Der neue Champion: Jenson Button ist entspannt wie schon lange nicht mehr

Formel 1 2009

— 29.10.2009

Button: "Ein Rennen zum Spaß haben"

Völlig gelöst geht der neue Champion Jenson Button in das letzte Saisonrennen und in die Verhandlungen über einen neuen Vertrag bei Brawn GP

Früher hatte Jenson Button ein Playboy-Image, war als Partylöwe der Formel 1 bekannt. Wie die Zeiten sich ändern: Nach seinem vorzeitigen Titelgewinn hat der Brite zwar mit seinem Team angestoßen und gefeiert, aber anschließend zog er sich gemeinsam mit Freundin Jessica Michibata zur Entspannung zurück. Statt Partymusik und Feierstimmung gab es Strand und Fitnesstraining. Wie der Brawn-Pilot die Tage nach dem Interlagos-Rennen empfunden hat, beschrieb er den Medien in Abu Dhabi.

Frage: "Jenson, wie oft hast du in den vergangenen Tagen darüber nachgedacht, dass du nun Weltmeister bist?"
Jenson Button: "Ich habe es aufgegeben, es zu zählen. Die Tage nach dem Interlagos-Rennen waren wirklich heftig. Ich hatte Termine für Sponsoren, habe mich am Mittwochvormittag schon im Simulator vorbereitet. Am Nachmittag war ich dann mit dem Team zusammen. Wir haben alle zusammen in der Firma gefeiert. Das war sehr emotional, ganz toll. Den Rest der Zeit habe ich ganz entspannt gemeinsam mit meiner Freundin in Dubai verbracht, während das Team den Trip nach Abu Dhabi vorbereitete."

Frage: "Wie hast du es geschafft, dich am Samstag nach einem mäßigen Qualifying für das Rennen am Sonntag wieder aufzuraffen?"
Button: "Ich muss zugeben, dass ich im ersten Moment nach dieser anstrengenden Qualifikation schon niedergeschlagen war. Aber dann habe ich mich mit dem Team zusammengesetzt und wir haben eine Strategie für den Sonntag erarbeitet. Nachdem wir uns dann alle Daten angeschaut hatten, fühlte ich mich schon wieder viel besser."

"Mir war klar, dass man auch von Startplatz 14 etwas erreichen kann. Ich kannte das aus dem Jahr 2006, als ich von weit hinten auf Platz drei nach vorne gefahren war. Interlagos ist eine Strecke, auf der man gut überholen kann. Das hat sich dann auch im Rennen wieder gezeigt."

Frage: "Du hattest sicherlich seit dem Titelgewinn einige nette Feiern. Hat sich für dich etwas verändert, seit du Weltmeister bist?"
Button: "Ich habe gar nicht viele Parties gefeiert. Ich habe mit dem Team in der Firma gefeiert, aber sonst war ich eher mit Freunden zusammen und habe mich entspannt. Ich habe trainiert und am Strand gelegen. Manchmal sind mir die Dinge aus Brasilien durch den Kopf gegangen. Ich habe natürlich darüber nachgedacht, was ich nun erreicht habe. Aber viel gefeiert habe ich eigentlich nicht."

"Bernie Ecclestone sagt ja vielleicht zurecht, dass ich noch nichts in der Tasche habe und ich erst so richtig im Dezember zum Weltmeister gekürt werde. Aber natürlich glaube ich nicht das, was er sagt. (lacht) Ich habe den Titel gewonnen. Es ist irgendwie ganz anders als erwartet. Ich habe 21 Jahre lang darauf hingearbeitet, es war mein Traum, Formel-1-Weltmeister zu werden. Ich habe mein ganzes Leben darauf ausgerichtet."

"Es fühlt sich komisch an, aber ich genieße es. Jetzt will ich dieses Wochenende genießen. Es ist wie ein Rennen abseits der Meisterschaft, einfach nur zum Spaß haben. Wenn dieses Rennen vorbei ist, dann mache ich mir auch langsam mal Gedanken über 2010."

Frage: "Ist der Titelgewinn wie eine Befreiung?"
Button: "Nein, Erleichterung oder Befreiung fühlt man nicht, wenn man so hart an etwas gearbeitet hat. Es ist einfach ein ganz besonders Gefühl, wenn man etwas schafft, wovon man schon als Kind geträumt hat. Man erträumt sich als Kind so viele Dinge, aber es ist doch wirklich selten, dass etwas davon tatsächlich mal in Erfüllung geht."

"Als ich 1999 vor dem Schritt in die Formel 1 stand, dachte ich immer, man könnte sich weiter mit rein fahrerischen Mitteln einfach so durchsetzen. Aber so einfach ist es nicht. Es ist ein unglaublich harter Sport, man muss sehr intensiv arbeiten. Es ist jedes Jahr immer wieder eine heftige Aufgabe, ein harter Job. Und jedes Jahr kommt etwas anderes dabei heraus, mal gute Ergebnisse, mal schlechte. Dass ich ausgerechnet nach zehn Jahren jetzt ganz oben stehe, ist ganz besonders toll."

"Es gab in der Vergangenenheit schon viele Weltmeister und alle haben das vielleicht unterschiedlich aufgenommen. Alle hatte auch einen unterschiedlichen Weg dorthin. Ich habe meinen Weg bis an die Spitze sehr genossen, auch die schlechten Tage. Man lernt an solchen Tagen unglaublich viel, so etwas stärkt die Persönlichkeit."

Frage: "Welche Eindrücke hast du von der neuen Strecke in Abu Dhabi?"
Button: "Ich habe das Layout vor ein paar Wochen erstmals gesehen und war mir nicht so sicher. Ich hatte den Eindruck, dass es ein langsamer Kurs ist, der keine großen Besonderheiten aufweist. Ich bin dann aber in der vergangenen Woche in den Simulator geklettert und hatte dabei richtig Spaß. Die Strecke ist knifflig, denn die Kurven fallen manchmal sehr nach außen ab. Das macht es ganz schön kompliziert."

"Ich bin dann mit dem Motorroller eine Runde gefahren. Die Strecke ist ganz lustig, es kann ein schönes Rennen werden. Es gibt einige schnelle Passagen, die ich für Vollgasabschnitte gehalten hatte. Aber manchmal ist es doch etwas enger. Man kann nicht einfach ein passendes Setup suchen, um voll durch diese Abschnitte fahren zu können. So einfach wird das nicht."

Frage: "Wie denkst du über die aktuellen Diskussionen bezüglich des Grand Prix von Großbritannien?"
Button: "Der Grand Prix ist sehr wichtig. Ich habe zwar bei meinem Heimspiel nie besonders gut ausgsehen, hoffe aber, dass sich das im kommenden Jahr ändern wird. Es gibt immer extrem viele Fans vor Ort. Nicht nur Fans, die mich oder Lewis unterstützen, sondern echte Rennfans, die den gesamten Sport lieben. Daher ist ein Rennen in Großbritannien sehr wichtig. Donington wäre spannend gewesen, aber es passiert nun eben nicht. Zum Glück haben wir mit Silverstone eine besondere Strecke in der Hinterhand."

Frage: "Wirst du deinen Titel im kommenden Jahr mit einem Brawn-Fahrzeug versuchen zu verteidigen?"
Button: "Ich habe schon vor Wochen oder sogar Monaten gesagt, dass die Gespräche mit dem Team erst dann beginnen, wenn die Weltmeisterschaft entschieden ist. Wir fangen also gerade erst damit an. An diesem Wochenende fahren wir ein Rennen und in der kommenden Woche werden die Gespräche dann sicherlich intensiver. Wir sind in Gesprächen und das ist erst einmal wichtig."

Fotoquelle: xpb.cc

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