Brawn GP

Formel 1

— 27.10.2009

Schickt Mercedes McLaren in die Wüste?

Schon 2010 will Mercedes statt McLaren BrawnGP zum Partnerteam machen. Autobildmotorsport.de erfuhr: Die Anwälte verhandeln längst.

Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard verstand beim DTM-Finale in Hockenheim die Welt nicht mehr. Neben der Mercedes-Hospitality im Fahrerlager hingen riesige Plakate von Jenson Button und Brawn GP. Darauf die Zeile: "Machen Sie es wie Brawn GP. Verwenden Sie Originalteile von Mercedes-Benz." Eine Gratulation zum Titelgewinn in der Formel 1. "Ich war überrascht, dass Mercedes den Sieg von Jenson und Brawn so sehr promotet. In der Vergangenheit wäre es in einer Partnerschaft mit McLaren nie möglich gewesen, ein anderes Team so sehr zu unterstützen!" Coulthard muss es wissen. Er fuhr von 1996 bis 2004 für McLaren-Mercedes. Doch Autobildmotorsport.de und SPORT BILD erfuhren: Das Tischtuch zwischen McLaren und Mercedes ist längst zerschnitten. Schon nächstes Jahr will Mercedes stattdessen BrawnGP zum Werksteam machen. Die Trennung von Langzeit-Partner Mclaren wird gerade von den Anwälten beider Seiten bearbeitet. Falls es den Mercedes-Juristen gelingt, den hochkomplizierten Kooperationsvertrag, der 1994 geschlossen wurde, zu sprengen, will Mercedes die 40 Prozent Anteile an McLaren sofort verkaufen. Und umgehend mit 75-prozentiger Beteiligung bei Ross Brawn einsteigen. Eigentlich war das erst für 2012 geplant. Doch bei Brawn könnten die Stuttgarter schon jetzt für die Hälfte des finanziellen Einsatzes nicht nur gewinnen, sondern auch präsenter sein.

Dennis bot Mercedes 200 Millionen Euro

Streit mit McLaren: Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug will so schnell wie möglich zu BrawnGP.

Über die Trennung von McLaren verhandeln die Stuttgarter teamintern schon seit Saisonbeginn. Denn in Zeiten der Wirtschaftskrise wurde die McLaren-Partnerschaft zu kostspielig. Mercedes zahlt derzeit die Hälfte der Fahrergehälter. Allein Ex-Weltmeister Lewis Hamilton veranschlagt dadurch zehn Millionen Euro. Das geschätzte Jahresbudget für die Kooperation mit der Mannschaft aus dem britischen Woking beträgt zwischen 100 und 150 Millionen Euro. Zu viel, um ein Formel-1-Engagement im Konzern zu rechtfertigen. McLaren-Chef Ron Dennis hatte der Daimler AG deshalb sogar schon zugesichert, ihre 40-Prozent-Anteile für 200 Millionen Euro zurück zu kaufen. Das erfuhr AUTO BILD MOTORSPORT aus zuverlässigen Quellen. Doch seit er von Mercedes’ Interesse an BrawnGP – einem potentiellen Konkurrenten – erfuhr, stellt er auf stur. Er verbietet Mercedes Motoren an Red Bull zu liefern. Präsentiert seinen eigenen Supersportwagen OHNE Mercedes-Motor nur wenige Tage vor der Vorstellung des neuen Mercedes SLS auf der IAA. Und es kommt noch schlimmer: Er stellte Norbert Haug sogar den Bürostuhl in Rechnung, auf dem der Mercedes-Motorsportchef im McLaren-Motorhome an der Rennstrecke sitzt! Am kommenden Wochenende könnte es beim Grand Prix von Abu Dhabi zum großen Knall kommen. Denn sowohl Daimler-Vorstand Dieter Zetsche als auch McLaren-Chef Ron Dennis haben sich nach ABMS-Informationen angekündigt. Es wäre Dennis’ erster Auftritt im Fahrerlager seit der Lügenaffäre beim Saisonauftakt in Melbourne.

Mercedes macht Brawn Mobil

Der Wunschpilot: Mercedes will Nico Rosberg verpflichten. Trennen sie sich von McLaren, geht der Deutsche mit zu Brawn.

Klappt die von Mercedes gewünschte Trennung schon in diesem Jahr, würde McLaren noch zwei weitere Jahre den Motor kostenlos bekommen. Geld und Energien gingen ab sofort aber zu Ross Brawn. Mercedes will aus dem "Wunderteam" einen Dauersieger machen. AUTO BILD MOTORSPORT erfuhr zudem: McLaren-Sponsor Mobil würde Mercedes ebenso als Mitgift für die neue Ehe mitbringen wie das deutsche Supertalent Nico Rosberg. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug muss sich noch in Schweigen hüllen, weil jedes falsche Wort die Aufgabe der Juristen erschweren könnte. Haug zu ABMS: "Alles zu diesem Zeitpunkt ist reine Spekulation…" Doch der Mercedes-Sportchef selbst war es, der sich in Sachen Nico Rosberg verplapperte. "Nico fährt 2010 definitiv in der Formel 1", sagte Haug kürzlich in einer Telefon-Interviewrunde. So sicher kann er sich da nur sein, wenn er selbst einen (Vor)-Vertrag mit dem Noch-Williams-Piloten in der Tasche hat. Wie ernst McLaren die Situation nimmt, zeigt die verzweifelte Suche von McLaren-Marketingchef Ekram Sami nach Sponsoren für eine neue Ära ohne Mercedes. Sami hat Kontakte zum malaysischen Mineralölkonzern Petronas aufgenommen, um deren Konkurrent Mobil zu ersetzen. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh betont zwar: "Wir würden gerne noch lange Jahre mit Mercedes zusammen arbeiten". Doch er schränkt gegenüber ABMS auch ein: "Das haben weder Norbert Haug noch ich zu entscheiden." Wen er meint? Daimler-Vorstand Dieter Zetsche und Ron Dennis. Vielleicht wissen wir schon nach dem GP Abu Dhabi mehr.


Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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