Zwei Generationen Mustang

Ford Mustang GT Ford Mustang GT

Ford Mustang GT gegen Mustang Fastback

— 19.10.2004

Starke Pferde

Der Ford Mustang GT scharrt mit den Hufen: Ford besinnt sich erstmals seit 40 Jahren auf die Vergangenheit seiner Muscle Cars. Da liegt es nahe, ein zweites Pferd aus dem Stall zu holen: den Ford Mustang 2+2 Fastback von 1966.

Der Mustang – Star in über 500 Filmen

Was schätzen Sie, in wieviel Filmen der Ford Mustang schon mitgespielt hat? Fünf? Zehn? 35? Nein, es sollen laut Ford unglaubliche 500 sein. Einer der berühmtesten ist "Bullit". Steve McQueen, obercool und stets mit Kippe an der Lippe, gibt hier 1968 einem Mustang Fastback mächtig die Sporen. Hollywood pur. Viel Staub, viel quer, viel Lärm und viel zu schnell. Überhaupt: Kein anderes Automobil in der amerikanischen Geschichte machte schon bei seiner Einführung so ein Trara. Weder eine Corvette 1953 noch ein Thunderbird 1955.

Was sich im April 64 vor den Türen der Händler abspielte hatte hysterischen Charakter. Kunden schliefen vor den Schaufenstern, um einen der ersten Mustang zu ergattern. Am Abend desselben Tages lagen mehr als 22.000 Bestellungen vor. McQueen würde wohl auch am neuen Mustang Gefallen finden, der in seiner achten Auflage jetzt in Amerika zu den Händlern rollt. Kein schlechter Wurf.

Fords Chefdesigner J. Mays – er schuf unter anderem den New Beetle und den Ford Thunderbird – zeichnete einen klassischen GT, ganz so, wie ihn die Amis lieben: lange Schnauze, kurzes Heck und muskulöse Flanken. Er erinnert stark an das Modell von 1966, als er noch Fastback hieß und die Zusatzbezeichnung 2+2 trug.

225 PS aus 4,7 Litern Hubraum

Genau diesen Typ hat AUTO BILD TEST & TUNING dem neuen Mustang GT an die Seite gestellt. Bis auf die 15-Zoll-"Torque Thrust"-Räder und die Cobra-Ventildeckel beließ ihn sein Besitzer Roland Gravel absolut original. Farbe, Innenausstattung, Radio – alles entspricht 1966. Der Zeit der Muscle Cars, in der sich Hersteller wie Ford, Chervrolet, Dodge, Plymouth und Pontiac von Jahr zu Jahr mit immer größeren V8 übertrafen.

Im Mustang steckt ein 289er. Die Zahl steht für den Hubraum, gemessen in "cubic inch" (Kubikzoll). Auf deutsch: 4,7 Liter. Klein, jedenfalls im Vergleich zu den Big Blocks mit sieben, 7,4 und teilweise acht Litern. Relativ bescheiden war damals die Leistungsausbeute: 225 PS. Kein Wunder bei nur einem Vierfachvergaser. Aber es reichte, um ohne Elektronik mächtig Eindruck zu schinden. Automatik auf D und Pedal aufs Bodenblech. Kreischende Reifen, schwarze Striche und ’ne Menge Spaß. Der Sprit kostete nur wenige Cent pro Liter.

281 ist die Hubraumbezeichnung des GT. Gegen den alten Stößelstangen-V8 mit einer zentralen Nockenwelle ist er ein High-Tech-Hammer. 4,6 Liter, Vollaluminium, drei Ventile pro Zylinder, je eine Nockenwelle pro Zylinderreihe und viel Elektronik, aus Abgas-Gründen. Dennoch: 300 PS werden wach – die höchste Leistung, mit der Ford serienmäßig je einen Mustang besattelt hat. Wer aber denkt, damit nun den ganz dicken Willi machen zu können (selbst bei ausgeschalteter Antriebsschlupfregelung), der irrt. So gut sich der neue V8 auch anhört, untenherum hat er recht wenig Kraft. Erst ab 4000/min kommt das Mustang-Zugpferd in die Hufe. Für einen Ami ungewöhnlich spät. Auch das maximale Drehmoment von 434 Nm steht erst bei 4500/min an.

