Nico Rosberg hat sich als einer der Topfahrer in der Formel 1 etabliert

Formel 1 2009

— 24.11.2009

Das war 2009: Nico Rosberg

Nico Rosberg empfahl sich mit einer "Vorzeigesaison" (Marc Surer) bei Williams für Mercedes - Nach vier Jahren bereit für höhere Aufgaben

Zugegeben, die Formel-1-Saison 2009 bescherte der Fangemeinde kein so hochdramatisches Finale wie jenes von São Paulo 2008, doch in vielerlei Hinsicht war das Jahr dennoch eines der interessantesten der Grand-Prix-Geschichte. Denn selten zuvor waren die Kräfteverhältnisse vor den einzelnen Rennen so unvorhersehbar wie in der zurückliegenden Saison - und wahrscheinlich noch nie zuvor hat es einen Weltmeister gegeben, der so unerwartet kam.

Wie ausgeglichen das Feld war, beweist die Tatsache, dass alle Teams bis auf Toro Rosso (!) entweder einen Grand Prix angeführt oder den Sprung auf das Podium geschafft haben. Außerdem konnten sechs Fahrer aus vier Teams Rennen gewinnen und sogar acht Fahrer aus sechs Teams eine Pole-Position erobern. 'Motorsport-Total.com' rollt die zurückliegenden Ereignisse in Form einer Artikelserie noch einmal auf. Den Anfang machten die zehn Teams, nun folgen die fünf Deutschen und zum Abschluss am 26. November Weltmeister Jenson Button. Heute: Nico Rosberg.

Rosberg und der Mythos Silberpfeile

Der 24-Jährige wurde für seine starken Leistungen in der abgelaufenen Saison zwar nicht mit einem Sieg oder gar dem WM-Titel belohnt, dafür ist ihm endlich der Absprung von Williams in ein absolutes Topteam gelungen: Erst gestern wurde offiziell bestätigt, dass Nico Rosberg 2010 für das neue Silberpfeil-Werksteam fahren wird - als erster Deutscher seit Karl Kling im Jahr 1955! "Das ist etwas ganz Besonderes, wirklich cool! Es wurde wieder Zeit für einen Deutschen im Silberpfeil", freut er sich.

Die Hoffnung, dass ihm Williams ein Siegerauto hinstellt, wurde auch im vierten Jahr beim ehemaligen Weltmeisterteam aus Grove nicht erfüllt. Zwar traf die Designcrew um Technikchef Sam Michael mit dem Doppeldiffusor und dem Verzicht auf KERS im Winter die richtigen Grundsatzentscheidungen, doch von den drei Doppeldiffusorteams war Williams neben Brawn und Toyota von Anfang an nur die Nummer drei.

In Melbourne zündete Rosberg dennoch ein furioses Feuerwerk, durch das er vor dem Qualifying plötzlich als Mitfavorit gehandelt wurde - drei Trainingsbestzeiten en suite! Aber wie das Team erst Wochen später zugab, wurde in der ersten Saisonhälfte oft mit wenig Benzin an Bord trainiert, um sicher den Einzug in die Top 10 zu schaffen. Daher entsprach der fünfte Startplatz im Albert-Park dann auch in etwa den realistischen Erwartungen. Im Rennen wurde der gebürtige Wiesbadener Sechster.

Lob von Head für tolle Starts

Ein richtiges Highlight setzte er nur eine Woche später in Kuala Lumpur, wo Rosberg - wohlgemerkt ohne KERS - vom vierten Startplatz kommend noch vor der ersten Kurve in Führung ging. Der Williams-Pilot konnte sich bis zu seinem ersten Boxenstopp und dem später einsetzenden Regen auch tatsächlich vorne behaupten. "Die ersten drei, vier Runden sind Nicos große Stärke", lobt Williams-Teilhaber Patrick Head. "In der heutigen Formel 1, in der das Überholen so schwierig ist, ist das eine sehr wertvolle Eigenschaft."

"Malaysia sah wirklich gut aus. Er fuhr vorne weg", erinnert sich 'Motorsport-Total.com'-Experte an die Führungsrunden im zweiten Grand Prix der Saison. "Malaysia ist auch eine Strecke mit schnellen Kurven, wo was möglich gewesen wäre, aber es hat nicht sollen sein." Weil er mit dem Timing des Wechsels auf Regenreifen Pech hatte, wurde Rosberg letztendlich nur Achter, doch zumindest hatte er seine Duftmarke gesetzt.

"Es gibt einfach Piloten, die können sofort ans Limit gehen, während sich andere ein bisschen einfahren müssen. Es scheint, dass Nico auch kalt auf die erste Kurve zufahren kann und sofort weiß, wo es lang geht und wie der Grip ist", lobt Surer und sieht Parallelen zu einigen Allzeitgrößen der Formel 1: "Das ist eine Fähigkeit, die ein Senna hatte, die ein Schumacher hatte. Nico kann das offensichtlich auch."

Konstant in den Punkterängen

Nach zwei Nullnummern in Schanghai und Manama - man fürchtete bereits, dass Williams mit dem Nachrüsten der Konkurrenz auf den Doppeldiffusor schneller als erhofft zurückfallen könnte - holte Rosberg zu einer beeindruckenden Serie aus: Der Wahlmonegasse fuhr achtmal hintereinander in die Punkteränge, zeigte auf dem Nürburgring eine sensationelle Aufholjagd vom 15. auf den vierten Platz und wurde auch beim nächsten Rennen in Budapest Vierter. Es sollten seine zwei besten Saisonergebnisse bleiben.

