Dieter Zetsche und Norbert Haug denken über verschiedene Optionen nach

Formel 1 2009

— 03.11.2009

Mercedes bekennt sich zu McLaren

"Wir werden definitiv mit McLaren weitermachen", sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug - Trennung vorerst doch aufgeschoben?

Es gilt als offenes Geheimnis, dass bei Mercedes in Stuttgart intensiv darber nachgedacht wird, die 40 Prozent von Daimler an der McLaren-Gruppe abzustoen und stattdessen mit 75 Prozent bei Brawn einzusteigen. Medienberichten zufolge htte der Automobilhersteller bei Brawn dank einer Dreiviertelmehrheit bei geringeren Kosten mehr Einfluss.

Doch obwohl in Abu Dhabi im Beisein von McLaren-Vorstand Ron Dennis und Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche wohl nicht nur ber die Geschehnisse auf der Strecke geplaudert wurde, schweigen die Beteiligten nach wie vor zu den Gesprchen hinter den Kulissen: "Es gibt nichts Neues, sonst wrde ich das erzhlen. Und Spekulationen kommentieren wir sowieso nicht", winkt Mercedes-Sportchef Norbert Haug wiederholt ab.

Dennis und Zetsche: Nur Zufall?

Den Besuch seines Chefs in Abu Dhabi will Haug nicht berbewertet wissen: "Doktor Zetsche hat Ross Brawn ganz offiziell zum Weltmeistertitel gratuliert, wie sich das gehrt. Das war ihre erste Live-Bekanntschaft", sagt er. Und McLaren-Teamchef Whitmarsh erklrt Dennis' Rckkehr ins Fahrerlager folgendermaen: "Ron ist nicht in einer Formel-1-Funktion hier. Er denkt nicht ber die Formel 1 nach und er spricht nicht ber die Formel 1. Er trifft sich mit Investoren fr das Sportwagenprogramm."

Selbst "Teddybr" Ross Brawn versichert glaubwrdig: "Ich wei nicht, ob es bald Neuigkeiten geben wird." Dass er Mercedes gerne an Bord holen wrde, gilt aber als offenes Geheimnis. Und der Brite sagt schmunzelnd: "Wir haben den Stern ja schon drauf, oder besser gesagt drunter, nmlich unter der Motorhaube! Wir freuen uns sehr, dass uns dieser Motor dabei geholfen hat, Weltmeister zu werden. Das war ein wichtiger Bestandteil des Pakets."

Noch ist aus Stuttgart nicht durchgesickert, ob die Gesprche in Abu Dhabi gefruchtet haben. Angeblich will Daimler die 40 Prozent mglichst sofort an Dennis zurckverkaufen, um nicht erst Ende 2011, sondern schon diesen Winter bei Brawn einsteigen zu knnen. Derzeit sind McLaren und Mercedes ja ber einen Exklusivvertrag aneinander gebunden. Der luft noch fr weitere zwei Jahre. Klar ist aber jetzt schon: Motoren wird Mercedes auch 2010 an McLaren liefern.

Und zwar unabhngig vom Ausgang der derzeit stattfindenden Verhandlungen, wie Whitmarsh besttigt, wenn er sagt: "Daimler ist mit 40 Prozent ein sehr wichtiger Teilhaber. Wir sind schon seit 15 Jahren Partner und wir knnen noch sehr lange Partner bleiben. Wir arbeiten fantastisch zusammen." Haug stimmt zu: "Wir werden definitiv mit McLaren weitermachen", nickt der Deutsche und fgt an: "Dieses Team arbeitet besser zusammen als je zuvor."

Stolz auf Partner McLaren

"Bemerkenswert an McLaren, an den Chassisjungs, ist, dass ein komplett neuer Stil eingefhrt wurde", spielt er auf die erstaunliche Wende nach dem miserablen Saisonbeginn an. "Die vergangenen fnf oder sechs Monate waren vielleicht die beste Arbeitsperiode in der Geschichte von McLaren, auf jeden Fall in der Geschichte unseres Teams. Dieses Team ist strker als je zuvor. Das Verhltnis zwischen den Mitarbeitern an der Strecke ist groartig."

