Formel 1: Sauber

Formel 1

— 05.05.2010

Sauber in Bedrängnis

Nach der Rückkehr als eigener Rennstall läuft es bei Sauber längst noch nicht rund. Null Punkte nach vier Rennen sind weniger als erwartet. Der Teamchef hegt aber keinen Groll gegen BMW.

Eigentlich wollte Peter Sauber (66) längst irgendwo in einem schmucken Häuschen in der Schweiz sitzen und seinen wohlverdienten Ruhestand genießen, die Formel 1 aus der Ferne beobachten und höchstens im Hintergrund bei der Sponsorensuche und Betreuung aktiv werden. Doch wie so oft im Leben kam es auch beim Schweizer ganz anders. Nach dem Rückzug von BMW aus der Formel 1 steht  Sauber seit Beginn dieser Formel 1-Saison wieder in vorderster Front. Um den Untergang seines Lebenswerks zu verhindern, hat er das Heft als Teamchef wieder in Hand genommen. Doch den Traum, dass seine Mannschaft sich spätestens durch den Verkauf an BMW in der Spitze der Königsklasse etablieren könnte, ist ausgeträumt. Nicht nur, dass die Ehe Sauber BMW letztlich auch an der anhaltenden Erfolgslosigkeit scheiterte, jetzt befindet sich der Rennstall wieder da, wo er am Beginn seiner F1-Laufbahn 1993 herumfuhr, im hinteren Teil des Starterfeldes.

Sauber: Verhältnis zu Deutschen allgemein ungetrübt

Sauber Teamkollegen im Duell: Pedro de la Rosa (l.) gegen Kamui Kobayashi.

Der Rückzug von BMW war der zweite Nackenschlag, den Sauber von einem deutschen Hersteller verpasst bekam. In der Saison 1994 fuhren die Sauber F1 mit Mercedes-Power im Heck. Im Jahr darauf verbündeten sich die Stuttgarter lieber mit McLaren. Ein grundsätzliches Problem mit Deutschen hat Sauber dennoch nicht. "Ich weiß nicht, woher diese Spannungen zwischen Deutschen und Schweizern – meist in den Medien – immer wieder kommen. Denn wenn die Deutschen, die in der Schweiz leben und arbeiten alle auf einmal wegzögen, würde in unserem Land alles stillstehen", meint Peter Sauber im Gespräch mit AUTO BILD MOTORSPORT. "Ich hatte das Glück, Mercedes zurück in den Motorsport zu bringen. Und eigentlich war das auch bei BMW so. Denn es war das erste Mal, dass BMW mit einem eigenen Team in der Formel 1 angetreten ist. Auch zur Entwicklung von Michael Schumacher zur deutschen Lichtgestalt habe ich viel beigetragen. Mein Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen ist ungetrübt."

Schatten über Verhältnis zu Michael Schumacher

Die Sauber-Piloten (hier Kobayashi) treiben in den ersten Rennen 2010 das Feld vor sich her.

Etwas anders ist die Situation allerdings bei Michael Schumacher, der im frühen Stadium seiner Karriere bei Peter Sauber, damals Mercedes-Werksteam, u.a. in der Sportwagen-WM fuhr. "Michael ist ungefähr im Alter meiner Söhne. Erwarte von deinen Kinder aber nie Dankbarkeit. Ja, über unserer Beziehung liegt schon ein kleiner Schatten. Denn ich hätte ihn bei unserem F1-Einstieg 1993 gern ins Team geholt. Schumacher hatte in Zeiten des Mercedes-Junior-Teams immer einen Vertrag mit Sauber. Juristisch hätte ich den einklagen können. Aber streiten sie einmal mit einem Fahrer, der nicht in das Team will."

Zusammenarbeit mit VW?

Trotz seiner nicht immer guten Erfahrungen mit deutschen Herstellern wird Sauber nachgesagt, einer künftigen Zusammenarbeit mit eine deutschen Werk, beispielsweise mit Volkswagen , nicht abgeneigt zu sein. Dazu äußert sich der Schweizer vor dem Grand Prix von Spanien in Barcelona allerdings nur ausweichend. "Jetzt muss bei uns in Hinwil erstmal Ruhe einkehren. Das Team wurde ja gründlich umstrukturiert. Klar spüren wir auch, dass wir nun mit rund 130 Leuten weniger arbeiten müssen als noch im letzten Jahr. Und es ist ja auch nicht so, dass sich die Hersteller aufdrängen. Auch Volkswagen will ja angeblich nur in die Formel 1, wenn der Weltmotor kommt. Und dann ja auch nur als Motorenlieferant."

Richtige Fahrerwahl getroffen

2008 unter BMW-Herrschaft war Saubers erfolgreichstes F1-Jahr. Kubica siegte in Kanada Foto). In der Hersteller-WM wurde man Dritter.

Neben der Sorgen um die Zukunft seines Rennstalls treibt auch die aktuelle sportliche Situation Peter Sauber Falten auf die Stirn. Null Punkte nach vier Rennen, obwohl man nach den Wintertests schon als Geheimfavorit eingestuft worden war, sind nicht das, was der Schweizer erwartet hatte. "Wir haben noch viel zu tun und müssen Geduld haben. Aber das Williams, Toro Rosso und Force India so weit vor uns fahren, das hatte ich nicht erwartet." Dennoch steht er zu seiner Fahrerwahl und verteidigt die Entscheidung, im Winter nicht den freien Nick Heidfeld verpflichtet zu haben. "Nick wäre eine berechenbare Größe gewesen, weil wir sieben Jahre mit ihm zusammengearbeitet haben. Aber für mich war es wichtig, einen Neuanfang zu machen. Nick kennt, was er bei uns gelernt hat. Pedro de la Rosa bringt dagegen neuen Input aus einem absoluten Top-Team mit (der Spanier war von 2003 bis 2009 bei McLaren-Mercedes, allerdings meist als Test und Ersatzfahrer, d. Red.). Das war mir wichtig. Und Kobayashi? Das war eine reine Bauchentscheidung."

Autoren: Bianca Garloff, Thomas Arndt

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