Freudige Stunden an der Strecke waren bei Toyota rar gesät.

Formel 1 2009

— 26.11.2009

Die vielfältigen Gründe des Scheiterns von Toyota

Am Ende scheiterte der Autoriese Toyota in der Königsklasse des automobilen Rennsports an niemand anderen als sich selbst

Die Szene als Akio Toyoda mit den Tränen kämpfend Anfang November das Ende des Engagements von Toyota in der Königsklasse bekanntgegeben hat, ist wohl jedem Fan und interessierten Beobachter der Formel 1 noch in lebhafter Erinnerung. Es war der vorerst letzte Akt des Scheiterns der stolzen japanischen Autobauer in der Formel 1.

Mit Honda hatte sich bereits vor der Saison ein japanischer Hersteller aus der Formel 1 zurückgezogen, in anderen Rennsportklassen scheiterten zum Beispiel Subaru und Suzuki (Rallye-WM) oder Kawasaki (MotoGP). Dem gegenüber stehen allerdings auch einige Erfolgsgeschichten wie die von Yamaha und Honda in der MotoGP oder von Toyota in der NASCAR. Das Scheitern weiterer Hersteller lässt die These, der Toyota-Ausstieg sei lediglich eine Folge der Wirtschaftskrise, zunächst einmal als zu kurz gegriffen erscheinen.

Zumal es an Geld nie gefehlt hat. Toyota ist schließlich der größte Autobauer der Welt und dachte - mit einem gewissen Selbstbewusstsein resultierend aus der eigenen Größe und einem dicken Geldbeutel - die Formel 1 ebenso beherrschen zu können wie die Absatzmärkte des automobilen Weltmarktes.

Ex-Toyota-Boss David Cregan erklärte das in der Zeitschrift 'Autosport' wie folgt: "Toyota wollte auf seine eigene Art, nach Toyota-Art gewinnen, aber alles lief schief." Die Toyota-Art funktionierte nicht. Das Kaizen und die Formel 1 passten nicht zusammen: Toyota ist an sich selbst gescheitert.

Früh zum Scheitern verurteilt

2002 stieg Toyota in die Formel 1 ein. Damals durfte noch an den Motoren herumgeschraubt werden wie man wollte, es gab so gut wie keine Beschränkungen. Mit gleich zwei Windkanälen und einer nigelnagelneuen Fabrik in Köln wollte Toyota Zeichen setzen - acht Jahre später haben die Japaner trotz immenser Ausgaben nicht einmal einen Grand-Prix-Sieg zustande gebracht und damit das ökonomische Prinzip ad absurdum geführt.

Ein Grund für das grandiose Scheitern ist die mangelnde Konstanz beim Personal gewesen, sagt zumindest Ex-Formel-1-Pilot Mika Salo in 'Autosport': "Es sind dort zu viele Sachen passiert. Das Personal an den Schlüsselpositionen wurde ständig ausgetauscht, sie hatten nicht die Kontinuität, um Erfolg zu haben. Sie besaßen gute Ingenieure und Fahrer, aber dann wurde das Personal komplett ausgetauscht und die Arbeit begann wieder bei Null."

"Es wurde nicht rechtzeitig erkannt, dass die Richtung, die das Team einschlägt, ein Irrweg ist, obwohl das für Experten der Szene offensichtlich war", erklärte David Cregan, dass das Toyota-Projekt schon früh zum Scheitern verurteilt war. "Bei Toyota arbeiteten zwar viele Leute, die ihr Handwerk verstanden, eine Philosophie entwickelt sich jedoch erst mit der Zeit auf der Straße."

Als Toyota die Chance besaß, mit Brawn ins Geschäft zu kommen, der eine Philosophie hätte entwickeln können und den Stall, auf gut Deutsch gesagt, hätte ausmisten können, wurde diese Chance vertan.

Keine Konstanz bei den Beschäftigten, keine Philosophie und in Folge dessen keine Erfolge: Da verwundert es nicht, dass man in Japan im Zuge der Finanzkrise dem teuren Formel-1-Projekt den Stecker zog.

"Ich habe es kommen sehen", sagte Salo. "Jeder hat gespürt, dass der Arbeitsplatz nicht sicher war. Die Mitarbeiter hatten Angst um ihren Arbeitsplatz. Toyotas Ausstieg ist eine Schande, denn sie haben nie das erreicht, was sie sich vorgenommen hatten."

Fotoquelle: Toyota

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