Nach dem Ausstieg: Kamui Kobayashi bekommt seine Toyota-Chence 2010 nicht

Formel 1 2009

— 05.11.2009

Toyota-Ausstieg: Fluch oder Segen?

Wie der Formel-1-Abschied von Toyota im Fahrerlager aufgenommen wird: Logischer Schritt, Abbau von Ballast, Chance für Sauber

Der Formel-1-Ausstieg von Toyota hat zwar am Mittwoch hohe Wellen geschlagen und teils Bestürzung hervorgerufen, doch nur einen Tag später haben sich die Wellen etwas gelegt und es wird nüchtern analysiert. Eine riesige Überraschung war der Schritt der Japaner nach acht nur mäßig erfolgreichen Jahren in der Königsklasse nun also doch nicht. Manchem erscheint der Abschied des weltgrößten Autobauers logisch, für Peter Sauber bedeutet er gar eine große Chance.

"Mit großer Bestürzung haben wir den Ausstieg von Toyota zur Kenntnis genommen", erklärt Red-Bull-Teamchef Christian Horner in der britischen 'BBC'. "Man muss an die Arbeitnehmer denken. Ich schätze, dass nun annähernd 1.000 Leute vor einer ungewissen Zukunft stehen, falls sie nicht in anderen Programmen zum Einsatz kommen." Angeblich sollen am Toyota-Standort in Köln-Marsdorf nur rund 150 von derzeit rund 700 Arbeitsplätzen erhalten werden.

"Es ist sehr enttäuschend, dass die Formel 1 einen großen Namen und gleichzeitig den weltgrößten Autobauer verliert", sagt Horner weiter. Kritisch fügt der britische Teamchef hinzu: "Das zeigt aber gleichzeitig, dass sich die Formel 1 nicht auf die Hersteller verlassen kann. Die unabhängigen Teams sind die Seele und das Herz der Formel 1. Sie kommen und gehen nicht einfach wie es die Hersteller tun."

Die Privatteams als Fundament der Formel 1

An die Stelle der ausscheidenden Teams rücken mit US F1, Manor, Campos und Lotus weitere Privatteams. Vorausgesetzt, alle Neulinge schaffen den Sprung in die Formel 1 tatsächlich. "Wir haben nach wie vor ein gutes Starterfeld. Der Ausstieg von Toyota bedeutet die Chance für Sauber, den Platz nun einzunehmen. Wir stehen also trotzdem vor einem spannenden Jahr 2010. Wir werden hoffentlich 13 Teams haben. Leider allerdings ohne Toyota. Das ist eine Schande und ein großer Verlust", fasst Horner zusammen.

"Der Toyota-Ausstieg aus der Formel 1 überrascht mich nicht", sagt Niki Lauda gegenüber 'autobild.de'. "Jahrelang haben die Japaner versucht, mit dem größten Budget in der Formel 1 Erfolge einzufahren und haben alle selbst gesteckten Ziele verfehlt. Sie gewannen noch nicht einmal ein Rennen", grantelt der österreichische Ex-Weltmeister. "Es gab Anzeichen für den Ausstieg. Beispielsweise, dass sie ihren Fahrern keine neue Verträge anboten."

Seltsam mutet jedoch das Verhalten von Teamchef John Howett an, der in den vergangenen Wochen angeblich Verhandlungen mit Hochkarätern geführt hatte. Zuerst wollte sich der Brite Robert Kubica angeln, später folgten offenbar Gespräche mit Kimi Räikkönen. "Ich befürchte stark, dass als nächstes Renault folgen wird", sagt Lauda. Am Mittwoch soll es in Paris eine Vorstandssitzung gegeben haben, auf welcher über die Zukunft des französischen Rennstalls gesprochen wurde.

Lauda rechnet zwar mit Konsequenzen bei Renault aufgrund von "Crashgate", Erfolglosigkeit, Sponsorenabwanderung und Wirtschaftskrise. "Allerdings in abgeschwächter Form", sagt der Ex-Champion. Er erklärt: "Sie werden versuchen, das Team oder Anteile zu verkaufen und so trotzdem dabeizubleiben. Wenn sie dann gewinnen sollten, steht der Name Renault ganz vorne. Da sehe ich kein Problem." Großer Profiteur sei Mercedes. Die Stuttgarter verstehen es aus Sicht von Lauda mit Abstand am besten, die Plattform Formel 1 vollständig zu nutzen.

Ein Selbstreinigungsprozess in der Königsklasse?

"Die Formel 1 befindet sich im Moment in einer Art Sauna, in welcher der unnötige Ballast ausgeschwitzt wird", malt Lauda ein Bild von der aktuellen Situation in der Königsklasse. "Danach gibt es 'abgespeckt' einen Neuanfang. Ich bin überzeugt, dass die Mercedes-Philosophie langfristig von anderen Herstellern übernommen wird und wir in den nächsten Jahren neue Automobilfirmen sehen könnten. Effizienter kann man die Formel 1 nicht mehr als Marketingbühne nutzen!"

Der Ausstieg von Toyota hat nicht nur für trübe Gesichter gesorgt. In der Schweiz war ein leichtes Aufatmen zu vernehmen. Die Chancen auf einen Startplatz des Sauber-Nachfolgers Qadbak sind gestiegen. "Die Entscheidung von Toyota zum Ausstieg aus der Formel 1 bedauere ich", sagt BMW Motorsport Direktor Mario Theissen. "Natürlich hat die Entscheidung Auswirkung auf die Situation des BMW Sauber F1 Teams. Hierüber werden wir mit der FIA sprechen."

In Hinwil ist die Hoffnung auf ein gutes Ende der emotionalen und beruflichen Acterbahnfahrt der vergangenen Monate groß. "Wir haben nie aufgehört, das nächstjährige Auto zu entwickeln. Und wenn ich mir jetzt die letzten Resultate von Heidfeld und Kubica anschaue, dann dürfen wir sogar optimistisch sein", sagt Peter Sauber euphorisch in der Zeitung 'Blick'. Etwas vorsichtiger fügt er hinzu: "Die FIA muss unseren Platz zuerst offiziell bestätigen."

Fotoquelle: xpb.cc

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