Martin Birrane hofft weiterhin, mit Lola einen Weg in die Formel 1 zu finden

Formel 1 2009

— 20.11.2009

Lola-Chef glaubt weiter fest an Formel-1-Chance

Martin Birrane spricht über die gescheiterte Bewerbung, erklärt, warum er Lola als Bauernopfer sieht und verrät, warum man dennoch jederzeit einsteigen könnte

Als sich für neue Teams die Möglichkeit bot, 2010 in die Formel zu kommen, stürzte sich Lola mit Elan in das Projekt Rückkehr in die Königsklasse. Doch die Bewerbung scheiterte. Die FIA entschied sich für Campos, Lotus und US F1. Dennoch hat man bei Lola das Thema Formel 1 noch nicht abgehakt. Am MB01 wurde weiterentwickelt, im September wurde das Modell vorgestellt. Im Interview spricht Lola-Chef Martin Birrane über die Bewerbungsphase, das Auswahlverfahren der FIA und die Zukunft des Formel-1-Projekts.

Frage: "Martin, was waren die Hauptgründe dafür, dass Lola in die Formel 1 zurückkehren wollte?"
Martin Birrane: "Das erste Interesse wurde durch die Pläne für eine Budgetobergrenze geweckt, die die FIA 2010 einführen wollte. Wir haben schon recht früh davon erfahren - im Januar oder Februar - und haben sofort damit begonnen, Pläne für einen Einstieg zu machen."

"Aufgrund der ursprünglichen Pläne in Sachen Performance wären die neuen Teams 2010 in der Lage gewesen, es mit den etablierten Mannschaften aufzunehmen. Tatsache war, dass sich die Landschaft der Formel 1 ändern musste. Deshalb hätten die neuen Teams 2010 gegen die bestehenden Teams kämpfen können. Lola war immer dafür bekannt, für puren und wahren Rennsport zu stehen, und wir hätten sichergestellt, dass dieser Ruf bestätigt wird."

"Es war für Lola der richtige Zeitpunkt, um in die Formel 1 zurückzukehren. Wir hatten in eine neue Infrastruktur und Technologie investiert und waren damit in der Lage, ein konkurrenzfähiges Formel-1-Auto zu bauen. Und wir sind immer noch dazu in der Lage, das zu schaffen."

Frage: "Wie sah die Arbeit bei Lola aus, bevor die FIA im Juni ihre Entscheidung traf?"
Birrane: "Man kann durchaus sagen, dass wir uns dem Formel-1-Projekt mit großem Einsatz gewidmet haben. Wir wollen auf hohem Niveau teilnehmen und nicht einfach nur das Starterfeld auffüllen. Bei einem komplett neuen Formel-1-Projekt braucht man eine Vorbereitungszeit von neun bis zwölf Monaten, wenn man gegen die etablierten Teams konkurrenzfähig sein will."

"Im Juni hatten wir bereits ein erstes Programm im Windkanal durchlaufen und hatten bereits zwei Wochen Evaluierungsarbeit an einem dem Maßstab von 1:2 entsprechenden Modell geleistet. Wir hatten begonnen, unsere Fertigungshallen auszubauen - diese wurden im September fertiggestellt - und das Grundgerüst für das Lola-Formel-1-Team stand. Wir hätten sehr wahrscheinlich im Dezember 2009 mit einem Auto getestet. Im Moment profitiert unser LMP-Programm von den Modernisierungen, die in allen Abteilungen vorgenommen wurden, und die 2010er-Modelle der LMP1 und LMP2 werden damit etwas ganz Besonderes sein."

Enttäuschung nach dem Scheitern

Frage: "Wie verlief die Kommunikation zwischen Lola und der FIA vor der Entscheidung im Juni?"
Birrane: "Wir waren regelmäßig in Kontakt mit Max Mosley und Bernie Ecclestone, ebenso mit Tony Purnell, der für den gesamten Prozess verantwortlich zu sein schien. Das Verhältnis war sowohl zur FOM als auch zur FIA durchwegs gut. Natürlich waren wir enttäuscht, als bekannt gegeben wurde, dass wir neben Prodrive auf der Warteliste stehen. Aber Lola hat mit diesen Organisationen weiterhin eine konstruktive Beziehung und einen regelmäßigen Dialog."

Frage: "Was denkst du über das Verfahren, mit dem die FIA die drei erfolgreichen Bewerber ausgewählt hat?"
Birrane: "Ich glaube, dass die technischen Fähigkeiten in diesem Prozess nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Was die kommerziellen, finanziellen und sportlichen Dinge anging, erschien wirklich alles sehr sorgfältig analysiert. Uns wurde jedoch von der FIA signalisiert, dass bei Lola alles den geforderten Standards entspricht und dass es sich bei uns um eine Organisation handelt, die in der Formel 1 konkurrenzfähig sein kann. Es bleibt abzuwarten, ob die drei ausgewählten Teams mehr erreichen können als einfach nur dabei zu sein."

