Hermann Tilke hat seit über vier Jahren am Abu-Dhabi-Projekt gearbeitet

Formel 1 2009

— 28.10.2009

Tilke: "Wichtig ist, dass Fehler leicht möglich sind"

Streckendesigner Hermann Tilke über den neuen Yas Marina Circuit in Abu Dhabi: 17.000 Bauarbeiter für 5,5 Kilometer

Wenn die Formel 1 an neuen Orten gastieren möchte, kommt man um den Namen Hermann Tilke kaum noch herum. Der Architekt aus Aachen hat sich mit seinen Fachleuten in den vergangenen Jahren zum weltweit führenden Streckendesigner gemacht. Für die Umbauten am Nürburgring und in Hockenheim zeichnete Tilke ebenso verantwortlich wie bei den Neubauten in Istanbul, Schanghai, Malaysia oder Bahrain.

Das neueste Projekt des Aacheners ist gleichzeitig wohl das spektakulärste: Der Yas Marina Circuit in Abu Dhabi. Zweieinhalb Jahre haben 120 Ingenieure und Architekten von Tilke mit bis zu 17.000 Bauarbeitern an der Umsetzung des gigantischen Projektes gearbeitet. "Es gab eine ganz normale Ausschreibung. Es sollte eine kleine Rennstrecke werden, passend zu der dort entstehenden Ferrari-World", sagt Tilke gegenüber 'Spiegel online'.

"Später sind die Verhandlungen aufgenommen worden von Abu Dhabi mit Bernie Ecclestone, um die Formel 1 zu bekommen. Dann haben sich die Voraussetzungen geändert", erklärt der Hobbyrennfahrer. Aus einem kleinen Kurs für Clubrennsport wurde ein 5,5 Kilometer langes Formel-1-Projekt wie es die Welt bislang noch nicht gesehen hat: Die Boxen klimatisiert, der Streckenverlauf zwischen zwei Hotelkomplexen hindurch, die Boxenausfahrt durch einen Tunnel.

Spezieller Asphalt für variable Temperaturen

Vor vier Jahren startete die Planungsphase, der Bau begann im Frühling 2007. "Die Strecke muss unbedingt in den Abendstunden befahrbar sein, weil dort das Leben am Abend beginnt", beschreibt Tilke. "Das heißt, sie muss zum Beispiel komplett beleuchtet sein. Beim Asphalt muss man aufpassen, dass der nicht anfängt zu schmelzen und sich aufzulösen und dann unter Belastung zu einer Buckelpiste wird. Dafür haben wir spezielle Rezepturen entwickelt."

Zwei lange Geraden sollen für Action im Rennen sorgen. "Der Pilot soll auf der einen Geraden aufschließen um die andere dann leichter zum Überholen nutzen zu können. Ansonsten ist es ein Mix aus schnellen und langsamen Kurven. Wir haben versucht, es den Ingenieuren nicht einfach zu machen eine optimale Abstimmung fürs Auto zu finden. Ein Kompromiss beim Setup des Formel-1-Autos bedeutet auch eine höhere Fehlerquote beim Fahren und das bedeutet wiederum spannende Rennen."

"Wichtig ist, dass Fehler leicht möglich sind", erklärt der Architekt. "Die erste Kurve am Nürburgring zum Beispiel. Dort ist es fahrdynamisch für einen Formel-1-Wagen äußerst schwierig, die richtige Linie zu finden. Wenn man die innere fährt, wahrscheinlich die schnellste, hat man ein hohes Risiko, dass dort beide Vorderräder kurz abheben, man kann also nicht lenken. Eine Fehlermöglichkeit, und der Hintermann kann dann überholen oder zumindest aufschließen."

Computer berechnet Kurvengeschwindigkeiten

Entsprechende Pläne für eine neue Strecke entstehen zunächst am Computer. Dort werden sie nicht nur gezeichnet, sondern auch bereits berechnet. "Wir fahren die Strecke vorher mit Hilfe eines Simulationsprogramms ab. Das muss man sich aber nicht wie ein Computerspiel vorstellen, unsere Rechner spucken nur Daten aus. Wir kennen dann die Geschwindigkeiten an jeder Stelle, die Bremszonen, wissen, wo Überholvorgänge passieren werden."

Anhand der Simulationsdaten werden dann in Absprache mit der FIA und der Fahrergewerkschaft GPDA die Sicherheitszonen entworfen. Auch Bernie Ecclestone werde bei solchen Planungen frühzeitig mit einbezogen. "Er hat oft gute Ideen", erklärt Tilke, der immer auf der Suche nach der perfekten Rennstrecke für spannenden Sport ist. "Es gibt ja Strecken, die sind superinteressant zu fahren, aber darauf kommt es nicht an. Die Rennen sollen spannend sein. Das ist das Ziel."

Ob dieses Ziel in Abu Dhabi erreicht wurde, können Motorsportfans am kommenden Wochenende beim Saisonfinale der Formel 1 entdecken. Für Tilke ist zwar der Bau des Yas Marina Circuit ein besonderes, aber längst nicht das einzige Projekt auf der aktuellen Agenda. "Wir bauen im Moment elf Strecken. Für die Formel 1 sind das Indien und Südkorea. Die anderen sind internationale Rennstrecken, aber keine für die Formel 1."

Fotoquelle: xpb.cc

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