"Ich habe es immer schon so empfunden, dass wir von Dieter und Daimler hervorragend untersttzt werden", unterstreicht Whitmarsh. "Und wenn Mercedes-Benz nicht so leidenschaftlich an die Formel 1 herangehen wrde, dann wrde es diese Diskussionen gar nicht geben. Viele Hersteller sind widerwillig hier oder steigen aus. Da ist mir ein Hersteller lieber, der sich nach mehreren Optionen umsieht und Leidenschaft und Enthusiasmus zeigt. Das macht sie zu so einem starken Partner."

Der Brite ist sich sicher, dass die Medien die Angelegenheit hochspielen: "Natrlich wnschen sich die Menschen eine Story, aber es gibt keine Story. Wir arbeiten hart zusammen und wir wollen nchstes Jahr Weltmeister werden. Ich sehe diese berlegungen gar nicht als kontraproduktiv an. Wir sind uns gegenseitig verpflichtet - wir gegenber Daimler und Daimler gegenber uns. Wir werden in der Formel 1 noch viele Jahre zusammen bleiben."

Ein Argument, das nach Meinung von Branchenkennern fr einen Ausstieg bei McLaren spricht, ist, dass Woking und nicht Stuttgart bei wichtigen Entscheidungen das letzte Wort haben soll. Speziell zu Dennis' Zeiten als Teamchef sei dies ein Problem gewesen. Doch Haug streitet ab, dass Mercedes zu wenig Mitspracherecht hat: "Wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam. Darber kann ich mich nicht beschweren, auch wenn es auen anders dargestellt wird."

Whitmarsh will keine Verantwortung

"Mercedes bekommt viel zurck. Wenn ich das mit anderen Herstellern vergleiche, sind wir sehr gut reprsentiert", stellt der 56-Jhrige fest. Und zwischendurch wirft Kollege Whitmarsh ein, dass man ohnehin nicht alles auf die goldene Waagschale legen drfe, was derzeit gesagt wird: "Im Moment finden Diskussionen zwischen den Teilhabern statt. Norbert und ich reprsentieren das Team und nicht die Teilhaber."

Damit besttigt der Teamchef immerhin schon mal, dass Diskussionen stattfinden. Diese Tatsache leugnet auch Haug inzwischen gar nicht mehr. ffentlich darber reden will er aber verstndlicherweise nicht: "ber andere Optionen zu sprechen, die vielleicht im Hintergrund diskutiert werden, wre nicht richtig. Die einzige Entscheidung, die feststeht, ist, dass McLaren und wir Partner und auf lange Zeit miteinander verbunden sind."

Unabhngig davon, ob er nun zum Mercedes-Werkspartner wird oder nicht, freut sich Brawn selbst darber, dass seine Ingenieure dieses Jahr mehr Zeit fr die volle Integration des V8-Motors hatten. Im Vorjahr fiel die Entscheidung bekanntlich erst im Dezember. Dass es nun bereits eine Entscheidung fr 2010 gibt, sei wichtig, denn: "Der Benzinverbrauch wird nchstes Jahr entscheidend sein. Die Effizienz in all diesen Bereichen knnte fr 2010 ein Schlsselelement sein."

"Wir hatten nicht viel Zeit, um diesen Motor ins aktuelle Auto zu installieren. Dinge wie das Auspuffsystem und die Airbox konnten wir fr das neue Auto grndlicher entwickeln", erklrt der Weltmeistermacher. "Wir konnten im zweiten Jahr mit Mercedes einfach frher anfangen und hatten daher mehr Zeit, um das Getriebe, das Chassis und die Khlung besser an den Motor anzupassen. Das sollte uns helfen."

Fotoquelle: xpb.cc

Weitere Formel 1 Themen

News

Top 10: Die dominantesten Autos der Formel-1-Geschichte

News

Formel-1-Live-Ticker: Der Sonntag in der Chronologie

News

Fotostrecke: Die grten Hassduelle der Formel-1-Geschichte

News

Formel 1 Ungarn 2017: Teamorder-Diskussionen bei Vettel-Sieg

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung