Jenson Button ist beim Saisonfinale in Abu Dhabi nicht mehr einzuholen

Formel 1 2009

— 28.10.2009

Warum Button ein würdiger Weltmeister ist

Unser Experte Marc Surer analysiert, warum Jenson Button ein verdienter Weltmeister ist, aber trotzdem keine Gehaltserhöhung verlangen sollte

Jenson Button steht bereits vor dem letzten Saisonrennen in Abu Dhabi als neuer Weltmeister fest, aber viele Formel-1-Fans halten den Briten nicht für einen würdigen Champion. In diversen Internetforen ist Buttons Titelgewinn Gegenstand heißer Diskussionen und auch viele Szenebeobachter merken zumindest kritisch an, dass er keinen der vergangenen neun Grands Prix gewonnen hat.

"Jenson ist ein würdiger Weltmeister", findet 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer und begründet: "Weil man das ganze Jahr sehen muss und nicht nur die zweite Saisonhälfte beurteilen darf, in der er nicht so brilliert hat. Aber wenn einer die meisten Siege hat und die meisten Punkte, dann ist er definitiv ein würdiger Weltmeister." Button hat immerhin sechs Rennen gewonnen, der nächstbeste Fahrer (Sebastian Vettel) nur drei.

Niemand war konstant siegfähig

Dennoch konnte man gerade ab Istanbul manchmal das Gefühl haben, dass 2009 niemand Weltmeister werden wollte. Die beiden Topteams Brawn und Red Bull waren ein Beispiel für Inkonstanz und fielen phasenweise sogar hinter Ferrari und McLaren-Mercedes zurück. Auch andere Teams mischten vereinzelt vorne mit. Als die Saison so bunt durchgemischt wurde, bekleckerte sich Button nicht mehr mit Ruhm, aber immerhin brachte er seinen Punktevorsprung über die Runden.

Surer versteht dieses Nervenflattern: "Es ist natürlich eine enorme Belastung, wenn du so früh im Jahr schon so weit vorne liegst. Da kannst du nur noch verlieren. Das bringt eine psychische Belastung mit sich, die man sich kaum vorstellen kann, weil die Saison so lang ist. Ich denke, dieses Tief ist aus der Angst heraus entstanden, nichts falsch zu machen." Button sei "überhaupt nicht" so cool gewesen, wie er sich gegeben hat: "Das habe ich auch aus seinem Umfeld erfahren."

Nach sechs Siegen und einem dritten Platz in den ersten sieben Rennen hatte der Brawn-Pilot schon 26 Zähler Vorsprung auf seinen Teamkollegen Rubens Barrichello und 32 auf Vettel. Derzeit sind es nur noch 15 auf Vettel und 17 auf Barrichello - doch das reicht vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi schlussendlich doch locker, um bereits als Weltmeister festzustehen. Im schlimmsten Fall wird Button fünf Punkte Vorsprung auf der Habenseite vorweisen können.

Derzeit pokert der frischgebackene Champion mit Ross Brawn um eine Gehaltserhöhung - angeblich fordert er gut acht statt wie bisher knapp drei Millionen Euro pro Jahr. Man sollte meinen, dass Button eine solche Weltmeistergage auch automatisch zusteht, oder? "Nein", antwortet Experte Surer hart, "denn den Titel hat er sicherlich auch seinem Auto zu verdanken. Ich würde ihm empfehlen, weiterhin in diesem Auto zu bleiben - egal wie."

Unterschiede von Strecke zu Strecke

Bei der Frage nach dem besten Fahrer der Saison zögert der ehemalige Formel-1-Pilot: "Das hat variiert. Es gibt keinen, der das ganze Jahr über beeindruckt hat. Es gab immer wieder Highlights von einzelnen Piloten, aber ich kann nicht einen nennen, den ich das ganze Jahr für sensationell gehalten habe. Alle haben Fehler gemacht, alle hatten Ups und Downs. Es gibt für mich keinen, der überragend war. Das ist für mich ein weiterer Grund, warum Button schon der richtige Weltmeister ist."

Der Brawn-Pilot habe den ersten Saisonabschnitt nach Belieben dominiert, dann kam Vettels Hochphase mit dem überragenden Red-Bull-Update für Silverstone, anschließend ließ Barrichello noch ein paar Mal seine Klasse aufblitzen. Zwischendurch gewannen auch Mark Webber, Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen Grands Prix. Insofern fällt es selbst langjährigen Mitgliedern des Formel-1-Zirkus schwer, einen überragenden Superstar auszumachen, wie das früher oft der Fall war.

"Räikkönen", meint Surer, "hat wahrscheinlich eine extrem gute Leistung gezeigt, die man würdigen muss, weil der Ferrari nicht das Maß der Dinge war. Mit diesem Auto zu gewinnen, scheint mir im Nachhinein betrachtet eine hervorragende Leistung gewesen zu sein. Natürlich darf man auch Hamilton nicht vergessen. Er hat auch Sensationelles vollbracht. Wenn ich anfange, darüber nachzudenken, komme ich auf eine ganze Reihe von Piloten."

"Hamilton hatte in Silverstone ein Tief, wo er sich gefragt hat: 'Was mache ich hier eigentlich?' Und so ging es eigentlich jedem einmal. Wenn Barrichello am Saisonbeginn stärker gewesen wäre, wäre er jetzt Weltmeister, aber da hat er sich von seinem Teamkollegen einfach schlagen lassen", erinnert sich der 58-Jährige an die ersten sieben Rennen, in denen Barrichello nicht ein einziges Mal mehr Punkte geholt hat als Button.

Vettels Zeit wird noch kommen

Selbst für Vettel, dessen Leistung einige Experten sehr hoch einschätzen, wäre der WM-Titel möglicherweise noch zu früh gekommen. Doch Surer hält fest: "Sebastian wäre Weltmeister geworden, hätte er ein überlegenes Auto gehabt. Sein Auto war nicht immer überlegen. Von dem her hätten sich die Fehler weniger ausgewirkt. Vergangenes Jahr wurde Hamilton mit mindestens genauso vielen Fehlern Weltmeister."

"Sebastian hatte einfach das Pech, dass starke Gegner da waren, denn dadurch haben sich die Fehler brutaler ausgewirkt als sonst. Seine Leistung war aber sensationell", lobt der zweimalige Vierte von Formel-1-Rennen. "Man muss immer mit dem Teamkollegen vergleichen - und Webber hatte er meistens im Griff. Als Neuling ins Team zu kommen und den Teamleader zu deklassieren, das war schon sensationell."

Außerdem müsse man dem 22-jährigen Deutschen zugestehen, dass er deutlich weniger Erfahrung hatte als seine direkten WM-Gegner in dieser Saison: "Ich finde, ein junger Fahrer darf Fehler machen", unterstreicht Surer. "Das Team hat auch Fehler gemacht respektive sie haben Pech gehabt, aber ich denke hier speziell an das Rennen in Spa: Das haben sie weggeworfen, weil sie die falsche Entscheidung getroffen haben, nicht zu trainieren."

Generell habe er in Vettel wieder jene Qualitäten ausgemacht, die "einen zukünftigen Weltmeister" ausmachen. Daher glaubt Surer, dass Vettel und auch Nico Rosberg (wahrscheinlich im Brawn-Mercedes) 2010 die deutschen Fahnen hochhalten werden. Vorteile sieht er bei Vettel, denn: "In der Regel muss man sagen: Der, der schon Rennen gewonnen hat, hat immer die besseren Aussichten, denn der erste Sieg ist immer der schwierigste. Der steht Rosberg noch bevor."

Fotoquelle: Brawn

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