Trotz des Verkaufs bleibt Frank Williams nicht nur auf Papier der Chef in Grove

Formel 1 2009

— 20.11.2009

Williams: "Irgendwann werde ich zu alt sein"

Frank Williams spricht über seinen neuen Partner aus Österreich und betont, dass er die Kontrolle vorerst nicht abzugeben gedenkt

Der überraschende Williams-Teilverkauf an den österreichischen Geschäftsmann Christian "Toto" Wolff könnte wie berichtet der Beginn einer langfristig ausgelegten Komplettübergabe des Traditionsteams aus Grove sein. Unbestätigten Informationen zufolge soll sich Wolff Optionen gesichert haben, die ihm in Zukunft den Kauf weiterer Anteile ermöglichen.

Frank Williams schließt gar nicht aus, dass sein Nachfolgeszenario Wolff heißen könnte: "Ich bin 67 und werde nicht ewig leben. Irgendwann werde ich zu alt für das hier sein, daher weiß ich das lieber nicht erst in letzter Minute geregelt", so der Brite anlässlich der heutigen Bekanntgabe. Wann er zurücktreten wird, weiß er aber noch nicht: "Die Formel 1 ist mein Leben. Solange ich geistig und körperlich dazu in der Lage bin, werde ich meine Arbeit fortsetzen."

Endlich die Hypothek bezahlen

Der wegen seinem Faible für militärische Disziplin - sein Vater war Offizier in der Royal Air Force - oft liebevoll "Rollstuhlgeneral" genannte Williams hat derzeit nicht vor, irgendetwas an seinem Engagement im Team zu ändern, aber: "Ich möchte mich um ein, zwei private Dinge kümmern können. In all den Jahrzehnten habe ich nie einen Penny aus der Firma genommen. Jetzt ist es Zeit, mal ein paar Rechnungen zu zahlen - zum Beispiel meine Hypothek."

Gleichzeitig betont er, dass sich am Tagesgeschäft "nichts ändern" werde - darum kümmert sich weiterhin Geschäftsführer Adam Parr. Wolff wird als einer von vier Direktoren künftig auch die Vorstandssitzungen des Teams besuchen, doch Williams stellt unmissverständlich klar: "Ich kann nicht genug betonen, dass er nur Minderheitsteilhaber ist. Die Firma unterliegt weiterhin meiner Kontrolle - und das bleibt auch so, bis ich ganz gehe."

Williams und Head hatten bisher im Verhältnis 70:30 die alleinige Kontrolle über ihren Rennstall. Wie viele Anteile an Wolff abgestoßen wurden, ist derzeit nicht bekannt, es soll sich jedoch um einen zweistelligen Prozentsatz handeln. Auf die Frage, von wem Wolff wie viel gekauft habe, entgegnet Williams nur: "Die Anteile waren bisher in einem bestimmten Verhältnis verteilt. Der Verkauf folgt mehr oder weniger dieser Verteilung."

Williams über Wolff

Der Brite beschreibt seinen neuen Partner als "gerissenen" Geschäftsmann: "Er hat schon zahlreiche Firmen besessen und gegründet und die meisten davon mit Gewinn verkauft. Er ist erst 37, was am meisten überrascht. Er ist ein sehr cleverer Mann und er hat ein oder zwei Investments laufen, über die er nur wenig spricht." Wolffs Geschäftskontakte werde man in Zukunft zum Beispiel für die Suche nach neuen Sponsoren nutzen.

Sportlich dürfte der in der Schweiz lebende Österreicher zunächst keine Entscheidungsgewalt haben - diese Domäne wollen sich Williams und Head nicht wegnehmen lassen, solange sie die Kontrolle besitzen: "Das ist nicht vorgesehen", so Williams über eine sportlich-operative Rolle von Wolff im Team. "Wenn er eine Meinung zu etwas hat, werden wir ihm aber natürlich zuhören. Alles andere wäre ja unklug."

Fotoquelle: xpb.cc

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