliter-Alu-V8 geweckt hat. Zur Erinnerung: Dieses Auto stammt aus dem Land der begrenzten Unmöglichkeiten, in dem Gebrauchsanweisungen von Mikrowellen darauf hinweisen müssen, dass sich das Gerät nicht zum Trocknen von Goldhamstern eignet. Denn mal ehrlich: Wer könnte dieses Achtzylinder-Donnergrollen überhören? Trotzdem: Danke für den Hinweis.

Beim Fahren zeigt sich der Ami leicht unterdämpft

GT: Der Ford Mustang fühlt sich nicht an wie ein Sportwagen – eher wie ein übermotorisiertes Coupé.

Kurz faucht der dicke Motor auf, wummert dann wie eine alte Hafenbarkasse vor sich hin. Aber damit jetzt keine Missverständnisse entstehen: Nein, auch der 2015er fühlt sich nicht wie ein Sportwagen an, auch wenn kaum ein anderes Auto mehr Leistung fürs Geld bietet. Pro PS zahlen Mustang-GT-Käufer beim Grauimporteur 111,45 Euro. Dafür bekommen sie keinen Triathleten im klassischen Sinne – denn wer das Lenkrad sanft aus seiner neutralen Position wiegt, spürt sofort, dass er ein stattliches Auto manövriert. Der Mustang bleibt auch in der neuesten Version ein spaßiges, weil übermotorisiertes Coupé im wilden Stil der 60er. Der richtige Ritt für Typen, die auf Bruce Springsteen und Bacon Burger mit Extrakäse stehen. Und was ist mit den Jungs, die Kurven lieben? Col de Turini statt Route 66? Bei forscher Kurvenfahrt drückt das schwere Antriebsaggregat sanft ans Kurvenäußere, der Karosseriekörper wippt kurz nach – immer noch sehr amerikanisch, diese leicht unterdämpfte Abstimmung. Auf kurzen Bodenwellen rollt der Mustang auf seinen 19-Zöllern etwas hölzern ab.

In unter fünf Sekunden geht es auf Tempo 100

Der neue Mustang und sein Urahn: Zwischen den beiden Amis liegen mehrere automobile Welten.

Und dennoch: Das hier ist der fahraktivste Mustang, den es bisher gab. Niemand vermisst sie, die unberechenbare Starrachse. Diesen Anachronismus, der den Vorgänger im Grenzbereich zum lebensgefährlichen Abenteuer machte. Für Europa will Ford noch am Fahrwerk feilen. Doch auch mit der etwas unverbindlicheren US-Variante lässt sich jede Menge Spaß haben: Wer über den verchromten Kippschalter den "Track"-Fahrmodus anwählt, kann schon bei der Ausfahrt des Drive-in-Lokals schwarze Striche auf den Asphalt malen. Der Achtzylinder bollert indes so herzhaft wie in den wildesten Mustang-Jahren. Wenn den Gaul der Hafer sticht, klingt er sogar ein bisschen wie Lieutenant Bullitts grüner Fastback während der Jagd durch die hügeligen Straßen San Franciscos. Sie wissen schon: "Bullitt" mit Steve McQueen und der wahnwitzigsten Verfolgungsjagd der Kinogeschichte. In Zahlen: 4,9 Sekunden braucht der Neue für den Galopp von null auf 100 km/h. An alle, die sich in ihren Vorurteilen über US-Autos bestätigt fühlen, weil der Fünfliter im AUTO BILD-Test 13,9 Liter Super aus dem Tank schlürft: Ein BMW M4 Coupé schluckt im Test 11,9.

An der Kasse zeigt sich das Pony genügsam

Wenn Ford im Sommer 2015 mit dem Verkauf startet, soll das Pony ab 35.000 Euro vom Hof gallopieren.

Typisch Mustang: Der Einstieg ist vergleichsweise günstig. Die deutschen Ford-Händler liefern frühestens ab Spätsommer; bei Importeur uscars24.de steht der Mustang GT 5.0 mit 441 PS aktuell für 49.650 Euro in der Liste. Mit 50-Jahre-Jubiläumspaket, chromgerahmtem Pony im Grill wie beim Urmodell von 1964, 19-Zoll-Rädern, mit Kaschmir-Akzenten an Lenkrad, Sitzen sowie Armaturenbrett und Lack in Guard, einem Grün, das an den Bullitt-Mustang erinnert. Zur GT-Premium-Ausstattung gehören außerdem Acht-Zoll-LCD-Touchscreen, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera sowie beheiz- und kühlbare Sitze. Ford kündigt Preise ab 35.000 Euro an – für den Vierzylinder. Der V8 soll 4000 Euro teurer sein. Dann müssen sich die Spaßmobile Golf R (300 PS, ab 38325 Euro) und Toyota GT86 (200 PS, ab 30750 Euro) warm anziehen.

So, Ende. Wir steigen aus, freuen uns über das neckische Lichtspiel der Außenspiegel, die bei Dämmerung das Pony-Logo auf den Asphalt projizieren – und ziehen den Stetson. Davor, dass Ford in dieses Auto investiert hat. An den richtigen Stellen, ohne seinen Charakter zu verwässern.

Technische Daten Ford Mustang 5.0 Ti-VCT GT: • Motor V8, vorn längs • Hubraum 4951 cm³ • Leistung 324 kW (441 PS) bei 6500/min • max. Drehmoment 542 Nm bei 4250/min • Vmax 240 km/h • 0–100 km/h 4,9 s • Antrieb Hinterrad/Sechsstufenautomatik • Tankinhalt 61 l • L/B/H 4783/1915/1394 mm • Radstand 2720 mm • Spurbreite vorn 1570/hinten 1637 mm EU-Mix 12,4 l Super/ 100 km • Abgas CO2 294 g/km
Autor:

Lukas Hambrecht

Fazit

Preis und Leistung stimmen beim neuen Ford Mustang. Das neue Fahrwerk ist ein Riesenschritt, der Innenraum richtig chic. Keine Frage: Das 2015er Modell ist der beste Mustang, den es je gab.

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