Mit diesem Prototypen bereitet sich Lotus derzeit auf die Formel 1 vor

Formel 1 2009

— 02.12.2009

Lotus-Standorte sollen bis 2012 verschmelzen

Das Lotus-Team operiert derzeit von vier Standorten aus - Tony Fernandes: Erster Sieg schon erreicht, weitere sollen folgen

Derzeit operiert Lotus von vier Standorten aus: In Köln hat Mike Gascoyne einige Ex-Toyota-Ingenieure zu einem eigenständigen Designteam geformt, in Bologna steht der Aerolab-Windkanal, auf den man jederzeit zurückgreifen kann, in Norfolk befinden sich Produktion und Montage und die Administration wird von Kuala Lumpur aus überwacht.

"Es war eine Zeitfrage", erklärt Gascoyne gegenüber der 'BBC'. "Unsere Einschreibung wurde im September bestätigt. Wenn du nach Ingenieuren suchst, sind die aber meistens mit einem sechsmonatigen Arbeitsverbot belegt. Das bedeutet, dass neue Leute großteils erst im März beginnen können. Also mussten wir nach Zentren suchen, wo Leute sofort verfügbar sind, um das Auto fertig zu bekommen. Das ist aber nicht unser langfristiger Plan."

Teamchef Tony Fernandes, hauptberuflich Geschäftsführer von Williams-Sponsor AirAsia, betrachtet diese Viererkonstellation nicht unbedingt als kontraproduktiv: "Es sind getrennte Bereiche und Operationen. Ich sehe das nicht als Nachteil." Gleichzeitig kündigt er aber an: "In drei Jahren wollen wir alle Standorte zu einem verschmelzen. Aus offensichtlichen Gründen werden wir unsere Niederlassung in Großbritannien aber sicher nie aufgeben."

Neue Basis in Malaysia geplant

Fernandes möchte das komplette Team an die Rennstrecke in Kuala Lumpur verlagern - mit möglichst vielen einheimischen Ingenieuren und im Idealfall auch einem einheimischen Fahrer. Doch das ist Zukunftsmusik. Zunächst einmal klärt er die Verwirrung um den komplizierten Teamnamen auf: "'Lotus F1 Racing' ist der Rennsportname des Teams. Der Firmenname ist malaysischer Abstammung, nämlich '1Malaysia Racing Team'."

"Lotus kam letztendlich dadurch zustande, dass wir von Litespeed kontaktiert wurden, die eine Lotus-Einschreibung zusammengestellt hatten, aber von der FIA abgewiesen wurden. Für uns machte das natürlich Sinn, denn Lotus gehört zum malaysischen Automobilhersteller Proton", so Fernandes. Das erste Treffen mit Gascoyne fand dann in Silverstone statt: "Ich hielt ihn für den mächtigsten Mann im Motorsport, denn er bekam es hin, mich ins Fahrerlager zu schmuggeln!"

"Als wir anfingen", erinnert er sich, "gab es noch kein Team. Dass Lotus wieder in der Startaufstellung steht, ist schon ein Sieg. Lotus hatte viele schöne, aber am Ende auch sehr schwierige Zeiten in der Formel 1. Dann verschwand der Name ganz. Wir werden realistisch betrachtet nicht sofort vorne sein, aber wir haben eine großartige Plattform für die Zukunft. Daher sagen wir unseren Partnern: Kommt zu uns, seid geduldig und erlebt dann das Revival mit!"

Fernandes hofft, dass aus einer Formel-1-Euphorie heraus auch die Sportwagenmarke Lotus wiederbelebt werden könnte. Doch trotz seiner großen Ziele verspürt er "keinen großen Druck, sondern ich bin ganz aufgeregt, dass wir dabei sein werden, und ich freue mich schon auf den Moment, zum ersten Mal ein Lotus-Auto in der Startaufstellung zu sehen." Und: "Wenn du das machst, dann willst du auch gewinnen. Das wird aber ein bisschen dauern."

Offensichtlich sieht der Geschäftsmann, der das Amt des Teamchefs am Saisonbeginn an einen erfahrenen Motorsportler abgeben will, Gascoyne als großen Hoffnungsträger für seine Vision. Der wollte ursprünglich mit Litespeed in die Formel 1 zurückkehren - und witterte trotz FIA-Absage seine große Chance, als in Malaysia die Idee entstand, ein Nationalteam zu gründen. Da passte es hervorragend zusammen, dass die Rechte an Lotus inzwischen beim Staatskonzern Proton liegen.

Der Traum vom Grand-Prix-Sieg

"Jedes Rennen zu beenden, wäre ein großartiger Anfang. Bestes der neuen Teams zu sein, manchmal ins zweite oder sogar dritte Qualifying einziehen - das wäre aufregend", sagt Fernandes. "Ein Ziel haben wir aber schon erreicht: Wir sind im gleichen Feld wie Ferrari und McLaren und all die anderen tollen Teams. Jetzt können wir zumindest schon mal davon träumen, einen Sieg zu feiern oder auf das Podium zu kommen. Von nun an haben wir es selbst in der Hand."

Gascoyne spürt "natürlich" einen gewissen Druck, an frühere Lotus-Glanzzeiten anzuknüpfen: "Wir wollen ja auch unser Markenimage nicht beschädigen. Ich glaube aber, dass wir dazu in der Lage sind und dass wir fähige Leute bekommen werden, eben weil wir Lotus sind", sagt der Brite und fügt an: "Jedes Team, für das ich seit 1994 gearbeitet habe, war spätestens 20 Rennen nach meiner Ankunft auf dem Podium. Das wäre doch ein schönes Ziel, wenn auch ein sehr ambitioniertes!"

Der Zeitpunkt für den Formel-1-Einstieg sei wegen der Kostensenkungen und der Herstellerausstiege "perfekt" für das Projekt: "Colin Chapman und Lotus standen für Ingenieurskunst und Innovation. Ich glaube, jetzt ist der richtige Moment für ein Lotus-Comeback, denn hoffentlich wird die Formel 1 einen Weg einschlagen, der kleine und innovative Teams mit guten Ingenieuren bevorzugt. Das finde ich so aufregend an diesem Projekt."

"Die Leute sollen in einem Jahr sagen: Ja, das ist das Lotus-Team - und es bringt die Leistung, die wir von einem Lotus-Team erwarten", träumt der erfolgreiche Formel-1-Konstrukteur, der sich in der Vergangenheit vor allem bei Jordan, Renault und Toyota einen Namen gemacht hat - und er enthüllt seine ganz persönliche Lotus-Connection: "Ich bin nur fünf Kilometer von Norfolk entfernt zur Schule gegangen. Das alles passt wie die Faust aufs Auge..."

Fotoquelle: Lotus

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