In den letzten fünf Rennen fuhr er dann nur noch einmal unter die besten Acht (als Fünfter in Suzuka), aber das war nicht primär seine Schuld: "Das war die Charakteristik seines Autos, dass er auf diesen schnellen Strecken nicht mithalten konnte", nimmt Surer Rosberg in Schutz. "Es lag möglicherweise an der Kombination aus dem Motor und aus der Aerodynamik, die auf Kurven ausgelegt war und nicht auf Luftwiderstand."

Das Surer-Argument gilt allerdings nicht für das Nachtrennen in Singapur, wo der Williams-Pilot genau wie 2008 ein sicheres Podium in der Tasche zu haben schien, bis er bei der Boxenausfahrt die weiße Linie überfuhr und dafür zurecht mit einer Durchfahrstrafe belegt wurde. Damit war der Traum vom Podestplatz - es wäre übrigens der einzige der gesamten Saison gewesen - ausgeträumt. Der Schmerz war jedoch zu verkraften, weil er den Mercedes-Vertrag zu jenem Zeitpunkt bereits in der Tasche hatte.

Klarer Sieg gegen Nakajima

Bei einer teaminternen Bilanz, wie er sie 2009 ablieferte, sind vereinzelte Fehler auch erlaubt: Rosberg deklassierte den vom Grundspeed her unterschätzten Japaner Kazuki Nakajima in den Qualifyings mit 14:3 und schenkte ihm in der Punktetabelle sogar mit 34,5:0 ein. Nakajima mag zwar kein kommender Weltmeister sein, aber immerhin hat es seinerzeit dafür gereicht, Alexander Wurz aus der Formel 1 zu verdrängen.

"Nico hat sich in diesem Jahr extrem gesteigert", nickt Surer zustimmend. "2008 war ein ziemlich hartes Lehrjahr für ihn, aber jetzt hat er auch gelernt, wie man ein Auto abstimmt und wie man alles auf die richtige Reihe kriegt, um Erfolg zu haben. Von dem her muss ich sagen, dass das eine Vorzeigesaison war, die er abgeliefert hat - mit einem Auto, das seine Stärken hatte, aber nicht auf allen Strecken wirklich gut war."

"Nico hat das zu nutzen gewusst - und genau das sucht man: Jemanden, der es dann auch umsetzt. Es gab dieses Jahr auch andere Piloten, die ein gutes Auto hatten, aber wenig daraus gemacht haben", so der ehemalige Formel-1-Pilot, der daher findet, dass Rosberg nun auch reif für eine Führungsrolle in einem Topteam wie Mercedes ist: "Er ist jetzt fähig, Teamleader zu sein. Das hat er dieses Jahr bewiesen. Letztes Jahr war er da nicht so überzeugend, aber jetzt hat er gezeigt, dass er ein Auto entwickeln kann und es auch umsetzt."

Ein kompletter Rennfahrer geworden

"Nico ist ein sehr fähiger Fahrer", unterstreicht Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Er hat sich seinen Weg in den vergangenen vier Jahren erkämpft und ich finde, er hat dieses Jahr in einem Williams-Toyota einen außergewöhnlichen Job gemacht. Mir fallen sehr starke Rennen wie am Nürburgring ein, wo er als 15. startete und am Ende Vierter wurde. Er hat viele entschlossene Leistungen gezeigt, das Auto sehr oft ins Ziel gebracht, nicht viele Fehler gemacht, war im Qualifying schnell. Aus diesen Gründen haben wir ihn verpflichtet."

In 17 Rennen schied der mit 24 Jahren immer noch junge Deutsche ein einziges Mal aus - mit Getriebeschaden in São Paulo. Doch obwohl sein Ansehen im Fahrerlager aufgrund seiner Leistungen enorm gestiegen ist, ist Rosberg im Gespräch mit Journalisten immer noch für einen flotten Spruch gut. Wenn er einmal sauer ist und sich wieder darüber ärgert, dass ihn sein Renningenieur via Funk anfeuert, alles zu geben ("Glauben die, dass ich spazieren fahre?"), bindet er einem wenigstens keine Worthülsen von wegen Teamwork auf die Nase, sondern er rotzt Dinge wie "Ich sage jetzt besser nichts, sonst kriege ich wieder Schwierigkeiten" ins Mikro.

Auch Surer traut Rosberg zu, dass er nach seiner eher schüchternen Premierensaison 2006 inzwischen gelernt hat, intern auf den Tisch zu hauen: "Ich habe ihn noch nie gehört, also kann ich das nicht beurteilen, aber ein bisschen was von seinem Vater müsste er haben, oder?" Eines hat er von Vater Keke aber noch nicht: "Es fehlt einfach noch der Sieg. Der erste ist am schwierigsten. Wenn er den einmal hat, dann ist alles gut für den Weg zum Weltmeistertitel..."

Saisonstatistik:

Fahrerwertung: 7. (34,5 Punkte)
Gefahrene Rennen: 17/17
Siege: 0
Podestplätze: 0
Pole-Positions: 0
Schnellste Rennrunden: 1
Durchschnittlicher Startplatz: 8,1 (6.)
Bester Startplatz: 3.
Bestes Rennergebnis: 4.
Ausfallsrate: 5,9 Prozent (4.)

Qualifyingduell:

Rosberg vs. Nakajima: 14:3

Fotoquelle: Williams

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