Sebastian Vettel ist einer der Aufsteiger der Formel-1-Saison 2009

Formel 1 2009

— 03.11.2009

Vettel fühlt sich als erster Verlierer

Versöhnliches Saisonende, aber trotzdem nicht ganz glücklich: Sebastian Vettel über erste Vorahnungen und entgangene Chancen

Vor Saisonbeginn hätte Sebastian Vettel wohl glatt unterschrieben, wenn ihm jemand den Vize-WM-Titel angeboten hätte, doch angesichts dessen, wie die 17 Rennen verlaufen sind, fühlt sich der Red-Bull-Pilot nicht wie von den meisten Experten festgestellt als Aufsteiger, sondern als erster Verlierer des Formel-1-Jahres 2009.

"Es ist ein gängiges Sprichwort, dass der Zweite der erste Verlierer ist. Als ich das gesagt habe, habe ich es auch so empfunden. Es ist immer hart, wenn einem eine solche Gelegenheit durch die Finger gleitet", erinnert sich Vettel an seine Enttäuschung unmittelbar nach der WM-Entscheidung in São Paulo. Am Ende gewann er zwar noch den Grand Prix von Abu Dhabi, doch auf Weltmeister Jenson Button fehlten trotzdem elf Punkte.

Erste Enttäuschung ist verdaut

Der Abschlusssieg am Sonntag habe den bitteren Beigeschmack von São Paulo zwar weggewischt, "aber er hat auch gezeigt, was drin gewesen wäre", seufzt der 22-Jährige. "Jetzt zu jammern, bringt nichts mehr - geschehen ist geschehen. Es gibt ohnehin keinen besseren Weg, als sich mit einem Doppelsieg aus der Saison zu verabschieden. Zumindest gehen ich jetzt mit einem sehr viel besseren Gefühl in die Winterpause, als wenn ich nicht gewonnen hätte."

Vettel gilt als perfekte Kombination deutscher Tugenden: Der Heppenheimer ist fleißig, hart auf der Rennstrecke und zu sich selbst, tapfer und zuverlässig - und mit einem Talent gesegnet, dass selbst in der Formel 1 keineswegs selbstverständlich ist. Dazu gilt er als sehr angenehmer und bodenständiger Zeitgenosse, stets zu einem Scherz aufgelegt. Das kann jedoch nicht über seinen Ehrgeiz hinwegtäuschen, der 2009 manchmal auch für Außenstehende zu sehen war.

"Wenn dich die Wut überkommt, du aussteigen, das Lenkrad wegschleudern und alles um dich herum zerstören möchtest, dann ist es manchmal schon schwierig, dich zu kontrollieren", wird er von 'formula1.com' zitiert. "Aber diese Autos sind ziemlich teuer, da musst du dich zusammenreißen. Wenn du dann hinter verschlossenen Türen bist, kannst du deinem Ärger freien Lauf lassen. Und wenn ich ganz alleine in meinem Zimmer bin, fliegen auch schon mal Gegenstände durch die Luft."

"Ich hasse es, zu verlieren", gesteht Vettel wenig überraschend. "Das wusste ich schon immer, aber nach dieser Saison bin ich mir ganz sicher. Das gilt nicht nur für das Rennfahren, sondern für alles, was ich tue - ob es nun irgendein blödes Spiel ist oder Fußball, was auch immer. So gesehen ist das Rennfahren der perfekte Sport für mich, denn da kann wenigstens niemand mein Gesicht sehen, wenn es mal nicht so gut läuft."

Webber mit 15:2 deklassiert

Verloren hat er dieses Jahr zwar den WM-Titel, gewonnen dafür den Respekt der Motorsportfachwelt. Aus dem jungen Supertalent ist in den vergangenen zwölf Monaten ein gestandener Weltmeisterkandidat geworden. Vettel hat 2009 vier Grands Prix gewonnen, stand vier weitere Male auf dem Podium und entzauberte ganz nebenbei im teaminternen Stallduell den als Superqualifyer geltenden Mark Webber mit 15:2.

Dass diese Saison etwas gehen könnte, war ihm schon früh klar: "Wenn du realisierst, dass du in einem konkurrenzfähigen Auto sitzt, dann beginnst du natürlich über den Titel nachzudenken", gibt Vettel zu. "Das war ehrlich gesagt schon sehr bald der Fall. In Melbourne dämmerte mir erstmals, dass wir ein sehr konkurrenzfähiges Auto haben, aber Australien ist ein Stadtkurs, also wollte ich erst noch Malaysia abwarten."

"Dann kamen wir nach China, zur zweiten echten Rennstrecke - und wir waren wieder schnell. Da war mir klar, dass das wirklich eine sehr gute Saison werden könnte", erinnert sich Vettel. "Ich kann jetzt zugeben, dass ich ab dem zweiten oder dritten Rennen auch an die Weltmeisterschaft gedacht habe. Die Strafe für den Zwischenfall in Melbourne hat natürlich für Malaysia nicht geholfen, aber das hat nichts daran geändert, dass das Auto großartig war."

"Als Fahrer habe ich vom letzten auf dieses Jahr einen großen Schritt gemacht - auch von der Fitness her. Ich würde sagen, dass ich gewachsen bin und meine Performance sehr verbessert habe. Manchmal - nicht oft - hätte ich vielleicht etwas ein bisschen besser machen können. Zum Beispiel hätte ein besseres Qualifying in Spa Auswirkungen auf das Rennergebnis gehabt, denn dort hatten wir das schnellste Auto", so der Red-Bull-Pilot abschließend.

Fotoquelle: xpb.cc

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