Mario Theissen (rechts) mit Klaus Draeger, Mitglied des BMW Vorstands

Formel 1 2009

— 01.11.2009

Wehmütiger Theissen trinkt das letzte Bier

Mario Theissen gilt nicht als sonderlich gefühlsbetonter Mensch, den Emotionen nach dem Abschied in Abu Dhabi kann er sich aber nicht entziehen

"Ich bin kein besonders emotioneller Mensch", sagt Mario Theissen über sich selbst. Wer den "Doktor", wie er von vielen seiner Kollegen teils respekt-, teils liebevoll genannt wird, kennt, der stellt ihm diese Selbsteinschätzung nicht in Abrede. Doch den Emotionen nach dem allerletzten Grand Prix von BMW heute in Abu Dhabi konnte sich der 57-Jährige dann doch nicht ganz entziehen.

"Als die Zielflagge fiel, waren wir alle noch voll auf das Rennen konzentriert", spielt er zunächst den professionellen Manager, ehe er sich doch noch auf eine etwas gefühlsbetontere Ebene einlässt: "Meine Gefühle kommen gerade erst hoch. Am Rennwochenende waren wir alle sehr konzentriert. Jetzt ist die Spannung weg. Die Gefühle sind gemischt. Ich freue mich über das gute Ergebnis, aber es ist traurig, dass wir gehen werden."

Das letzte Bier

"Wenn die Spannung abfällt und du inmitten der Mannschaft stehst, die vier Jahre lang enorm hart für dieses Team gearbeitet hat, dann ist das schon ein sehr spezieller Moment. Man hat ein Bier in der Hand - vielleicht ist es das letzte", sagt Theissen. Seine Stimme klingt, als würde er sich bemühen, zumindest ein kleines Tränchen zu unterdrücken. Auf die Frage, ob dies das letzte Interview sei, antwortet er dann aber doch cool: "Vielleicht. Ich weiß es nicht."

Die Entscheidung über seine eigene Zukunft hat der leidenschaftliche Motorsportfan bis nach Saisonende vertagt. In den nächsten Wochen wird er sich darüber Gedanken machen. Zunächst steht aber die Sicherung eines Startplatzes im Vordergrund. Dafür muss wohl eines der neuen Teams vorzeitig aufgeben: "Alle sagen, dass es unwahrscheinlich ist, dass 14 Teams bereit sein werden. Vielleicht nicht einmal 13. Aber das sind im Moment nur Spekulationen", weiß Theissen.

"Mit den letzten drei oder vier Rennen bin ich sehr zufrieden", sagt er rückblickend. "Es war eine extrem schwierige Saison für das Team. Wir hatten zuerst Probleme mit der Performance und dann kam die Entscheidung für den Ausstieg. Das machte uns das Leben nicht einfacher. Umso mehr wollten wir kämpfen und nicht mit einem Tief aussteigen." Tatsächlich hatte man das Gefühl, mit der Entscheidung des Vorstands ging ein Ruck durch die Mannschaft.

Wende ab Singapur

In Hinwil wurde für September das letzte große Update entwickelt, das tatsächlich anschlug: "Ab Singapur waren wir wieder konkurrenzfähig und in São Paulo fuhr Robert sogar auf das Podium. Auch die Performance hier war stark. Wir haben das Team wieder da hinbekommen, wo es hingehört. Dass wir mit den paar Punkten durch Nick auch noch Williams in der Konstrukteurs-WM überholt haben, ist ein versöhnliches Ende", freut sich Theissen über den sechsten WM-Platz.

Die Frage nach der Bilanz aller zehn Jahre ist unvermeidlich. Die Antwort fällt ehrlich aus: "Ich bin zufrieden mit der Energie, die wir reingesteckt haben. Wir haben unsere Sache so gut gemacht, wie wir konnten. Wir hatten schöne Erfolge. Leider ist uns das ultimative Ziel, der Gewinn der Weltmeisterschaft, versagt geblieben, aber davon abgesehen war es eine fantastische Zeit für mich, für das Team, für BMW. Insgesamt bin ich zufrieden."

Theissen zeigt Verständnis für den Vorstand, der wegen einer "Neuorientierung" des Konzerns den Formel-1-Stecker zog, macht aber gleichzeitig keinen Hehl daraus, dass er gerne weiterhin versucht hätte, Weltmeister zu werden, denn: "Natürlich ist es immer besser, wenn man ein Programm nach dem Erreichen aller Ziele beendet. Jetzt müssen wir ohne Weltmeisterschaft gehen. Das ist das, was ich am meisten bedaure."

Fotoquelle: xpb.cc

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