Frage: "Wie ist deine Meinung zur noch anhängigen Klage von N.Technology gegen die FIA?"
Birrane: "Lola wurde eingeladen, sich daran zu beteiligen, aber wir haben das abgelehnt. Ich möchte betonen, dass Lola mehr dafür ausgegeben hat, ein Formel-1-Projekt zu starten, als jedes andere der neuen Teams. Es war ein Risiko, aber wir waren bereit, es einzugehen. Man kann die Situation auch positiver sehen: Man muss einfach sicherstellen, dass man gut genug aufgestellt ist, um erfolgreich zu sein, falls sich die Gelegenheit noch einmal bietet. Und wir sind davon überzeugt, dass sie das tun wird."

Frage: "Wie steht es aktuell um das Formel-1-Programm von Lola? Arbeitet man aktiv daran, es wieder aufzunehmen?"
Birrane: "Wir sind weiter darauf vorbereitet, wieder in die Formel 1 einzusteigen. Bei Bedarf kann das Programm 2010 tatsächlich schnell wieder aufgenommen werden. Wir haben das Modell und Basisdaten, Produktions- und Projektpläne, ein komplette Montagevorrichtung für das Chassis. Wir haben auch einige der leitenden Mitarbeiter behalten, die wir für das Originalprogramm angestellt hatten."

"Sollte ein Platz frei werden, dann ist Lola das einzige Unternehmen, das diesen Platz sehr schnell mit einem gut entwickelten und konkurrenzfähigen Formel-1-Auto auffüllen kann. Ab 2011 gilt für die Teams die Mitarbeiterbeschränkung auf 280 Personen. Das begrüßen wir natürlich, denn das passt fast perfekt zu dem, was wir derzeit in Huntingdon haben. Ein Lola-Formel-1-Team würde sich freuen, 2011 in der Weltmeisterschaft dabei zu sein. Wir wären bereit, gewillt und dazu in der Lage, das Programm jederzeit wieder zu aktivieren."

Frage: "Hat Lola bei diesem Programm irgendwelche Direktiven von externen Parteien bekommen? Wurdet ihr gezwungen, einen Mehrjahresvertrag mit Cosworth zu unterschreiben?"
Birrane: "Wie all die anderen Teams, die es ernst gemeint haben, haben wir uns um ein Angebot eines der in der FOTA engagierten Hersteller bemüht. Tatsache war, dass es keines gab. Cosworth-Motoren waren verfügbar und wir waren gern bereit, einen Vertrag zu unterschreiben und eine Anzahlung zu leisten. Sagen wir so: Wir wurden schon auch von außerhalb dazu ermutigt, das zu tun, aber es wurde auf uns kein wirklicher Druck ausgeübt."

Opfer des FIA/FOTA-Kriegs?

Frage: "Was waren deiner Meinung nach die Gründe dafür, dass Lola nicht als einer der drei Neueinsteiger für 2010 ausgewählt wurde?"
Birrane: "Das war für uns zunächst auch ein großes Rätsel. Es ist aber klar, dass wir zu einem gewissen Grad als Bauernopfer zwischen FIA und FOTA benutzt wurden."

Frage: "Welche Auswirkungen hatte der Konflikt zwischen FOTA und FIA auf die Einstiegspläne von Lola? Und warum habt ihr die Bewerbung zurückgezogen, eine Woche nachdem ihr auf die offizielle Warteliste gekommen seid?"
Birrane: "Der Konflikt war für uns sehr störend und ganz sicher hat sich ein potenzieller Investor deshalb komplett zurückgezogen. Wir haben uns entscheiden, die Bewerbung zurückzuziehen, weil wir in diesem politischen Streit nicht benutzt werden wollten. Es gab zu diesem Zeitpunkt so viele Kämpfe und Unsicherheiten. Und alles, was wir wollten, war Rennen zu fahren."

Frage: "Möchte Lola das 2009er-Formel-1-Projekt verkaufen?"
Birrane: "Diese Option ziehen wir derzeit nicht in Erwägung, weil wir daran glauben, dass sich für Lola eine neue Chance bieten wird."

Frage: "Betrachten wir die kommerzielle Seite: Wie hätte Lola das Formel-1-Projekt finanziert?"
Birrane: "In der ersten Phase des Projekts stand ich selbst dafür gerade, unter dem Vorbehalt, dass die geplante Budgetobergrenze von 30 bis 40 Millionen Pfund abgesegnet wird. Es musste ein Unternehmen sein, das vollständig von Lola Cars getrennt ist - das war mir selbst schon sehr früh klar. Ich wäre der einzige Anteilseigner gewesen und derjenige, der es zunächst finanziert. Wir haben auch ernsthafte Gespräche mit zwei voneinander unabhängigen Investoren geführt."

Fotoquelle: Lola

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