Formel 1

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— 11.03.2010

Zum Siegen verdammt

Mercedes ist erstmals seit 1955 mit einem eigenen Auto in der Formel-1-WM. Dazu Rekord-Weltmeister Michael Schumacher an Bord. Logisch, dass vor dem Saisonstart in Bahrain der Erfolgsdruck steigt.

Am 22. Oktober 2006 hat Michael Schumacher sein vorerst letztes Rennen in der Formel 1 bestritten. In São Paulo. Mit Platz vier gewann er seine letzten fünf von bis dahin 1369 WM-Punkten und fuhr seine 76. schnellste Rennrunde. Schumachers Karriere schien vollendet mit sieben WM-Titeln und 91 GP-Siegen. Rekorde, die ihm wohl niemand mehr entreißen wird. Aber die er nun nach seinem Comeback selbst ab dem Grand Prix von Bahrain am 14. März ausbauen kann. Nein, ausbauen will. Nach dreieinhalb Jahren Rennpause wird Schumacher dann zum Auftakt der 61. Formel-1-Saison seit 1950 an den Start rollen. Zum ersten Mal in einem Mercedes, in einem deutschen Wagen, in einer, wie es vollmundig klingt, Traumehe. Der Rennstart in Bahrain ist für Michael Schumacher so etwas wie die Rückkehr in sein wahres Leben.

Alles zum Großen Preis von Bahrain: Jetzt im Live-Ticker

"Wir haben alles, um Erfolg zu haben. Aber es ist eine Sache, alle Zutaten zu haben, und etwas anderes, daraus ein Menü zu kochen", hatte Schumacher vor seinem ersten Test im Januar in Valencia gesagt. Dennoch könne es mit der Erfahrung von Ross Brawn, mit Mercedes und seinen Qualitäten "nur ein Ziel geben: Wir haben die Mission, den Titel zu holen." Mit wir meinte er ich. Das wahre Leben sind Siege Siege, Siege. Auch mit 41 Jahren brennt Schumacher noch vor Ehrgeiz, vielleicht mehr denn je. Er will es den jungen Kollegen zeigen. Offiziell hat er sich drei Jahre dafür Zeit gegeben, so lange läuft sein Vertrag mit Mercedes. Aber so lange kann ein Michael Schumacher nicht warten. Es widerspricht seinem Selbstverständnis. Als er am 25. August 1991 sein erstes Formel-1-Rennen beim Grand Prix von Belgien in Spa bestritt, war Sebastian Vettel, 2010 wohl sein größter WM-Gegenspieler, vier Jahre alt. Als er am 8. September 1991 in Monza seine ersten WM-Punkte gewann, war sein neuer Teamkollege Nico Rosberg sechs Jahre alt. Als er am 30. August 1992 in Spa seinen ersten Sieg feierte, hatte der deutsche Formel-1-Neuling Nico Hülkenberg kurz zuvor seinen fünften Geburtstag gefeiert. Und als Michael Schumacher am 13. November 1994 seinen ersten WM- Titel holte, war der aktuelle Weltmeister Jenson Button ein 14-jähriger Bengel. Aus diesem Kampf der Generationen zieht die Saison 2010 ihren besonderen Reiz.

Die neuen Formel-1-Regeln: Mehr Risiko für den Sieg

Michael Schumacher ist wieder voll auf die Formel 1 fokussiert.

Deshalb ist Michael Schumacher wieder total Konzentriert und motiviert wie in seinen besten Tagen. Der Fokus liegt total auf Fahren, auf Entwickeln, auf Gewinnen. Schumacher kennt seinen Wert als rettender Engel der Formel 1, der Fernsehquoten nach oben drückt, neue Sponsoren anlockt, alte Zuschauer und neue an die Rennpisten lockt und Merchandising-Verkäufern wieder das tägliche Brot auf den Tisch bringt. Schumacher ist wieder in seinem Element. Jeden Abend telefonierte er während der Vorbereitung mit Ross Brawn, dem Teamchef von Mercedes GP. Mit Brawn als Technischem Direktor gewann er seine sieben WM-Titel, 1994 und 1995 bei Benetton, von 2000 bis 2004 bei Ferrari. Der Engländer ist sein Vertrauter, ein Strategie-Genie. Schumacher teilte Brawn seine Eindrücke mit, machte Vorschläge, was man am Wagen verbessern könne. "Michael weiß genau, was er will. Er ist konstruktiv. Er sagt nicht einfach, das Auto ist schlecht, er sagt vielmehr, warum. Damit können die Ingenieure dann was anfangen", sagt Nick Heidfeld. Heidfeld sollte zuerst das Mercedes- Cockpit bekommen, musste nach Schumachers Verpflichtung aber ins zweite Glied und verdingte sich als Test- und Ersatzfahrer im Team.

Probleme beim Testen

Der Rekord-Weltmeister muss so intensiv arbeiten. Denn ob das System Schumacher mit all seinen Sonderrechten am Ende Erfolg hat, hängt vor allem am Auto, nicht so sehr an seinen Qualitäten als Fahrer. Bei den Tests wirkte Schumacher nicht immer souverän. Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, ein langjähriger Freund von Schumacher, befürchtet: "Michael hasst es, wenn ein Auto zu sehr untersteuert." Das aber genau war der Trend bei den Testfahrten. Tost: "Du konntest sehen, wie Michael am Scheitelpunkt einer Kurve mit dem Auto kämpfen musste, wie er jede Runde versuchte, eine andere Linie zu fahren, wie er immer wieder vom Gas gehen musste, statt zu beschleunigen. Er wirkte noch nicht so perfekt wie sonst, sondern sehr unrhythmisch." Das muss er schnell in den Griff kriegen, sonst, so Tost, "hat er gegen Sebastian Vettel keine Chance und wird auch Probleme mit Nico Rosberg bekommen, der mit untersteuernden Autos wohl besser klarkommt." Mercedes-Sportchef Norbert Haug weiß um die schwierige Situation, dass Mercedes mit dem Kauf des Weltmeisterteams Brawn GP und der Verpflichtung Schumachers zum Titelgewinn verdammt ist. "Die Lust am Siegen wird bei uns stets größer sein als die Pflicht dazu. Und wir haben riesige Lust."

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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