Unwiderstehliche Stilelemente der 60er

Der 66er Fastback liefert seine 413 Nm schon bei 3200/min ab. Aber das sind nur nackte Zahlen. Der neue GT fühlt sich ungleich besser an. Sein Fahrwerk ist straff, die Lenkung überraschend direkt, und die Fünfgangschaltung flutscht gutgeführt durch die Gassen. Zum alten 66er sind das Welten. Die Servolenkung des Fastback gleicht dem Steuer eines Kutters, die Bremsen haben kein Servo, die Blattfedern der Hinterachse liefern nur ein Minimum an Federungskomfort und Kurvenwilligkeit. Aber es sieht ungemein gut aus, dieses 2+2-Coupé. Schlank, nicht ausladend und fett wie später in den 70ern.

Reduziert auf das Wesentliche. Ein bißchen Chrom hier und da, auf dem mit Teppich bespannten Mitteltunnel nur der Automatikwählhebel. Weder Cupholder noch irgendwelche anderen Ablagen stören. Sicherheit? Nicht vorhanden. Nur zwei psychologische Beckengurte. Aber praktisch wurde damals schon gedacht. "Fastback" steht für das schnelle Umlegen der Rücksitzlehnen. Sogar die Rückwand zum Kofferraum ist klappbar. Sehr pfiffig von den Amis. Und dies drei Jahre bevor sie auf dem Mond landeten.

Einigen Stilelementen des 66er konnte auch Designer J. Mays nicht widerstehen, innen wie außen. Die hinteren Seitenfenster symbolisieren die Lüftungsschlitze des Fastback. Die Rückleuchten wirken optisch dreiteilig. Ein geschlitztes Dreispeichenlenkrad und die alten Ziffern auf Tacho und Drehzahlmesser honorieren Mode und Sportgeist der 60er. Unser Fastback war sogar mit einem sogenannten Rallye-Package ausgestattet. Links und rechts an der Lenksäule sitzen Drehzahlmesser und Zeituhr, das Lenkrad hat Löcher statt Schlitze.

Technische Daten und Preise

Die deutlichste Gemeinsamkeit von Alt und Neu: unzumutbare Sitzbedingungen für Fondgäste. Erwachsene hocken zusammengekauert, die Knie drücken in die Lehnen, der Kopf nicht etwa gegen den Dachhimmel, sondern gegen die Heckscheibe. Was Mustang-Fans vermutlich nicht im geringsten stören wird. Sie nutzen den Wagen eher als sportlichen Zweisitzer. Und zumindest die Amerikaner können sich freuen, daß es Ford gelang, für dieses Auto einen solch niedrigen Preis aufzurufen.

Die Basisversion mit dem Vierliter-V6 und 210 PS kostet nur 19.410 Dollar und wird damit das Volumenmodell (rund 65 Prozent) im US-Markt. Den 300 PS starken V8 als Mustang GT gibt es für 24.995 Dollar. Ein Schnäppchen. Bei solchen Zahlen scharren schon die Importeure mit den Hufen, denn offiziell will Ford sein rassiges Pferd nicht bei uns laufen lassen. Einer von ihnen ist die Firma Heimann & Thiel in Wuppertal. Hier gibt es die Mustang-Modelle umgerüstet, zulassungsfertig und mit zwei Jahren Garantie. Die Komplettpreise starten mit 30.350 Euro für den V6 und 35.690 Euro für den V8 GT.

Technische Daten Ford Mustang GT • V8, vorn längs eingebaut • drei Ventile pro Zylinder • Hubraum 4606 cm3 • Leistung 220 kW/300 PS bei 5750/min • max. Drehmoment 434 Nm bei 4500/min • manuelles Fünfganggetriebe • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung vorn, Starrachse mit Schraubenfeder und Panhardstab hinten • rundum Scheibenbremsen • Reifen 235/55 ZR 17 • Länge/Breite/Höhe 4780/1877/ 1407 mm • Radstand 2720 mm • Leergewicht 1580 Kilo • Tankinhalt 62 Liter • Kofferraum 371 l • 0–100 km/h in 7,0 Sekunden • Höchstgeschwindigkeit 235 km/h • Preis (in USA) 24.995 Dollar

Technische Daten Ford Mustang 2+2 Fastback • V8, vorn längs eingebaut • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 4728 cm3 • Leistung 165 kW/225 PS bei 4800/min • max. Drehmoment 413 Nm bei 3200/min • Dreigangautomatik • Hinterradantrieb • vorn Dreieckquerlenker und Schraubenfeder, hinten Starrachse an Blattfedern • vorn Scheiben-, hinten Trommelbremsen • Reifen 205/60 R 15 • Länge/Breite/Höhe 4610/1730/1300 mm • Radstand 2740 mm • Leergewicht 1247 Kilo • Tank 60 Liter • Kofferraum 142 Liter • 0–100 km/h in 9,2 Sekunden • Höchstgeschwindigkeit 176 km/h • Preis (1967) 2800 Dollar

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